Unterwegs in Schmargendorf

Der flotte Charme eines Rentnerviertels

Das Wahrzeichen von Schmargendorf ist die Dorfkirche. Sie wurde um 1280 herum erbaut und ist eine der ältesten Dorfkirchen von Berlin.
Das Wahrzeichen von Schmargendorf ist die Dorfkirche. Sie wurde um 1280 herum erbaut und ist eine der ältesten Dorfkirchen von Berlin.
Schmargendorf - Um den Kiez kurz und knackig zu beschreiben reichen eigentlich vier Wörter: dörflich und gut betucht. Das Leben spielt sich in den beiden Hauptstraßen Breitestraße und Berkaer Straße ab, die mit zahlreichen Shoppingmöglichkeiten die Schmargendorfler verwöhnen. Nicht zu verachten ist das bekannte Standesamt, in dem sich schon Albert Einstein trauen ließ.

Zynisch gesagt, trifft es den Nagel auf den Kopf, wenn Schmargendorf als „Rentnerhochburg“ tituliert wird. Verglichen mit all den Szenebezirken und wachsenden Trendbezirken, wirkt es hier fast ein wenig langweilig und spießig. Gut betucht, Generation 50+ und der kleinstädtische Charakter machen Schmargendorf jedoch wieder außergewöhnlich in Berlin. Und das findet QIEZ ziemlich cool.

Der 249er verbindet Schmargendorf mit der „City“

Der Bus 249 fährt vom turbulenten Zoologischen Garten über das gutbürgerliche Wilmersdorf ins dörfliche Schmargendorf hinein. Schon ab dem Heidelberger Platz steigen die letzten Jugendlichen aus und erschreckenderweise bleibt vorwiegend die grauhaarige Fraktion der Busgäste sitzen. Doch auch diese will selbstverständlich fürstlich versorgt und verwöhnt werden. In der Breitestraße und der Berkaer Straße geht die Post ab. Die beiden Hauptstraßen geizen nicht mit kleinen Bummellädchen, großen Lebensmittelketten oder schicken Cafés und Restaurants und somit finden die gut situierten Schmargendorfler genug Möglichkeiten ihr Geld sinnvoll oder weniger sinnvoll auszugeben.

Hat sich der Besucher durch die Berkaer Straße gekämpft, so sieht er am Ende oder besser gesagt eigentlich am Anfang der Straße mit der Hausnummer 1 das Rathaus Schmargendorf. Es ist ein imposanter Bau im Stil der märkischen Gotik aus dem Jahre 1902. Seit 1920 fungiert es schon als Standesamt und ist bei den Berlinern ein sehr beliebter Trauungsort. Hier haben sich unter anderem schon Ernst Lubitsch, Curt Jürgens und Albert Einstein trauen lassen. Alle Paare wurden im bekannten Ratssaal getraut – einem beeindruckender Raum, dessen inneres Gewölbe komplett aus Sandstein und Kreuzgewölben besteht. Die zusätzlichen Bronzeverzierungen greifen motivisch Bären- und Wildschweinköpfe auf. Sie sollen an den nahgelegten Grunewald erinnern. Die äußere Fassade des Rathauses besitzt beeindruckende Mosaikbilder aus Glas, die märkische Wappen abbilden.

Hier gibt es noch kleine Einkausstraßen und keine Shoppingcenter

Zurück zur Breitestraße geschlendert, befinden sich auf der linken Seite, in einer kleinen ruhigen Einkaufspassage, diverse schnuckelige Lädchen mit Alt-Berliner Charakter.  Von der Buchhandlung  über die Kneipe zum Teelädchen, die kleinen traditionellen Läden halten sich hier tapfer.

Die Dorfkirche an der Ecke Breitestraße und Kirchstraße ist die älteste Dorfkirche im Bezirk und ist eine evangelische Gemeinde, die erstmals am Ende des 13. Jahrhunderts in Erscheinung getreten ist. Es ist ein ansehnlicher frühgotischer Bau aus Feldsteinen wie aus einer längst vergessenen Zeit. Damit steht sie der ältesten Dorfkirche Berlins, der in Marienfelde, nur um 50 Jahre nach! Beschaulich und leicht terrassenförmig angelegt, befindet sich hinter der Dorfkirche der Schmargendorfer Friedhof. Einige bekannte Persönlichkeiten sind hier begraben, so zum Beispiel der Verleger Franz Cornelsen oder der Maler und Grafiker Max Pechstein.

Alles in allem ist der Ortsteil Schmargendorf auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn die Lust verspürt wird, in ein weniger hippes Berlin einzutauchen. Schnell weg kommt man so wie so, denn der 249er braucht nur fünfzehn Minuten zum Kurfürstendamm.

Rathaus Schmargendorf, Berkaer Platz 1, 14199 Berlin

Telefon 030 902912249
Fax 030 902912760

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