Brandschutz, Abfertigung, Lärm

Schwierigkeiten am neuen Flughafen

Schwierigkeiten am neuen Flughafen
Baustelle Flughafen: Fraglich, ob es im März 2013 wirklich losgeht.
Beim Bau des Flughafens Berlin Brandenburg wird die Zeit knapp: Vorrichtungen für den Brandschutz sind noch nicht fertig, zusätzliche Abfertigungsanlagen ebensowenig. Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck sieht jedoch keinen Grund für eine Verschiebung des Eröffnungstermins am 3. Juni. Das Budget für den Lärmschutz wurde unterdessen erhöht.

Der Zeitplan bis zur Eröffnung des neuen Hauptstadt-Flughafens BER in Schönefeld droht nun doch ins Wanken zu geraten. Sechs Wochen, bevor die erste planmäßige Maschine abheben soll, gibt es auf der Baustelle des Zwei-Milliarden-Projektes gravierende Schwierigkeiten. Die größte besteht nach Tagesspiegel-Recherchen darin, dass Rauchgasentlüfter, Brandmelde- und Sprinkleranlagen verspätet fertig werden könnten. Ohne diese Vorrichtungen dürfte jedoch eine Abnahme und Freigabe durch die zuständige Bauaufsicht des Landkreises Dahme-Spreewald ausgeschlossen sein. Die „Sicherung des vorbeugenden Brandschutzes“ sei „extrem zeitkritisch“, aber „noch beherrschbar“, heißt es.

Flughafen, Baufirmen und Landratsamt erörtern mit Hochdruck Lösungsmöglichkeiten, um den Eröffnungstermin am 3. Juni halten zu können. Das Problem wurde letzten Freitag auch auf einer Sitzung des Flughafen-Aufsichtsrates in Schönefeld diskutiert. Auf Drängen der Brandenburger Landesregierung entschied man sich dort angesichts der noch fehlenden Lärmschutzmaßnahmen bei tausenden Anwohnern für eine Aufstockung des Schallschutz-Programms um 17 Millionen auf 147 Millionen Euro.

Betreiber und Politik halten an Eröffnungstermin fest

Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte im Anschluss dem Tagesspiegel, er sehe die Eröffnung nicht gefährdet. Mit den 17 Millionen Euro würde den am meisten vom Fluglärm betroffenen Anliegern geholfen. „Der Eröffnungstermin steht“, bestätigte auch Flughafenchef Rainer Schwarz. „Es gibt eine Vielzahl von Schwierigkeiten, wie bei jedem Projekt dieser Größenordnung. Aber wir arbeiten das systematisch ab.“

In jedem Fall wird der neue Flughafen, den der Bund, Berlin und Brandenburg im südlich der Hauptstadt gelegenen Schönefeld errichten, am 3. Juni zunächst nur mit einer Sondergenehmigung den Betrieb aufnehmen. Das bestätigte der Landrat von Dahme-Spreewald, Stephan Loge (SPD), dessen Kreisbehörde für die Baugenehmigungen verantwortlich ist. Hintergrund dafür sei, dass „nicht alle Bereiche des Fluggastterminals zur Inbetriebnahme vollständig fertig sein werden“. Die Pavillons würden planmäßig „erst im März 2013“ eröffnen. Bei den anderen Bauten sei „erkennbar“, dass sie „fertiggestellt und genutzt werden können“. Das Landratsamt werde die Eröffnung laut Loge nicht scheitern lassen.

Flughafen startet mit Provisorien

Diese Probleme, die nach Tagesspiegel-Informationen jedoch nicht wie der Brandschutz relevant für die Inbetriebnahme sind, entstanden durch die nachträglich beschlossenen Erweiterungen der Check-in-Bereiche. Es handelt sich um zwei zusätzliche Abfertigungspavillons, deren Bau später begonnen worden war. „Es war klar, dass diese nicht zur Inbetriebnahme fertig sind“, sagte Schwarz. Der Flughafen rechnet daher mit Engpässen in den ersten Monaten und bereitet Übergangslösungen vor. Nach Angaben des Landkreises plant der Flughafen „zur Kompensation eventueller Ausfälle bei der Abfertigung und im Hinblick auf den zu erwartenden Ansturm zu Ferienbeginn“ mit Containern als „Interims-Check-in“ sowie einer Zeltkonstruktion als „Interims-Terminal“.

Der Flughafen und seine Besitzer arbeiten unterdessen an einer Entschärfung der Lärmschutz-Probleme. Erst in 1300 von 24.000 betroffenen Wohnungen wurden bisher Schallschutzfenster eingebaut. Die nun zusätzlich zur Verfügung stehenden Mittel in Höhe von 17 Millionen Euro sollen auch für bisher abgelehnte Schallschutzmaßnahmen für niedrige Räume (bis 2,50 Meter Höhe), kleine Wohnküchen und Wintergärten verwendet werden können. Der Flughafen muss sie allerdings aus seinem eigenen Budget erwirtschaften. Außerdem haben die Betreiber beschlossen, die umstrittene „Abgeltungsklausel“ in den Kostenerstattungsvereinbarungen „ersatzlos“ zu streichen. Diese Klausel war der Grund dafür, dass Anrainer und selbst kommunale Wohnungsgesellschaften die Unterschrift verweigerten, weil sie damit unwiderruflich auf jedwede finanziellen Forderungen gegenüber dem Flughafen verzichtet hätten.

Schwierigkeiten am neuen Flughafen, Rathausstraße 15, 10178 Berlin

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