Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

"Kreuzkölln ist ein saublöder Begriff"

Über den Dächern von Neukölln: Mackie Heilmann wohnt schon über 15 Jahre im Bezirk.
Nord-Neukölln - Schauspielerin Mackie Heilmann lebt seit Ende des letzten Jahrtausends und dem Beginn ihrer Ausbildung in Neukölln. Die Veränderungen im Kiez sieht sie mit anderthalb lachenden Augen, ans Wegziehen denkt sie nicht. Im Gespräch mit Qiez.de erzählt sie außerdem vom Schubladendenken bei der Rollenbesetzung und dem Berlin-Bild der Hamburger.

Kaffee im Klunkerkranich, ein sonniger Vormittag über den Dächern von Neukölln: Zu verdanken ist das Mackie Heilmann, die sich den angesagten Dachgarten auf dem obersten Parkdeck eines Einkaufszentrums für unser Gespräch ausgesucht hat. Es soll nicht der einzige gute Kiez-Tipp bleiben, den uns die Schauspielerin anvertraut. Kein Wunder, schließlich lebt sie seit Ende der 1990er in Nord-Neukölln. Damals kamen nur die wenigsten Neu-Berliner auf die gleiche Idee. Heute ziehen ungleich mehr von ihnen in die Gegend, die sie als „Kreuzkölln“ kennen.

Heilmann ging zu Anfang auf eine Schauspielschule in Charlottenburg. Ihre ersten Auftritte hatte sie auf der Bühne des kleinen Theaters Coupé am Hohenzollerndamm. Seither sind diverse Theaterrollen – in Stücken für Kinder wie Erwachsene – hinzugekommen. Im Fernsehen war Heilmann nach ihrem Mitwirken in der Kinderserie „Schloss Einstein“ unter anderem von 2005 bis 2007 in drei Staffeln der Sat1-Comedyreihe „Weibsbilder“ zu sehen. Ein aktuelles Projekt, für das die gebürtige Mannheimerin ab Herbst wieder dreht, ist „Siebenstein“, eine weitere Kindersendung.

Kurvige Klischees

Schaut man sich die Vita der Schauspielerin an, wirkt diese vielfältig: Comedy, Krimis, Produktionen für Kinder, viel Theater. „Alles was ich gemacht habe, habe ich gerne gemacht“, sagt Heilmann. Ganz so problemlos ist die Rollensuche aber nicht. Die Neuköllnerin ist etwas kräftiger gebaut und sieht bei Castern und anderen Branchenverantwortlichen in dieser Hinsicht noch Denkschablonen am Werk. Ähnliches erzählte uns auch Siir Eloglu in Bezug auf ihren Migrationshintergrund. Die beiden Kolleginnen kennen sich und Heilmann nennt das Problem beim Namen: „Wenn in einem Drehbuch steht, das ist eine alleinerziehende Mutter auf der Suche nach Männern, ohne die Beschreibung türkisch oder kurvig, dann würde man höchstwahrscheinlich weder sie noch mich besetzen – was ich total schade und langweilig finde. (…) Ob die alleinerziehende Mutter Kleidergröße 34 oder 48 hat, ist eigentlich irrelevant.“

Häufiger bekommt die Schauspielerin Anfragen, bei denen entsprechende Stereotype eine Rolle spielen. „Es gibt viel, was ich mir erlaube abzulehnen“, sagt Heilmann. Und fordert ganz allgemein: „Wir müssen an dem Bild arbeiten, was wir schön finden und was nicht.“ Außerdem gebe es deutliche Unterschiede zwischen drallen Kolleginnen und Kollegen: „Männer müssen ihr Gewicht nicht thematisieren. Da ist man bei der Frau noch weit davon entfernt.“ Denkt man etwa an „Tatort“-Kommissar Freddy Schenk aka Dietmar Bär, der zu den beliebtesten TV-Ermittlern zählt, kann man Mackie Heilmann nur zustimmen.

Vintage und Naturkost

Derzeit pendelt die Nord-Neuköllnerin zwischen Berlin und der Hansestadt Hamburg. Bis zum 13. September spielt sie dort in der Komödie Winterhuder Fährhaus das Stück „Die Studentin und Monsieur Henri“. Daran wird sich wohl eine Tournee anschließen. Zum Vergleich der beiden Metropolen – und ehemaligen Konkurrenten um die Olympischen Spiele – äußert sich Heilmann diplomatisch: Es seien „zwei sehr schöne Städte mit hoher Lebensqualität“. Mancher Hamburger sieht das allerdings anders. Ein Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe HVV erklärte Heilmann einmal: „Soll ich ihnen mal sagen, was das Schönste an Berlin ist? Die Autobahn nach Hamburg!“

Die Schauspielerin würde ihm nicht zustimmen. Schließlich lebt sie seit vielen Jahren gerne in Neukölln. Natürlich hat Mackie Heilmann über die Zeit auch ein differenziertes Bild ihres Bezirks gewonnen. „Ich wollte hier nie weg, auch wenn ich um die Probleme des Kiezes weiß. Aber ich finde ihn deswegen auch reell“, sagt sie. Wie vielen irgendwann Zugezogenen ist ihr die zwiespältige Verbindung von Aufwertung und Gentrifizierung bewusst: „Die Gefahr besteht und ist konkret. Die Mieten steigen extrem.“ Heilmann hat noch ein anschauliches Beispiel für den Wandel: „Dass es nun einen Humana-Laden mit „Vintage“-Abteilung gibt, sagt schon einiges über die Veränderungen im Kiez.“

Doch andererseits habe sie sich über viele Entwicklungen gefreut, sagt Heilmann. Heute gibt es Buchläden wie Die gute Seite, bei dem ihr nicht nur der Name gefällt. Oder das Naturkostgeschäft Bioase 44 in der Karl-Marx-Straße, von dem sie sagt: „Es ist total erfreulich, dass es diesen Laden gibt und er keiner Kette angehört.“ Die Auswahl an sympathischen Geschäften in Nord-Neukölln ist stark gewachsen seit den späten Neunzigern – überspitzt gesagt von Null auf Hundert.

Mackies Kiez-Tipps

Mackie Heilmann kennt jede Menge und empfiehlt viele davon gerne weiter. Mit der Eismanufaktur und Fräulein Frost nennt sie gleich zwei tolle Eisläden im Kiez. Dann wären da das vegane Café Vux, inzwischen am Böhmischen Friedhof, die italienischen Restaurants Botanico und Barini oder das Café Zuckerbaby am Richardplatz. Weitere Lieblingsrestaurants sind die Lavanderia Vecchia mit ihrem „tollen Mittagstisch“ oder CocoLiebe, die ihre Pizzen schön dünn backen.

Nord-Neukölln ist inzwischen aber auch für seine Kreativität bekannt. Mackie Heilmann mag etwa Rita in Palma, ein „High-Fashion-Designlabel für Frauen“, wie sie erklärt. Das Besondere: „Das ist ein Label, die häkeln Schmuck, Krägen und Accessoires mit türkischen Frauen, die ein besonderes handwerkliches Talent haben. Ann-Kathrin Carstensen bietet diesen Frauen mit ihren tollen Talenten eine gut bezahlte Arbeitsstelle, einen Weg aus der Arbeitslosigkeit und eine Möglichkeit zur Integration“, so Heilmann.

Und was ist, wenn die Schauspielerin nach der ganzen Pendelei oder einem Einkaufsbummel durch den Kiez einmal Ruhe benötigt? Ihr ahnt es: Heilmann hat auch dafür schöne Plätze gefunden. Manchmal zieht es sie dann in den Körnerpark, wo sie sich ans Wasser oder ins Café setzt. Oder es geht etwas weiter aus dem Kiez hinaus: „Den Britzer Garten finde ich schön und das Tempelhofer Feld ist ein Geschenk.“

Weitere Informationen zu Mackie Heilmann findet ihr auf ihrer Webseite.

Klunkerkranich, Karl-Marx-Str. 66, 12043 Berlin

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