Berliner Zoo

Schmutziger Sand im Gehege

Schmutziger Sand im Gehege
Der umstrittene Berliner Zoo- und Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz.
Alt-Friedrichsfelde - Ein Unternehmer schenkte dem Zoo-Chef 30 000 Tonnen Bodenaushub. Doch das Material ist schadstoffbelastet. "Ein giftiges Erbe", sagen Kritiker.

Der scheidende Zoo- und Tierparkchef Bernhard Blaszkiewitz ist erneut in die Kritik geraten. Claudia Hämmerling, Tierschutzexpertin der Grünen im Abgeordnetenhaus, wirft ihm eine „Umweltschweinerei“ vor. Im Bezirksamt Lichtenberg wird etwas vorsichtiger formuliert: Er habe ein „Dummheit“ begangen. Es geht um rund 30 000 Tonnen Sand, die eine Baufirma dem Zoochef kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Blaszkiewitz will den Sand als Bodenbelag für Tiergehege nutzen, doch der Erdaushub ist mit Schwermetallen belastet. Die Grünen halten eine Verwendung in Zoo oder Tierpark für unverantwortlich.

Blaszkiewitz hatte den Sand nach eigenen Angaben vor der Anlieferung untersuchen lassen. Dabei kam heraus, dass das Material nur eingeschränkt verwendet werden darf, weil erhöhte Werte für Blei, Kupfer, Quecksilber und andere Stoffe gemessen wurden. Der Zoochef hält den Sand trotzdem für unbedenklich. Die Menge reiche aus, um den Bedarf für die nächsten zehn bis 15 Jahre zu decken, sagte Blaszkiewitz. Der Zoo werde also viel Geld sparen.

Noch viel zu klären

Das sieht Heinz Nabrowsky vom Bezirksamt Lichtenberg anders. „Den Sand sollte man nicht ohne Weiteres in Gehege einbauen“, erklärte der Fachbereichsleiter für Naturschutz- und Landschaftsplanung. Das müssten sich vorher Veterinäre anschauen. Offiziell habe man aber noch keine Daten vom Zoo bekommen. Nabrowsky könnte sich vorstellen, den kontaminierten Sand mit unbelastetem zu mischen, um die Gesamtbelastung zu senken. Claudia Hämmerling vermutet, dass Blaszkiewitz mit dem Sand eigentlich eine viel größere Umweltsünde kaschieren wollte. Unter den neu aufgeschütteten Sandbergen lagere gefährlicher Bauschutt aus abgerissenen Ställen. Das weist Blaszkiewitz zurück. Zumindest für die Entsorgung des Sandgebirges müsste der Zoochef jetzt aufkommen, findet Hämmerling. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung schätzt die Kosten für eine ordnungsgemäße Deponierung auf rund eine halbe Million Euro.

Nach Ansicht der Grünen hinterlässt Blaszkiewitz seinem designierten Nachfolger Andreas Knieriem ein „giftiges Erbe“. In einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen bestätigt die Senatsfinanzverwaltung, dass er das Sandgeschäft nicht mit seinem Nachfolger abgestimmt hat. Ende Juni läuft Blaskiewitz’ Vertrag als Zoo- und Tierparkdirektor aus. Seit 1991 war der heute umstrittene Biologe Tierparkchef, im Januar 2007 hatte er auch die Leitung des Zoologischen Gartens übernommen.


Quelle: Der Tagesspiegel

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