Thriller & Horror

Diese Serien und Filme kommen im August auf dich zu

Diese Serien und Filme kommen im August auf dich zu
Blackklansman ist das neue Werk von Spike Lee und ist, genau wie sein Film Malcom X, ein wichtiges Zeugnis des Rassismus und seine verheerenden Folgen.
Für die warmen Temperaturen haben wir einige Thriller und Horror-Streifen für euch und die mittlerweile selten gewordene Gänsehaut. Mit dabei in der Watchlist: der wohl beste Film des Jahres…

Thoroughbreds (Kinostart 9. August)

„Sie ist nicht wie alle anderen“ – diesen Satz hört man gern über sich selbst, nicht aber wenn man weiß, dass es so ist. Amanda (Olivia Cooke) kommt aus gutem Hause, durch einen Vorfall mit ihrem prämierten Sprungpferd wird sie in der Schule gemieden. Um nicht komplett sozial ausgegrenzt zu werden, versucht ihre Mutter ihre ehemalige beste Freundin Lily (Anya Taylor-Joy) dazu zu bringen, wieder Zeit mit Amanda zu verbringen. Während Lily ihre Außenwirkung immens wichtig ist, liegt Amanda nichts ferner, als anderen zu gefallen. Vielmehr hat sie sich mit ihrer Emphatielosigkeit abgefunden und ist eine Meisterin im Gefühle vorspielen. Statt sich aber mit Schulbüchern aufzuhalten, finden sich die beiden bald in einem mörderischen Komplott um Lilys Stiefvater wieder.

Der Thrill liegt in der Selbstverständlichkeit

Der Thriller Thoroughbreds (deutsche Titel Vollblüter) ist das Filmdebüt des jungen Regisseurs Cory Finley, der mit Olivia Cooke (Bates Motel) und Anya Taylor-Joy (Split) zwei aufstrebende Talente besetzt hat, die sich im Thriller-Genre bestens auskennen. Mit an Bord ist auch der verstorbene Schauspieler Anton Yelchin, der hier in seiner letzten Rolle als Versager und Drogendealer Tim zu sehen ist und uns einmal mehr sein großes Talent beweist. Der Film ist, wenn man sich ältere Werke um zwei mörderische Frauen ansieht wie zum Beispiel Wild Things, eine willkommene Weiterentwicklung, denn nicht der weibliche Körper wird hier als tödliche Verführung und Waffe eingesetzt, sondern die Psyche. Das heißt hier konkret, das mulmige Gefühl in diesem Film bekommst du durch eine Leerstelle von Emotion. Die Hauptfiguren agieren mit einer berechnenden Gefühlskälte und spielen mit den Lebensschicksalen als wäre es ein Gang zum Supermarkt. Absolut hervorzuheben ist bei dem Film der Einsatz von Musik! Nur dadurch allein verschwindet die Vorstadtidylle mit den Villen und den herausgeputzten Kindern und dahinter siehst du die Verrohung und den Egoismus. Verantwortlich für den sehr eigenen Sound sind A Tribe Called Red ft. Tanya Tagaq. Die Kanadierin Tanya Tagaq ist bekannt durch ihren Kehlengesang, der fast wie eine Trommel klingt und immer wieder die Bedrohung ankündigt, wobei man in diesem Film nicht immer genau weiß, wer bedrohlich ist.

 

Mr. Mercedes (streambar ab sofort bei Starz über Amazon Prime Video)

Wer Stephen King hört, der weiß, worauf er sich gefasst machen muss: Grusel bis unter die Zehenspitzen. Basierend auf dessen gleichnamigen Roman haben Regisseur Jack Bender (Game of Thrones) und der bekannte Produzent David E. Kelley (Big Little Lies) eine Serie geschaffen, die sich um die verquere Beziehung zwischen den kaltblütigen jungen Killer Brady Hartsfield (Harry Treadaway) und den pensionierten Polizist Bill Hodges (Brendan Gleeson) dreht. Der Killer mit Clownsmaske tötet in Ohio auf einen Schlag 16 Menschen mit einem Mercedes. Hodges ist ihm auf der Spur, kann ihn aber nicht fassen. Zwei Jahre nach dem Massacker verliert sich Hodges in der langweiligen Routine des Nichtstuns, wo das Wichtigste die Fütterung seiner Riesenschildkröte scheint. Doch dann erhält er beängstigende Videobotschaften des Unbekannten und fühlt sich immer mehr von ihm verfolgt. Da seine Kollegen den Fall nicht so ernst nehmen wie er, macht sich der Rentner auf einen gefährlichen Kreuzzug gegen den Killer auf, der Killer wiederum versucht den alternden Mann in den Tod zu treiben.

Katz und Maus Spiel nach Stephen King Art

Schon die ersten Folgen der 10-teiligen Drama-Serie Mr. Mercedes spaßen nicht rum. Charaktere vorstellen, erstes Herantasten und Rumgeplänkel gibt es hier nicht, man ist gleich bei der Sache und die ist ziemlich blutig sowie realistisch dargestellt. Also seid hiermit vorgewarnt. Dabei, und das ist das Wichtigste, sind die Charaktere richtig vielschichtig. Bill Hodges, der Miesepeter mit Gewichtsproblemen lässt immer wieder durch seine harte Schale blicken, wenn er beispielsweise durch seine Nachbarin Ida Silver (Holland Taylor) aus der Fassung gebracht wird mit ihren sexuellen Avancen. Diese Szenen bringen die nötige Durchschnaufphase mit einem Lachen, wenn es sofort wieder in die intensive Spannung geht, weil Massenmörders Hartsfield nur ein paar Meter im Eiswagen lauert. Die Story macht das ziemlich brillant, wie sie immer wieder zwischen schneller und etwas langsamer Handlung switcht. Auch Hartsfield Backstory ist mehr als erschreckend. Besonders ist an der Geschichte, wie Hodges der Bedrohung stand hält und sogar selbst auf Killerjagd geht. Man findet sich als Zuschauer ziemlich schnell tief interessiert, obwohl da auch Respekt vor der nächsten blutigen Szene herrscht. Also Stephen King in voller Wucht und Finesse. Übrigens, von Mr. Mercedes gibt es bereits eine zweite Staffel ab 23. August, die ebenfalls über die neue Streamingplattform Starzplay via Prime Video auf Amazon abbrufbar ist.

Don‘t worry he wont get far on foot (Kinostart 16. August)

John Callahan (Joaquin Phoenix) ist 21 Jahre alt, Alkoholiker und lebt in Los Angeles. An einem Abend fährt er Freundinnen zu einer Party. Die bereits alkoholgeladene Nacht wird noch getoppt, als er auf den verrückten Dexter (Jack Black) trifft und sie weiter durch die Bars der Stadt ziehen. Dexter setzt sich hinter das Steuer von Johns Wagen, der völlig betrunken auf dem Beifahrersitz einschläft. Als er wieder erwacht, hat Dexter einen riesigen Autounfall gebaut. Während dieser mit ein paar Schrammen davon kommt, ist John querschnittsgelähmt und kann sowohl seine Beine als auch seine Arme nicht bewegen.

Die Anonymen Alkoholiker in Traumbesetzung

Don‘t worry he wont get far on foot erzählt die Lebensgeschichte des Cartoonisten John Callahan, den sein Alkoholismus beinahe getötet hätte und der im Zeichnen von frechen Bildern, wie zum Beispiel zwei Ku Klux Klan-Mitglieder, die sich darüber unterhalten wie weich und warm ihre Kutten nach dem Waschen sind, berühmt wird. Der Film zeichnet Callahans steinigen Weg zurück ins Leben nach, wobei er ständig im Teufelskreis von Alkohol, Ausreden und der Sehnsucht nach seiner ihm unbekannten Mutter stecken zu bleiben scheint. Er schließt sich den Anonymen Alkoholikern an. Die Gruppe mit dem Deutschen Hans (Udo Kier), der harten Reba (Beth Dito) und der unglücklichen Corky (Kim Gordon) wird von dem reichen Guru Donnie Green (Jonah Hill) geleitet. Er wird auch Johns Sponsor und versucht, ihn immer wieder auf sein Selbstmitleid zu stoßen. Dabei ist Donnie ist unkonventionell, teilt Johns schwarzen Humor und versteckt seine eigene Verletzbarkeit ebensowenig.

Regisseur Gus Van Sant zeigt in diesem Film einmal mehr sein Talent Figuren in der völligen Krise und ihrem Versuch aus ihr heraus einzufangen, wie er es bereits brillant in Klassikern wie My private Idaho oder Good Will Hunting getan hat. Udo Kier spielt übrigens bereits in My private Idaho, die Rolle des gut betuchten Homosexuellen Hans, die hier wieder zum Einsatz kommt. Eigentlich hatte der verstorbene Robin Williams die Rechte an dem Werk, denn Johns Karikaturen wurden oft in Zeitschriften in San Francisco abgedruckt und hier lebte Williams lange Zeit und war Fan seiner Arbeit. Der Titel Don’t worry he won’t get far on foot bezieht sich auf eine Zeichnung von John Callahan, die drei Cowboys zeigt, die einen verlassenen Rollstuhl in der Wüste finden. Der Film ist überragend gut und das aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen, weil alle Schauspieler im Film durch ihre überzeugende, mitreißende Darstellung der Charaktere überraschen, mögen sie noch so kaputt sein. Besonders bei Jonah Hills Performance als Donnie Green wird gemunkelt, dass diese ihm die zweite Oscarnominierung einbringen wird. Wir sagen: völlig zurecht. Er ist nuanciert und brutal echt, wenn es um den Schmerz des Menschseins geht und brilliert gerade, weil er den langhaarigen, schwulen Hippie so unprätentiös darstellt. Seine Tanzszene in Unterhose hat zudem das Zeug Filmgeschichte zu machen. Zum anderen, weil der Film eine emotionale Achterbahnfahrt ist: Es gibt dreckigen, schwarzen Humor zum in die Hände Kichern, eine Charakter-Studie des Scheiterns und Wiederaufstehens, 70er-Jahre-Leichtigkeit und die Tragik einer unerfüllten Mutterliebe. Genauso aber die Fähigkeit sicht in der Kunst auszudrücken und andere zu begeistern, auch wenn man sich selbst bereits aufgegeben hat.

Blackklansman (ab 23. August im Kino)

Ein Film kann die Welt nicht ändern, er kann aber Menschen, die die Gesellschaft mitprägen zum Denken veranlassen und den sogenannten Stein ins Rollen bringen. Blackklansman ist so ein Film. Er handelt von der unglaublichen, realen (!) Geschichte des afroamerikanischen Polizisten Ron Stallworth (John David Washinghton Sohn von Denzel Washington), der sich in den frühen 70er Jahren für eine Stelle im Colorado Springs Police Department bewirbt. Als einer der wenigen schwarzen Polizisten ist er schnell Anfeindungen ausgesetzt, lässt sich aber davon nicht beirren, sondern versucht als Undercover-Polizist sich einen Namen zu machen. Die Chance dazu wittert er, als er in der Zeitung eine Anzeige des Ku Klux Klan liest. Er ruft dort an und gibt sich als Weißer aus, der Schwarze, Juden und Schwule hasst. Das macht er so überzeugend, dass er eingeladen wird, dem Klan beizutreten und sogar bald Oberhaupt David Duke (Topher Grace) an der Strippe hat. Mit Hilfe seines Kollegen Flip Zimmermann (Adam Driver) infiltrieren sie die Rassistenvereinigung.

Spike Lee unternimmt mit Blackklansman einen ambitionierten Versuch: Er will mit seiner oftmals witzigen und überdrehten Cop-Story unterhalten und gleichzeitig aufklären, aufrütteln und Parallelen zum Hier und Jetzt in den USA herstellen. Beides gelingt ihm mit Bravur! Ich möchte behaupten, dass die Romanze im Film obsolet ist, weil dieser Erzählstrang wenig ausgegoren und nur Mittel zum Zweck scheint. Allerdings kommt dieser Film mit einer solchen Wucht an Passion, Wut und Nachdruck daher, da kann sich keiner vor Verstecken, vor allem die nicht, die Donald Trumps Präsidentschaft verfolgen. Stück für Stück bauen sich in der Story die zwei Lager und ihren Hass gegeneinander auf: Die schwarzen Studenten, die zur Black Power aufrufen und die Ku Klux Klan-Mitglieder, die auf ihre White Power schwören. Wozu der Hass führt, zeigt Lee durch dokumentarisches Filmmaterial der Ausschreitungen in Charlottesville. Was von dem Ruf nach Power für die eigene Ethnie übrig bleibt ist Zerstörung und Tod von Unschuldigen und das klingt nach, auch lange nachdem man den Kinosaal verlassen hat. Produzent des Filmes ist kein geringer als Jordan Peele, der mit Get Out man möchte, sagen ein neues Genre des Rassismus-Horror-Thrills erschaffen hat.

 

Weitere Artikel zum Thema Film, Kultur + Events

Ausstellungen | Freizeit + Wellness | Kultur + Events

Westeros kommt nach Reinickendorf

Die Fantasy-Serie Game of Thrones hat Millionen Fans weltweit. In einer Ausstellung im Januar 2019 […]
Cafés | Kultur + Events

Kult-Bar Babette ist jetzt Café

Kultur mit Happy End: Zum 1. Oktober musste die beliebte Bar Babette endgültig schließen. Der […]
Freizeit + Wellness | Kultur + Events | Party

Top 5: After-Work-Partys in Berlin

Du möchtest mit einem Drink und guter Musik in den Feierabend starten? Geht immer! Wo […]