• Freitag, 11. Mai 2012
  • von Ricarda Terjung

Gartenarbeitsschule Tempelhof-Schöneberg

Grüner Lernort für Großstadtkids

  • Das Schulhaus der Gartenarbeitsschule Tempelhof-Schöneberg
    Versteckt zwischen Bäumen steht das Schulhaus der Gartenschule Tempelhof-Schöneberg in der Mitte des Geländes. Foto: externe Quelle - ©Norbert Winkler

Pflanzen erkennen, Tiere beobachten, Spielen in der Natur: Rund 20.000 Kinder besuchen jedes Jahr das Gelände der Gartenarbeitsschule Tempelhof-Schöneberg. Am Sonntag feiert die Schule ihr 90-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür.

Die Aufgabe ist gar nicht leicht: 100 Prozent Aufmerksamkeit für den Lehrer aufzubringen, angesichts einer solchen Kastanie. Der Baum ist ein Monument. Er überragt das Schulhaus um ein Vielfaches, und er steht in voller Blüte. In Rosa. Was Großstadtkindern aus betonreichen Gegenden schon mal den Unterkiefer herunterklappt, scheint Norbert Winkler gar nicht sonderlich zu beeindrucken. Schließlich kennt er den Garten seit 25 Jahren. Er ist sogar der Chef des Ganzen. Und er weiß noch einen viel cooleren Baum, aber dazu später.

Schulhaus im Garten

Im Schulhaus – großer Klassenraum, kleiner Klassenraum, Chefs Büro – unterrichtet Winklers Kollegin Almuth Klemm rund 25 Kinder im Alter von etwa zehn Jahren. Niemand sitzt auf seinem Stuhl. Die ganze Meute ist völlig vertieft darin, biologische Fachwörter durch den Raum zu werfen, und sie tut es inbrünstig, in einem äußerst frei interpretierten Kanon-Schema. Viermal die Woche erklärt Klemm Kids aus dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg, was sie draußen in der Umgebung des Schulgebäudes gesehen haben. Natürlich nicht alles auf einmal. 25.000 Quadratmeter Fläche reichen locker, um ein ganzes Schuljahr hindurch jede Woche wiederzukommen.

Die rote Kastanie der Gartenschule Tempelhof-Schöneberg Die rote Kastanie der Gartenschule Tempelhof-Schöneberg
Dabei geht’s vor allem um die praktische Erfahrung. Hier, nur wenige Gehminuten vom Südkreuz entfernt, entwickeln Kinder einen unmittelbaren Bezug zur Natur. Pflanzen und Tiere zu sehen, zu beobachten und zu beschreiben, das ist nur ein Teil des Lehrprogramms. Wichtig sei auch, alle anderen Sinne einzubeziehen, erklärt Biologielehrer Winkler beim Rundgang übers Gelände.

Entdeckertouren im Freilandlabor

Erste Überraschung: ein kleiner Tierhof. Die Hühner sind neugierig auf Besuch, werden aber von den benachbarten Kaninchen in Sachen Beliebtheit bei den Mädchen um Längen geschlagen. Direkt nebenan bolzen ein paar Jungs auf einem kleinen Fußballplatz. Überraschung Nummer zwei: Wer glaubt, ein Schulgarten bestehe lediglich aus ein paar schnöden, ewig gleich aussehenden Erdkästen mit drei Sorten Gemüse darin, unterliegt einem gewaltigen Irrtum.

Großer Teich in der Gartenarbeitsschule Tempelhof-Schöneberg Großer Teich in der Gartenarbeitsschule Tempelhof-Schöneberg
"Freilandlabor" ist das Stichwort: Zahlreiche Mini-Sektionen des Gartens zeigen Natur in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Am "Bienenhotel" beispielsweise beobachten Schüler ganz ungefährlich das Sozialverhalten der Insekten. Am anderen Ende des Geländes hat Winklers Team einen zweiten kleinen Schülerteich angelegt, mit Holzbohlen drum herum, auf denen die Kids in die Hocke gehen und etwa den Unterschied zwischen Larven und Kaulquappen entdecken. Da geht’s schon mal mit dem Kescher ran. Es folgen eine Heidelandschaft, ein Terrarium, ein Beet voller Kräuter. Die dürfen auch auf Geruch und Geschmack getestet werden.

Historischer Selbstversorgungsgarten neuestes Projekt

In der eigentlichen Gartenabteilung bauen gerade einige Helfer an einem historischen Selbstversorgungsgarten. Immerhin war die Gartenarbeitsschule in den Folgejahren beider Weltkriege eine wichtige Speisekammer der Berliner. Bis das Beet für den Ausflug in den Geschichtsunterricht bereit ist, wird es noch eine Weile dauern. Doch Langeweile kommt im Gemüsegarten bestimmt nicht auf: 26 Schülergruppen bestellen hier jeweils ein Feld, davon 20 Grundschulklassen, vier Kita-Gruppen und zwei Sonderschulklassen. Ist ihr Obst und Gemüse reif, nehmen sie es mit nach Hause, oder sie verarbeiten es noch in der Schule zu einem Salat, den sie sich gemeinsam im Garten schmecken lassen.

Apropos Obst – unweit des schneckenhausförmig eingekringelten Barfußwegs befindet sich im Obstgarten ein kompletter Weinberg, für den sich mit Michael Barthel und Rüdiger Jakesch gleich zwei ehemalige Bezirksbürgermeister im Förderverein engagieren. Der eigentliche Wow-Effekt aber geht von einer einzigen Pflanze aus: Norbert Winkler betrachtet den "Wunderbaum" und strahlt übers ganze Gesicht. So ein Baum macht stolz. "Der Baum heißt natürlich nicht wirklich so. Das ist ein Apfelbaum. Aber er kann 100 Sorten", erklärt der Lehrer. Hinter dem Vielsortenbaum steckt keine Zauberei, sondern gärtnerisches Handwerk, das sogenannte Pfropfen, bei dem Sorten miteinander gekreuzt werden.

Tag der offenen Tür am 13. Mai


Alle, die sich das Prachtexemplar ansehen wollen, haben am Sonntag, den 13. Mai, die Gelegenheit dazu. Dann feiert die Gartenarbeitsschule ihr 90-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür. Geplant sind Führungen übers Gelände, Besichtigungen der Schülerfelder und der Verkauf von Balkonpflanzen, Sommerblumen, Kräutern und Honig. Der Verein zur Förderung des Weinbergs und der Gartenarbeitsschule in Schöneberg e. V. lädt zur Weinprobe. Eltern und Kinder können gemeinsam unter pädagogischer Anleitung die Bienen und die Tiere im Teich beobachten.

Den Tag der offenen Tür veranstaltet die Gartenarbeitsschule Tempelhof-Schöneberg am 13. Mai von 11.00 bis 17.00 Uhr. Weitere Infos gibt es auf www.gast-s.de. Wer die Gartenarbeitsschule zum ersten Mal besuchen möchte, sollte sich dort auch die Wegbeschreibung herunterladen.

Gartenarbeitsschule Tempelhof-Schöneberg

Sachsendamm 34-35
10829 Berlin

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Quelle: QIEZ
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