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Yukis Dezember-Film-Tipps: Sieh nicht hin, sonst bist du tot!

Yukis Dezember-Film-Tipps: Sieh nicht hin, sonst bist du tot!
Bird Box: Halte deine Augen geschlossen, sonst stirbst du!
Als ausgewiesener Film-Nerd mit einem Serien-Konsum, bei dem anderen Angst und bange wird, präsentiere ich dir meine Tipps für Serien und Filme im Dezember. Egal, ob für einen kurzweiligen Spaß oder für Taschentuch-Alarm, mach dich auf etwas gefasst!

Astrid  (Kinostart 6. Dezember)

Astrid Lindgren ist die größte Kinderbuchautorin aller Zeiten – jetzt kommt ein Film ins Kino, der eine Zeit in ihrem Leben beleuchtet, als Pippi Langstrumpf noch gar nicht geschrieben war. Astrid (Alba August) wächst in einem hoch religiösen Haushalt auf. Mit 17 Jahren bekommt sie die Möglichkeit, bei einer lokalen Tageszeitung als Volontärin zu arbeiten. Herausgeber Reinhold Blomberg erkennt ihr Talent und ermutigt sie selbst Reportagen zu schreiben. Die beiden beginnen ein Liebesverhältnis und Astrid wird mit 18 Jahren schwanger – ein gesellschaftlicher Skandal in den Zwanzigern und ein tiefer Riss im Vertrauensverhältnis zu ihrer Mutter.

Im Film Astrid der dänischen Regisseurin Pernille Fischer Christensen geht es weniger um die schwedische Wiesen-Idylle, sondern um ein Kapitel in Astrid Lindgrens Leben, das zwar in den zahlreichen Biografien behandelt wurde, aber noch nie so bildhaft ausgeschmückt. Dadurch entsteht eine neue Perspektive: Astrid Lindgren nicht als berühmte Autorin, sondern als starke Frau, die lange mit der Trennung von ihrem eigenen Kind leben musste, zugunsten der Normen der Gesellschaft. Ein Schicksal, das sie leider mit vielen teilte. Besonders schön und unaufgeregt wird dabei erzählt, wie sich Astrid das Vertrauen ihres Sohns Lasse zurückerobert. Genau an der Stelle erkennt man die Autorin wieder, die mich und viele andere in der Kindheit an die Hand genommen hat.

100 Dinge (Kinostart 6. Dezember)

Konsum und seine Schattenseiten – das ist das Thema von Florian David Fitzs neuer Buddy-Komödie 100 Dinge. Darin spielt er Paul, einen Sneaker-Head, der ohne sein Handy nicht einschlafen kann. Aber gar nicht wegen der sozialen Medien, sondern wegen seiner selbst entwickelten App NANA – eine künstliche Intelligenz, die jedem Smartphone eine eigene Stimme verleiht und fähig ist, auf Emotionen des Besitzers zu reagieren. Mit seinem besten Freund seit Kindertagen,Toni Katz (Matthias Schweighöfer), lebt er in Berlin in einem Haus zusammen und führt ein Start-up. Um sich nicht sagen zu lassen, dass er eine Konsumschlampe ist, fordert Paul seinen Kumpel zu einer Wette heraus: Die beiden geben sämtlichen Besitz ab und dürfen jeden Tag eine Sache wieder zurück in ihr Leben bringen.

Florian David Fitz überzeugt sehr – in der Rolle des Paul, der sich mit der eigenen Oberflächlichkeit und inneren Leere nicht mehr zufrieden gibt und nach mehr Sinn und Selbstbestimmtheit strebt. Auch wenn man das vorher nicht erwartet: Der Film gibt sich Mühe, sich mit verschiedenen Reibungspunkten einer auf Erfolg getrimmten Gesellschaft auseinanderzusetzen. Da wären der stetige Konkurrenzgedanke zwischen Paul und Toni, Deals mit Internet-Milliardären, die Arbeitsplätze kosten und mentale Störungen. Das heißt aber nicht, dass dieser Film wirklich tief geht. Die Konflikte von Paul und Toni sind zu überdreht, um sie wirklich Ernst zu nehmen. Richtig schlecht ist leider die versuchte Romanze – in einer Szene lockt Toni seine Angebetete Lucy mit seinem letzten Hab und Gut von Berlin auf eine entlegene Lichtung. Ziemlich bescheuert, vor allem weil seine Designersessel – egal in welcher Großstadt – bestimmt keine fünf Minuten auf der Straße bleiben würden. Witzige Highlights gibt es jedoch allemal, wie eine Liebesnacht mit Teebeuteln auf den Augen. Und wenn gar nichts mehr geht, ziehen Fitz und Schweighöfer blank und rennen im Schnee queer über die Oberbaumbrücke. Kann man sich schon mal anschauen.

Roma (14. Dezember auf Netflix und in ausgewählten Kinos)

Die vierfache Mutter Sofia lebt in der mexikanischen Stadt Roma in gutbürgerlichen Verhältnissen. Allerdings hat sich ihr Ehemann auf eine längere Geschäftsreise verabschiedet und so ist sie vor allem auf die Hilfe des Kindermädchens Cleo angewiesen. Die junge Mixtekin (mexikanische Ureinwohner) hält das Haus in Schuss und ist für die Kinder liebevolle Bezugsperson. Eines Tages gerät sie mit der Großmutter in eine Auseinandersetzung zwischen studentischen Demonstranten und einer paramilitärischen Gruppierung namens Los Halcones – das Ganze geht als Corpus-Christi-Massaker in die Geschichte ein.

Roma von Alfonso Cuarón (Gravity, Y Tu Mama Tambien) gilt bereits jetzt als heißer Oscar-Anwärter und das völlig zurecht. Von vielen schon als der Film des Jahres 2018 geadelt, ist Roma für mich ein Film, der so viele Aspekte des Lebens anspricht und in wunderschöne Bilder übersetzt, dass es mich überwältigt hat. Persönlich und ganz transparent macht Cuarón mit der Figur Cleo eine Liebeserklärung an sein eigenes Kindermädchen. Dabei gräbt er sich tief in familiäre Verhältnisse, aber auch in soziale Klassenunterschiede hinein, was emotional stark berührt. Man merkt einfach, dass die Figuren mehr sind als auf Papier geschrieben. Dazu ist Roma visuell und was den Soundtrack angeht ein Augen- und Ohrenschmaus und man merkt definitiv, dass Cuarón schon große Projekte wie Gravity oder Harry Potter gestemmt hat. Also eine definitive Empfehlung, sich das auf großer Leinwand anzuschauen!

Bird Box (21. Dezember auf Netflix)

Erst vor kurzem war sie noch auf dem Gendarmenmarkt, jetzt kommt Sandra Bullock mit dem Streifen Bird Box zu dir nach Hause. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Josh Malerman und dreht sich um die schwangere Malorie. Diese sieht einen Bericht im Fernsehen, dass in Russland unglaublich viele Selbstmorde auftreten und das Land in Panik und Zerstörung verfällt. Pragmatisch wie sie ist, geht sie schnell wieder in den Alltag über. Als sie aber bei einer Routineuntersuchung im Krankenhaus entdeckt, wie eine junge Frau sich ihren Kopf an einer Glasscheibe aufschlägt, wird ihr bewusst, dass das „Virus“ nun auch in den USA ausbricht. Mit letzter Kraft kann sie sich mit einigen anderen in ein Haus retten. Schnell wird aber allen bewusst, dass keine Hilfe zu erwarten ist. Denn die rätselhafte Bedrohung erwischt jeden, der es wagt hinzusehen.

Die Geschichte von Bird Box ist ziemlich innovativ: Wann hat man es schon, dass man vor dem Bösen nicht wirklich weglaufen kann, sondern das tun muss, was man sich insgeheim wünscht, nämlich die Augen schließen. Dass das einen nicht wirklich weiterbringt, ist klar und wird hier sehr glaubwürdig und auch beängstigend dargelegt. Viele Schockmomente gibt es nicht, Bird Box ist eher subtiler in den gruseligen Momenten und ja, die Spannung wird nicht durchweg gehalten. Beeindruckend ist auf jeden Fall, wer hier alles mitspielt. Trevante Rhodes von Moonlight genauso wie Sarah Paulsen (Oceans 8), der legendäre John Malkovich und Lil Rel Howery (Get out). Regie führt die unsagbar tolle Susanne Bier (Nach der Hochzeit), die neben Horror auch das Thema Muttergefühle anspricht. Wie werden diese bewertet, wenn sie nicht so da sind, wie es doch von Natur aus sein soll? Und mit Kindern an der Hand in einer postapokalyptischen Welt zu sein, bringt seine Schwierigkeiten mit sich, die Malorie gerade wegen ihrer unkonventionellen und direkten Art meistert. Was es mit den Vögeln auf sich hat, das muss jeder selbst herausfinden.

 

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