• Freitag, 27. September 2013
  • von Jessica Walker

Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Jay Khan – Home Sweet Home in der Kurfürstenstraße

  • Jay Khan
    Wir haben Jay Khan in seinem neuen Restaurant, dem "Padre e Figlio", in Wilmersdorf besucht. Foto: QIEZ - ©Jessica Walker

Der in Großbritannien geborene Sänger, Songwriter und seit kurzem auch Restaurantbetreiber kam als 5-Jähriger nach Berlin und hat 22 Jahre lang in der Kurfürstenstraße gelebt – zwischen Straßenstrich und Diplomatenviertel. Wie ihn die Zeit dort positiv geprägt hat und wieso er sich in der Gegend auch heute noch zuhause fühlt, darüber hat er mit QIEZ im Interview gesprochen.

Tariq Jay Khan, der vor allem als Mitglied der Boyband US5 bekannt wurde und aktuell mit seinem deutschsprachigen Band-Projekt Großstadt Freunde durchstartet, hat viel von dem, was er heute ist und wie er denkt, einer Gegend zu verdanken, die damals wie heute als eine der berüchtigtsten Ecken Berlins gilt.

Aufgeschlossen, bescheiden und dankbar wirkt er, wenn er von seiner Kindheit und Jugend an der Schnittstelle zwischen Schöneberg und Tiergarten erzählt: "Ich hatte dort eine grandiose Kindheit und es war für mich eine tolle Gegend. Ob Schulzeit, Klassenfahrten, Freunde besuchen, Bolzplätze, Spielplätze, Abenteuer, Fahrradtouren – ich kann mit fast jedem Haus dort eine kleine Geschichte assoziieren."

Doch natürlich prägt es den Blick auf die Welt, wenn ein kulturell breitgefächerter Freundeskreis und auf dem Asphalt flanierende Bordsteinschwalben ebenso zur Lebensrealität gehören wie auf dem Kurfürstendamm stolzierende High-Society-Vertreter und der Besuch des elitären Französischen Gymnasiums in der Derfflinger Straße (eine Querstraße zur Kurfürstenstraße), wo man plötzlich gemeinsam mit Diplomaten-Kindern die Schulbank drückt. Eine Erfahrung, die Khan jedem nur wünschen kann.

Diskrepanz zwischen Objektivität und dem subjektiven Blick zurück

Khan ist seinen Wurzeln und seinem Kiez treu geblieben, auch wenn er heute eine schöne Altbauwohnung in Wilmersdorf-Schmargendorf sein Eigen nennt. So betont er nachdrücklich: "Mein Kiez ist immer noch da, wo ich aufgewachsen bin. Sprich, wenn ich heutzutage an der Bülowstraße entlanglaufe oder selbst die Kurfürstenstraße, fühle ich mich immer noch zu Hause." Für Nicht-Anwohner, die diese Gegend wohl eher als "No-Go-Area" bezeichnen würden, mag das merkwürdig klingen, doch Khan fasst seine Ode an den Kiez sehr überzeugend zusammen: "Dein Zuhause ist eben dein Zuhause und deswegen hat diese Ecke – in meinen Augen –  immer noch ihren absoluten Charme."

Und nun das Paradox, das er selbst benennt und beschreibt: Denn trotz seines eigenen Wohlgefühls und positiven Assoziationen würde er eigene Kinder hier nur äußerst ungerne aufwachsen lassen. "Gott bewahre. Ich könnte keine Sekunde ruhig bleiben, wenn ich wüsste, dass meine Kinder sich in dieser Gegend auf dem Schulweg befinden. Was bei mir wiederum, knapp 18 Jahre lang, tagtäglich der Fall gewesen ist."

Khans Kiez-Tipps: Vom DiVan bis zum Melting Pot

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Khan selbst empfiehlt einen Abstecher ins Café DiVan in der Potsdamer-/Ecke Bülowstraße, wo es die genialsten Kuchen der Stadt geben soll oder – für den kulturellen Anspruch – einen Besuch im berühmten Wintergarten, der mit interessanten Revue- und Varieté-Shows lockt. Eine schöne Location für den entspannten Drink am Abend findet man in Harry’s New York Bar im Hotel Esplanade am Lützowufer. Und wer sich nicht bedienen lassen, sondern selbst entdecken möchte, den erwartet auf kulinarischer Ebene ein ganzer Melting Pot an Gewürzläden und Gemüsemärkten, die am Kudamm nicht zu finden sind. "Es ist also alles irgendwie da", resümiert Khan abschließend.

Wer sich noch den einen oder anderen persönlichen Kiez-Tipp geben lassen möchte, der kann seit Mitte Mai auch gerne im Padre e Figlio (zu Deutsch: Vater und Sohn) vorbeischauen, Jay Khans erstem eigenen Restaurant in der Uhlandstraße 43/44, in dem er fast jede Minute seiner Freizeit verbringt. Geboten wird hier original italienische Cucina, serviert von Papa Zulfiqar Khan, der seit über 35 Jahren als renommierter Küchenchef tätig ist und übrigens heute noch die Kurfürstenstraße sein Zuhause nennt.


Padre e Figlio

Uhlandstraße 43/44
10719 Berlin

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Quelle: QIEZ
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