Lass uns über Liebe reden ...

Der Sex der anderen – reden wir zuviel? – Unsere Singlekolumne #30

Der Sex der anderen – reden wir zuviel? – Unsere Singlekolumne #30
Die einen reden, die anderen hören nur zu, aber Sex Talks sind wichtig. Oder?
Unsere Single-Lady Mascha hat gerade eine Emo-Phase... und hinterfragt nicht nur ihr Liebesleben, sondern auch ihren Umgang damit. Reden Mascha und ihre Freunde vielleicht zu viel über Sex? Und stressen damit gar andere Menschen?

Ich weiß gar nicht, wann ich begann, so viel über Sex zu sprechen. Und meine Freunde gleichfalls. Doch was genau erzählt man sich da eigentlich? Und erzählen alle das gleiche? Und was macht das mit uns? Festmachen kann man die Problematik eigentlich ganz gut an den verschiedenen Typen, die zu meinen Gesprächspartnern zählen: meist Freunde, Kollegen und Dates. Die da wären:

Die Alles-Ausplauderer

Die Speerspitze des guten Sex-Talks. Ich gehöre auch dazu, zumindest wenn ich mit Menschen spreche, die mir halbwegs nahe stehen. Da werden kaum Details ausgelassen, und es wird selig von Sperma im Haar, Vaginalschmerzen und Fessel-Fantasien erzählt. Oft werden sogar Nachrichten auf dem Smartphone herumgezeigt, in denen mit diesem oder jenen Partner dirty talk oder After-Sex-Details gefrönt wurden. Und dann sitzen die anderen da, kichern mal albern, sagen „ah“ und „oh“. Und man selbst steigert sich beim Bericht total rein und merkt irgendwann vielleicht: „Huch! Da habe ich ja jetzt ganz schön viel erzählt.“ Nicht nur aus meinem Intimleben. Sondern auch aus dem meines entsprechenden Sexpartners. Ein schmaler ethischer Grad.

Die Halbgaren

Diejenigen, die nur kichernd daneben sitzen, machen es sich oft ganz schön leicht. Durch beruflich und privat mit dem Thema Sex dauerbeschäftigte Erzählerinnen wie mich kommen sie gar nicht in die Verlegenheit, selbst berichten zu müssen. Sie werfen hier und da einen Info-Brocken hin, gestehen, dass sie mal ein spannendes Date hatten oder gerade ganz viel Lust auf Sex haben – aber eigentlich geben sie nicht so viel preis, denken sich dafür aber bestimmt umso mehr.

Die Schweigefüchse

Vor allem im Büro eine bekannte Spezies: Die Schweigefüchse lauschen aus der Ferne und sagen in der Regel wenig bis nichts. Manchmal wohnen sie dem Sexgespräch auch direkt bei – auf Partys etwa. Stellen sogar Fragen, die die Alles-Ausplauderer zu weiteren Ausschweifungen anstacheln. Und so fällt kaum auf, dass die Schweigis am Ende gar keine Details verraten, aber über die Beschaffenheit von Penissen, Herzschmerzen und generelle Gefühlslagen der anderen bestens Bescheid wissen.

Warum ich mir darüber Gedanken mache? Weil ich mich gelegentlich sorge, dass Alles-Ausplauderer wie ich so werden könnten wie diejenigen, die ständig die besten Urlaubsfotos auf Facebook posten oder zu gern erzählen, was sie wieder für ein großartiges neues Hobby haben. Und schwupps, ehe man es sich versieht, wird man nur noch auf dieses Thema reduziert. Beziehungsweise man will selbst immer neue Dinge nachlegen, um im Flow zu bleiben. Und die Halbgaren und die Schweigefüchse? Die sind entweder irgendwann gestresst, weil ihnen das eigene Privatleben plötzlich nicht mehr so spannend, ja, gar fad erscheint. Oder sie sind irgendwann genervt von den Sex-Plaudertaschen. „Haben die keine anderen Sorgen? Oberflächliche Bumsbienen“, werden sie dann wohl denken. Insgesamt keine gute Allgemeinsituation.

Wähle deine Plauderfreunde weise

Allerdings: Schlaue Alles-Ausplauderer merken irgendwann, dass es vielleicht zu viel wird. Und dass es nicht unbedingt schlau ist, Untreue, privateste Vorlieben und Schwangerschaftsängste in großer Runde herauszuposaunen. Dank dieser Erkenntnis scharen sie für die wirklich pikanten Themen nur Auserwählte um sich, die theoretisch aus allen drei der genannten Gesprächstypen bestehen können. Hauptsache, es herrscht ein Klima der Vertrautheit. Und der Diskretion. Und des echten Interesses. Dann nämlich kann man, finde ich, gar nicht genug über Sex und Co sprechen, denn meist sind da ja auch irgendwo Gefühle im Spiel. Zudem: Würden meine Freunde plötzlich nicht mehr über mein Privatleben in Kentnis gesetzt, in dem ein großer Teil derzeit vom Suchen und Finden körperlicher und emotionaler Nähe besteht – sie würden sich schrecklich langweilen. Zwinkersmiley!

In diesem Sinne

Auf die Triebe

Eure Mascha

 

Ich bin Mascha (32) und seit rund anderthalb Jahren Single. Nach einer langen Beziehung habe ich endlich Zeit mich ein bisschen auszuleben, die Sau raus und nichts anbrennen zu lassen. Insgeheim warte ich aber natürlich auf meinen bärtigen Ritter, der mit seinem Pferd in den Hinterhof meiner Neuköllner Wohnung galoppiert und mit dem ich ein, zwei Mate auch mal ohne Wodka trinken kann. Bis es soweit ist, betätige ich mich ab sofort im Auftrag aller Berliner Singles als Versuchskaninchen, teste mich durch diverse Datingportale, -events und -partys. Und lasse auch sonst nichts unversucht, um Libido und Liebe auf die Sprünge zu helfen. Ausgang ungewiss. Was soll ich als nächstes ausprobieren? Schreib an: redaktion@qiez.de

Hermannplatz, Hermannplatz, 10967 Berlin

Hermannplatz

Früher drehte sich das "Rixdorfer Tanzpärchen" am Hermannplatz stündlich zweimal um die eigene Achse.

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