• Dienstag, 29. Mai 2012
  • von grunewäldlerin

Schulen in Schöneberg

Vorsicht! Extrem ansteckende Masern

  • Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln
    Nur Geimpfte dürfen jetzt in die Schule. Foto: dapd - ©Volker Hartmann

In Schöneberg sind sechs Schüler und eine Frau erkrankt. Das Gesundheitsamt hat daher beschlossen, dass Ungeimpfte nicht zum Unterricht kommen dürfen.

Eine schnelle Entscheidung traf das Gesundheitsamt Tempelhof-Schöneberg zu Beginn der vergangenen Woche: Als erste Kinder an drei Grundschulen des Bezirks an Masern erkrankten, verlangte die Behörde von allen Mädchen und Jungen dieser Schulen einen Impf- oder Immunitätsbeleg. Wer nicht nachweisen kann, dass er gegen die extrem ansteckende, gefährliche Viruskrankheit geimpft ist oder schon davon betroffen war und Antikörper gebildet hat, muss dem Unterricht bis zu 14 Tage lang fernbleiben und sich erst impfen lassen. Insgesamt sind bei dem Masernausbruch sechs Schüler und eine erwachsene Frau erkrankt. Ein Kind liegt auf der Intensivstation, schwebt aber nicht in Lebensgefahr.

Eine der ansteckendsten Viruserkrankungen

Aufgetreten sind die Fälle in der Finow-Grundschule, der Werbellinsee-Grundschule und der Scharmützelsee-Grundschule. Nach einer Inkubationszeit von bis zu zwei Wochen litten die erkrankten Schüler erst unter Fieber, Schnupfen, Husten und anderen Symptomen, die normaler Weise auch bei einer Grippe auftreten. Danach zeigen sich die typischen rosafarbenen Punkte. "Masern sind eine der absolut ansteckendsten Viruserkrankungen", erklärt der Amtsarzt und Hygieneexperte des Gesundheitsamtes von Tempelhof-Schöneberg, Andreas Dinter. Die Infektionsträger seien extrem robust. "Geht ein Infizierter beispielsweise durch ein Treppenhaus, so gefährden die von ihm in die Atemluft abgegebenen Viren noch Stunden später nachfolgende Personen."

Daher befolgt der Bezirk jetzt akkurat die Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes. Dieses geht bei den ungeimpften Schülern davon aus, dass sie extrem ansteckungsgefährdet sind oder sich bereits infiziert haben können. Selbst nach einer sofortigen Impfung wartet man bei ihnen sicherheitshalber die Inkubationszeit ab. Das vorübergehende Schulverbot betrifft aber offenbar nur "relativ wenige Schüler." Die Mehrzahl ist ausreichend geimpft.

Nicht bei allen hinreichender Impfschutz

Bei der kombinierten Immunisierung gegen Masern, Mumps und Röteln ist die erste Impfung im 11. bis 14. Lebensmonat nicht ausreichend. Eine zweite muss vier Wochen bis acht Monate später erfolgen. Aber diese Nachimpfung wird nach Information der Amtsärzte "immer wieder von Eltern vergessen, weil sie die Gefahr der Masern unterschätzen." In Tempelhof-Schöneberg waren 96 Prozent der zum Schulstart 2010/2011 untersuchten Erstklässler einmal geimpft, doch nur 92 Prozent zweimal. Berlinweit hatten 2010 nur 89,1 Prozent der Schulanfänger eine ausreichende Immunisierung.

Dazu kommt, dass manche Eltern gegen die Impfung sind, weil sie ihren Kindern gesundheitlich schade. Dabei verweisen sie auf das deutlich abgeschwächte, aber noch lebendige Virus, das mit dem Ziel der Immunisierung eingeflößt wird. Dieses löst die sogenannten "Impfmasern" aus, die aber laut Amtsarzt Dinter im Vergleich zu den Gefahren der Masern "kein ernst zu nehmendes Risiko darstellen."

Wie besorgniserregend hingegen die Masern sein können, demonstriert deren Ausbruch an der Waldorfschule Zehlendorf im April 2010. Ein ungeimpfter Schüler hatte sich auf einer Reise mit dem Virus angesteckt. Zurück in der Schule, breitete sich die Krankheit durch ihn auf rund 60 Menschen aus.

Finow-Grundschule

Welserstr. 16
10777 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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