• Dienstag, 06. März 2012

Sophie-Scholl-Schule in Schöneberg

Persönlichkeit zählt

  • Schule Mood-Foto
    Die richtige Schule für sein Kind zu finden, ist nicht immer einfach. Foto: Der Tagesspiegel - ©Kitty Kleist-Heinrich

Die Sophie-Scholl-Schule in Schöneberg ist die aktuell am stärksten nachgefragte Schule Berlins. Ihre Siebtklässer wählt die Schule nicht nur nach Noten, sondern in Aufnahmegesprächen aus.

Nervös sind sie alle: Die Eltern, die Formulare ausfüllen, die Kinder, die Musikinstrumente dabeihaben oder selbstgemalte Bilder unter dem Arm tragen. Denn sie sind zu Aufnahmegesprächen in die Schöneberger Sophie-Scholl-Sekundarschule gekommen. Dort drängen sie sich jetzt auf dem Flur mit rund 200 anderen Kindern im ersten Stock.

Was zählt, ist Persönlichkeit

Die Schule zählt zu einer der rund 30 Berliner Schulen, bei denen beim Übergang in die Oberschulen nicht der Notenschnitt der Kinder, sondern „besondere Begabungen“ ausschlaggebend für die Aufnahme sind.

Die Sophie-Scholl-Schule wählt ihre Schüler seit zehn Jahren profilbezogen aus und hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht: Sie gilt als eine der nachgefragtesten der Stadt. „Bitte erschrecken Sie nicht, wenn Sie heute sehr viele Menschen hier antreffen“, steht daher quasi als Vorwarnung auf einem Informationszettel, der an die Familien verteilt wird.

Die Familien wissen, dass die Konkurrenz groß ist. Doch das schreckt sie nicht ab. „Wir haben nur Gutes gehört“, sagt eine Mutter. „Wir möchten, dass unser Sohn dreizehn Jahre Zeit hat bis zum Abitur. Aber die anderen Sekundarschulen sagen uns nicht zu“, meint eine andere. Schulleiter Klaus Brunswicker bestätigt das: „Wir konkurrieren weniger mit den Sekundarschulen als mit Gymnasien“, sagt er. Trotzdem will die Schule keine für Eliten sein: Ein Viertel der Plätze ist für Schüler reserviert, die eine Förderprognose von 2,8 und schlechter haben, darunter auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

Der Praxis-Test

Die elfjährige Lisette* will sich für die Musikklasse bewerben. Sie sieht die Musiklehrerin vor Aufregung kaum an, spielt aber „Over the rainbow“ trotzdem fehlerfrei auf der Gitarre. Die Lehrerin lobt sie und verwickelt das Mädchen in ein Gespräch: „Seit wann spielst du das Stück denn schon?“

Natürlich könne ein rund viertelstündiges Gespräch, ein kleiner Test im Notenlesen und Melodien nachsingen sowie das Vorspielen von zwei kurzen Stücken nur einen Eindruck vermitteln, erklärt Schulleiter Brunswicker. „Aber wir versuchen, den Kindern mit diesem Verfahren gerechter zu werden als nur mit dem Notendurchschnitt.“ Der Druck auf die Kinder werde in den Grundschulen immer höher, die wachsende Fixierung auf Noten hält er für „unglücklich“. Die Zensuren allein seien gerade bei der Vielfalt der Berliner Grundschullandschaft nicht wesentlich.

Offenheit ist wichtig

Jedes Gespräch wird genau festgehalten, die Eltern sind immer dabei – schon um die Transparenz des Verfahrens zu gewährleisten. Und zur Beruhigung natürlich: Als die zwölf Jahre alte Marie* nicht mehr weiß, seit wann sie in den Töpferkurs geht, unterstützt sie ihre Mutter. Das ist in Ordnung, findet Brunswicker: Die rund 20 Kollegen, die die Gespräche führen, seien prüfungserfahren und könnten gut einschätzen, was sich vor ihnen abspiele.

Doch auch sie können auf die Fragen der Eltern, wie gut die Chancen auf eine Aufnahme nach dem Gespräch stehen, nichts antworten. Brunswicker und seine Kollegen werten die Gespräche im Anschluss aus. Im April bekommen die Familien Nachricht.


*Namen geändert

Sophie-Scholl-Schule

Elßholzstr. 34
10781 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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