• Freitag, 07. September 2012

Tausende protestierten

Demo gegen die Gema-Reform

  • Demo gegen die Gema-Reform
    Rund 4000 Demonstranten brachten am Donnerstag auf dem Kurfürstendamm ihren Unmut in Sachen Gema-Reform zum Ausdruck. Foto: dapd - ©Paul Zinken/dapd

An der Gema-Zentrale protestierten am Donnerstag Tausende gegen die Reform der Verwertungsgesellschaft. Ein Dialog zwischen den beiden Parteien ist derzeit allerdings nicht zu beobachten.

Am Donnerstag rollte ein Dutzend farbenfroher Lkw mit Türmen von Lautsprecherboxen auf den Ladeflächen den Kurfürstendamm entlang. Rund viertausend Personen liefen daneben her, tanzten und tranken. An den Seiten der Lastwagen hingen Schilder in bunten Farben, beschriftet mit großen Zahlen, Prozentangaben, zahlreichen Ausrufezeichen – und ein ums andere Mal der Begriff "Clubsterben".

Fast alle Clubs Berlins protestieren

Beinahe alle großen Clubs der Hauptstadt haben einen eigenen Lastwagen geschickt. Mittags stand Olaf Möller in der Keithstraße unter Ahornbäumen und sah auf die Lkw. Er war sechs Jahre lang der Betreiber eines Clubs in Mitte. Heute ist er der Leiter der Clubcommission, eines Zusammenschlusses von Partyveranstaltern der Hauptstadt. Gemeinsam mit den anderen Demonstranten protestierte er gegen eine Reform, von der die Gegner sagen, sie sei eine existenzielle Bedrohung für die Clubs.

Seit der Ankündigung der Verwertungsgesellschaft Gema, die Tarife 2013 mit mehr Transparenz und Gerechtigkeit zu gestalten, herrscht im Internet Aufruhr. Bundesweit protestierten am Donnerstag Tausende von Menschen in elf Städten gegen die Gema-Reform. Bis gestern hatte bereits eine Petition im Internet die Unterschriften von 300.000 Menschen erhalten.

Die bisherigen elf Tarife werden zu nur zwei Tarifen gebündelt

Die Reform beinhaltet die Bündelung der bisherigen elf Tarife zu zwei neuen. Die Veranstalter kleinerer Events sollen weniger bezahlen, Discos und Clubs, deren Geschäftsmodell vorrangig auf Musik fußt, erheblich mehr. Sie sollen zehn Prozent der Eintrittsgelder an die Verwertungsgesellschaft abführen, die das Geld treuhänderisch unter den Urhebern der gespielten Lieder verteilt. Olaf Möller von der Clubcommission hat allerdings die Befürchtung, dass die zehn Prozent nicht das letzte Wort sind. "Das sind Halbwahrheiten", sagt Möller. Durch die Reform werde die Gema die Clubs zusätzlich durch weitere Zuschläge belasten, etwa für DJs, die mit Laptop Musik spielen oder Partys, die länger als acht Stunden dauern.

Die Gema, also Möllers Gegner, befindet sich an derselben Straße, durch die die Demonstranten zogen. Ihre Räumlichkeiten befinden sich in einem Gebäude mit sieben Stockwerken und Marmorfassade. In der obersten Etage saß eine Frau mit dunklen Haaren und wachen Augen. Sie sagte: "Immerhin zeigen die Proteste, dass die Musik den Menschen sehr viel bedeutet." Ursula Goebel ist die Gema-Sprecherin. "Leider sind viele nicht bereit, angemessen dafür zu bezahlen."

Nur wenige sprechen sich in der Öffentlichkeit für die Reform aus

Bislang, so Goebel, hätten einige Clubs für die Gema pro Abend nicht viel mehr gezahlt als für das Toilettenpapier. "Wenn ein Club nun zum Beispiel statt 40 Euro am Abend 160 zahlen muss, ist das zwar eine 400-prozentige Kostensteigerung", so Goebel. Gemessen am gesamten Umsatz aber sei es nur ein winziger Bruchteil. "Und ohne Musik könnte kein Club Gewinn erzielen."

Auf dem Gang in der Gema-Direktion stand ein großer Mann mit Brille und meinte: "Alle sprechen von der Angst der Clubbetreiber - aber kaum jemand von der Angst der Urheber." Micki Meuser, 59, produziert von Berufs wegen Musik. Er ist einer jener Menschen, für die die Verwertungsgesellschaft Geld einnimmt. Und einer der wenigen, die die Reform in der Öffentlichkeit gutheißen. "Die Gastronomen sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren", so Meuser, "statt mit Polemik Druck aufzubauen." Seitdem der Musiker sich so für die Reform ausspricht, erhält er auf Facebook Drohungen und beschimpfende Kommentare. Die Lobby der Clubs ist nicht schwach, schon gar nicht in Berlin.

Weitere Artikel zum Thema:

Clubs bangen um ihre Existenz

Macht das Berghain wirklich dicht?

GEMA-Gesellsch. für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte e. V.

Bayreuther Straße 37
10787 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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