Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Saralisa Volm: Am Kotti ist Berlin Berlin

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Saralisa Volm: Eis muss sein. Zur Foto-Galerie
Die aus dem erotischen Kurzfilm "Hotel Desire" bekannte Schauspielerin hat Familie und wohnt im Bötzowviertel. Doch besonders authentisch findet sie die Hauptstadt rund um das Kottbusser Tor. Ein Gespräch über Kinder, Kieze und einen speziellen Regisseur.

Eine gut aussehende, junge Frau, die Kunstgeschichte studiert und in der Kaffeebar einen Tee trinkt – Saralisa Volm passt doch wunderbar zu unserem Treffpunkt Graefekiez, könnte man meinen. Und würde doch nur zum Opfer des eigenen Bedürfnisses nach Kategorisierungen werden. Denn bei ihren anderen Tätigkeiten hat Volm so gar nichts mit Klischees und klassischen Rollenbildern am Hut. Als Schauspielerin hat sie schon mehrmals mit dem eher ungewöhnlich arbeitenden Underground-Regisseur Klaus Lemke zusammengearbeitet und zuletzt einen eigenen Kurzfilm produziert, der Franz Kafkas Meisterwerk „Die Verwandlung“ auf die moderne Arbeitswelt überträgt. Als Autorin schreibt sie mit einem eigenen Mami-Buch gegen die Klischees und Erwartungen an, die viele andere derartige Bücher (re-)produzieren.

Das Geschäft mit Schwangeren und Müttern, die unzähligen Angebote für sie, sieht Volm als „Riesen-Business“ und häufig auch als Teil einer „Angst-Maschinerie“, die Frauen vorgaukelt, dass es ihrem Kind ohne ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung nicht gut ginge. „Kinder kosten Geld, aber es gibt auch wahnsinnig viele Dinge, die man nicht braucht“, sagt die Schauspielerin aus eigener Erfahrung. Sie ist selbst Mutter und wohnt inzwischen im Bötzowviertel in Prenzlauer Berg – im Graefekiez liegt nur die Kita ihrer Kinder. Ihr Buch ist ausdrücklich kein Ratgeber, sondern plädiert dafür, mit Gelassenheit in die Mutterrolle zu schlüpfen und diese für sich selbst zu definieren.

Kein Problem mit Sexszenen

Einem größeren Publikum ist Saralisa Volm durch ihre Hauptrolle in „Hotel Desire“ bekannt geworden. Im Kurzfilm von Sergej Moya hat sie eine fast zufällige erotische Begegnung mit einem von Clemens Schick dargestellten blinden Maler. Der Film wurde zum Teil per Crowdfunding über das Internet finanziert. Während wie auch nach der Finanzierungsphase war die versprochene explizite Sex-Szene ein Hauptgrund für den Erfolg des Projekts. Volm räumt das freimütig ein und hat damit keinerlei Problem: „Es war ein Film, der sehr gut für Frauen funktionierte, kein Männerporno.“ Über die ‚Nachwehen‘ von „Hotel Desire“ macht sie sich keine großen Gedanken: „Ich habe keine Ahnung, ob ich deswegen irgendwelche Rollen nicht bekommen habe.“

Volm hat jedenfalls schon an ungewöhnlicheren Projekten mitgewirkt. Wiederholt trat sie in Filmen des Regisseurs Klaus Lemke auf, der vor allem in den 1970ern dank der Milieustreifen „Rocker“ und „Amore“ Kultstatus genoss, aber weiterhin produktiv ist, auch wenn nicht alle seine Werke fertig werden. 2007, am Anfang ihrer Schauspiellaufbahn, war sie etwa in „Finale“ zu sehen, einem während des WM-Sommers 2006 in Hamburg gedrehten Low Budget-Film. Volm spielt ein 21-jähriges Callgirl, das sich eine Beziehung zu einer Frau wünscht. Sex gibt es auch hier, aber auch viel St. Pauli und als Hintergrund jede Menge Fußballfans.

In Lemkes Filmen wird sehr viel improvisiert. Laut Volm besteht das ‚Team‘ aus einem Kameramann, der sich auch um den Ton kümmert, den Darstellern und dem Regisseur höchstselbst. Licht gibt es ebenso wenig wie ein komplettes Skript. Auch sonst läuft die Arbeit ganz anders als an gewöhnlichen Filmsets: „Es gibt keinen geplanten Drehtag. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir morgens um 5 oder 6 telefonieren, ist deutlich größer“, erzählt die Schauspielerin. Natürlich kann das anstrengend sein: „Es wird auch viel diskutiert und gestritten. Es geht um alles. Das Arbeiten ist immer sehr existenziell“, so Volm. Im Sommer zog sie sogar für zwei Monate zu Hause aus, um mit Lemke an einem Projekt zu arbeiten – das nun vermutlich nie wie geplant fertiggestellt wird. Dennoch empfindet sie die Arbeit mit dem Regisseur als erfüllend: „Diese Art, einen Film zu machen und als Darstellerin so viel Platz zu haben, ist nicht alltäglich.“

Mehr als einen Lieblingskiez

Bevor sie ganz herzog, pendelte Saralisa Volm von 2007 bis 2011 zwischen Hamburg und Berlin. In der Hauptstadt wohnte sie zunächst in Neukölln – daher der Kitaplatz im nahen Graefekiez. Die Diversität an Menschen und Möglichkeiten sowie die kulturelle Vielfalt machen Berlin für die Schauspielerin, Autorin und Studentin so lebenswert. „Es ist leichter, unterschiedliche Lebensentwürfe zu leben“, findet sie. Dabei mag Volm trotz ihres Wohnsitzes im Bötzowviertel durchaus auch die raueren Ecken der Metropole: „Ich bin auch gerne am Kotti. Da ist Berlin für mich Berlin.“ Ohnehin ist sie ein urbaner Mensch: „Ich bin nicht die, die sagt: Ich muss mal wieder aufs Land fahren.“ Eher schon geht es mit der Familie ins Technik– oder Naturkundemuseum.

Lieblingsorte der Schauspielerin liegen über mehrere Kieze verstreut. Si An in der Rykestraße hält Volm für das beste vietnamesische Restaurant in der Stadt. Direkt im Bötzowkiez mag sie Rosa Canina – „ein sehr guter Eisladen“. Doch in dieser Hinsicht hat es ihr auch Fräulein Frost im Neuköllner Reuterkiez angetan – „weil ich ganz schlecht ohne Guzimi (Gurke-Zitrone-Minze) leben kann“. Eine weitere Leidenschaft von Saralisa Volm ist die Literatur, auch wenn sie in Vorbereitung auf ihren Master seit zwei Jahren fast nur noch Fachbücher liest. Ihren Lesestoff kauft sie ausschließlich bei Grimms Buchhandlung, die wiederum im Graefekiez liegt. Weitere Kreuzberg-Tipps von Volm sind das Doyum Grillhaus am Kottbusser Tor, die Kirk Bar am Schlesischen Tor, die Hotelbar oder der Fuchsbau – auch wenn die Schauspielerin zugibt: „Ich bin Bar-technisch ein ziemliches Mitte-Mädchen geworden. Man trinkt, wo man wohnt.“

Saralisa Volms Buch „Mamabeat: Kinder. Chaos. Glück!“ ist im Beltz Verlag erschienen.

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Kaffeebar, Graefestraße 8, 10967 Berlin

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