• Freitag, 24. August 2012
  • von Constanze Troitzszch

Grüne Schule

Kräutergärten für Berlin

  • Auf der Kräuterspirale
    Endlich ist sie fertig: Alle fleißigen Helfer versammeln sich auf der frisch erbauten Kräuterspirale im Schulgarten der Grundschule am Ginkobaum. Foto: externe Quelle - ©Grundschule am Ginkobaum

Viele Stadtkinder kennen Tomaten nur aus der Ketchupflasche und denken, Basilikum wäre eine Krankheit. An rund 36 Einrichtungen der Stadt lernen Schüler deshalb Kräuter und Gemüse hautnah kennen. Die Bürgerstiftung Berlin begleitet das Projekt "Kleebergs Kräutergärten für Berliner Schulen".

Bürgerliches Engagement und gesunde, naturbelassene Ernährung sind aktuell wie nie. In Berliner Kiezen wird Müll aufgesammelt, werden Fassaden verschönert und wilde Straßengärten angelegt. Immer öfter hört man von besorgten Eltern, dass ihre Kinder nicht wissen, woher das Gemüse kommt und dass Süßigkeiten nicht auf Bäumen wachsen. In Berlin gibt es zwar viele Parks, diese sind aber von Menschenhand angelegt. Für echte Natur bleibt meist keine Zeit.

Wenn schon keine Waldläufer aus Berliner Kindern werden, dann kann man ihnen doch zumindest ihr Essen näher bringen, dachte sich wahrscheinlich vor zwei Jahren der TV-Koch und Restaurant-Besitzer Kolja Kleeberg. Durch eine glückliche Fügung war er freundschaftlich mit der Leiterin der Berliner Bürgerstiftung verbunden, welche sich für soziale Projekte in der Hauptstadt einsetzt. So war die Idee geboren, durch Kräutergärten in Grundschulen den Kindern einen kreativen Umgang mit Natur und Ernährung nahezubringen. Durch die Geldgewinne Kleebergs bei der Sendung Kocharena konnte das Projekt finanziert werden.

In jedem Kiez ein Kräutergarten

So mussten nur noch geeignete Schulen als Partner gefunden werden. "Denn solche Projekte müssen auch von Lehrern der Schule betreut werden, was ein zusätzlicher Arbeitsaufwand ist", erklärt Patrick Wielowiejski von der Bürgerstiftung. Die Havelland-Grundschule in Schöneberg war das Pilotprojekt und wurde mit reichlich Pflanzen und Materialien unterstützt. Inzwischen sind 36 Einrichtungen an den Kräutergärten beteiligt, darunter Grundschulen, Kitas, weiterführende Schulen und auch öffentliche Träger wie der Kinderbauernhof am Görlitzer Park.

Für die Beteiligung am Projekt müsse man sich im Frühjahr anmelden, erklärt Wielowiejski. Dabei spiele eine Rolle, ob die Nachhaltigkeit im Ansatz der Bewerber enthalten sei. "Wenn sie zum Beispiel eine Koch-AG haben, die die Kräuter auch benutzt", sagt er, "dann hat das Unterfangen auch einen Nutzen außerhalb seiner selbst." Nach erfolgreicher Bewerbung ziehen die Schulklassen und Garten-AGs los und besorgen alles Nötige. Auf dem Einkaufszettel der Bernhard-Grzimek-Schule stand Pfefferminze, Liebstöckel, Ysop, Thymian, Waldmeister, und einiges mehr. Die Schüler sind bei der Gestaltung mitbeteiligt und strahlen stolz auf den Bildern, die sie der Stiftung zum Dank zuschicken.

Auch die Eltern packen bei den Aktionen mit an. In der Johannisthaler Grundschule am Ginkobaum errichteten sie mit Feldsteinen eine Kräuterspirale im Schulgarten.

Generationen im Garten

Auch freiwillige Helfer sind gern gesehen. "Aber wir suchen nicht händeringend nach ihnen", sagt Wielowiejski. Es gebe nicht immer Bedarf. Oft bestehen bereits AGs, aber Interessierte könnten gerne kommen und würden dann vermittelt. Sie dürfen dann den Garten während der Sommerferien betreuen. Auch eine AG ins Leben zu rufen wäre möglich. Dann müsse man aber ein polizeiliches Führungszeugnis vorweisen und einen Betreuer in der Schule finden. "Sonst läuft aber alles problemlos", sagt er. Nur der Jahreskalender will eingehalten werden, dann klappt es auch mit den Kräutern.

Besonders Leute im Ruhestand werden verstärkt bei solchen Gelegenheiten aktiv. Das merken auch gemeinnützige Stiftungen und Vereine und richten zum Beispiel ihre Werbung an pensionierte Mitbürger. Auch die Kräutergärten profitieren von einem Freizeitgärtner, der seine Rente genießt. Dieser züchtet 35 alte Tomatensorten in seinem Gewächshaus – darunter grüne Tomaten, Ananastomaten und Ochsenherztomaten – und stellt die Samen oder junge Pflanzen den Schulen zur Verfügung. "So lernen die Kinder auch, dass es mehr als nur die eine Sorte Rispentomaten aus dem Supermarkt gibt", freut sich der Mitarbeiter der Stiftung über das Engagement.

Adresse

Kolonnenstraße 30
10829 Berlin

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Quelle: QIEZ
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