Sanierung des Ottilie-von-Hansemann-Hauses

Im Denkmal wird bald wieder gewohnt

Im Denkmal wird bald wieder gewohnt
So soll das Ottilie-von-Hansemann-Haus an der Otto-Suhr-Allee in gut einem Jahr aussehen. Zur Foto-Galerie
City West – Das Ottilie-von-Hansemann-Haus wurde einst als Wohnheim für Studentinnen erbaut, aber schon lange nicht mehr für seinen ursprünglichen Zweck genutzt. Neue Investoren wollen das nun ändern und sogar die nahe Technische Universität als Mieter gewinnen. Geplant sind 97 Wohnungen.

Hinter der Sanierung des 1914/15 erbauten und inzwischen denkmalgeschützten Gebäudes in der Otto-Suhr-Allee stehen Dirk Germandi, Macher des Hauses Cumberland am Kurfürstendamm, und Martin Rasch. Mit der zusätzlichen Errichtung eines Neubaus wurde Professor Christoph Schwebel von Patzschke & Partner Architekten beauftragt. Die Parallelen zu Germandis bekanntestem Projekt sind augenscheinlich: „Für mich ist das die kleine Schwester vom Cumberland“, sagt der Investor selber. Vergleichbar sind nicht nur die Strukturen – das Wohnen im Apartment –, sondern auch Elemente wie Säulengänge, Stuckverzierungen und die Gartenanlage im Hof. Letztere soll ähnlich wie im Haus Cumberland gestaltet werden – aufgrund des großen Erfolges, wie Germandi anfügt.

Im Frühjahr dieses Jahres kauften Germandi und Partner das von Deutschlands erster selbstständiger Architektin Emilie Winkelmann gebaute Ottilie-von-Hansemann-Haus. Benannt ist es nach einer Frauenrechtlerin, die sich für das Studienrecht für Frauen einsetzte. Allerdings ist die ursprüngliche Art der Nutzung nur noch in wenigen Räumen zu erkennen. Das Gebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gewerblich und als Sitz der Berliner Kulturverwaltung zweckentfremdet. Zwischendecken verbergen etwa in vielen Zimmern den Stuck.

Nun sollen dort bis Ende nächsten Jahres wieder 65 Wohnungen zwischen 41 und 179 Quadratmetern entstehen. Für die restlichen 32 geplanten Einheiten (Größe zwischen 45 und 279 qm) wird ein Neubau errichtet, der bis Mitte 2016 fertiggestellt werden soll. Dirk Germandi, auch in der Öffentlichkeit ein Freund offener Worte, kritisierte in diesem Zusammenhang die langen Bearbeitungszeiten von Bauanträgen in Berlin: „Es ist ein Problem, solche Projekte in adäquater Zeit genehmigt zu kriegen.“

Erhalt der historischen Substanz

Die Bausubstanz des Ottilie-von-Hansemann-Hauses bezeichnet Germandi als hervorragend – daher sind an den Fassaden auch keine großen Änderungen nötig und die Bauherren können nah am Denkmal bleiben. Die „historische Patina“, wie sich der Investor ausdrückt, soll erhalten bleiben – dazu gehören etwa verzierte Türen und die Kasten-Doppelfenster. Lediglich zusätzliche Balkone werden außen angebracht.

Das Theater Tribüne, das bis 2011 im Ottilie-von-Hansemann-Haus residierte und dann im Streit mit den Vorbesitzern um einen neuen Mietvertrag auszog, wird nicht in das denkmalgeschützte Gebäude zurückkehren. Germandi hatte sich nach eigenen Angaben dafür eingesetzt, doch die Idee scheiterte an fehlenden Fördergeldern. Im Idealfall sollen die sehenswerten Theaterräume wieder kulturell genutzt werden. Der Investor spricht von einer bekannten Künstlerin, die dort eine Sprechschule einrichten wolle. Allerdings steht das Vorhaben noch unter Finanzierungsvorbehalt.

Durch die unmittelbare Nähe zur Technischen Universität (TU) – der Ernst-Reuter-Platz ist nur 150 Meter entfernt – wäre das sanierte Ottilie-von-Hansemann-Haus auch wieder für eine universitäre Nutzung interessant. Dirk Germandi schwebt vor, dass etwa Gastdozenten in einigen der Wohnungen unterkommen könnten. Erste Gespräche mit der TU habe es gegeben, eine Fortsetzung könne nach der Erteilung der Baugenehmigung folgen.

Germandi und Partner investieren rund 48 Millionen Euro in das prestigeträchtige Projekt. Die Wohnungen sollen zu Quadratmeterpreisen zwischen 3.700 und 5.000 Euro verkauft werden. Mieter dürften nach Germandis Schätzung zwischen 12 und 14 Euro zahlen.

Foto Galerie

Im Denkmal wird bald wieder gewohnt, Otto-Suhr-Allee 18-20, 10585 Berlin
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