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Sex-To-Do-Listen – was soll das? Unsere Singlekolumne #31

Sex-To-Do-Listen – was soll das? Unsere Singlekolumne #31
Was steht auf einer Sex-Bucket-List so drauf? Sex im Flugzeug oder eben auch Sex im Freien... Mascha fragt sich in dieser Woche, ob solche Ziele der Libido behilflich sind. Zur Foto-Galerie
Sex zu dritt, Sex mit einem gleichgeschlechtlichen Partner, Sex in der Öffentlichkeit: Wer kennt sie nicht, die To-Do-Listen, die fest in unseren leistungsorientierten Köpfchen verankert sind. Aber nimmt man sich dadurch nicht jede Menge Spaß? Single-Lady Mascha grübelt mal wieder.

Ich möchte unbedingt mal … Fallschirm springen, nackt durch die Uni rennen, einen Berg erklimmen. Das sind so Klassiker. Aber auch beim Thema Sex gibt es diese Kopflisten. Habe ich auch. Und die Liste wird, huch, bei mir irgendwie immer kleiner. Aber macht es eigentlich Sinn, solche Zielvorgaben zu haben?

Bei meinen „Zielen“ muss ich dazusagen: Nicht alles stand schon immer auf der Liste. Es kam ganz plötzlich in den letzten zwei Jahren dazu. „Treffen mit einem Mann, den ich über eine ominöse App kennenlerne, mit ihm in Rom in einem ominösen Sexhotel absteige und dort Sex habe, obwohl ich gar nicht auf ihn stehe“ – das stand auf keinen Fall irgendwo gedanklich geschrieben. Das hat sich irgendwie einfach so ergeben und gehört auch nicht zu den Dingen, auf die ich übertrieben stolz bin. Kann man ja mal machen, beim ersten Tinder-Date. Anstatt zu warten, bis man jemanden erwischt (Tinder-Wortspiel!), der einem wirklich gefällt. Egal.

Vieles kam ganz spontan

Als gewünscht und erledigt, kann ich hingegen abhaken: Sex mit einer Frau, Dreier mit zwei Männern, Dreier mit einem Mann und einer Frau, Sex an allen möglichen Außenschauplätzen. Und dann kommen wieder die Dinge, die sich spontan dazwischengemogelt haben: Dass ich mal derart viel Sex in Clubs haben würde, das war nun wirklich nicht geplant. Vielmehr entstand es als spontane Idee mit einem Freund und wurde dann von uns beiden auch artig und nach relativ kurzer Wartezeit ausgeführt – die darauf folgende Dauerschleife aus immer weniger verstecktem Gevögel auf Liegen und an Wänden diverser Sex- und Technoclubs rutschte dann irgendwie so hinterher. So kann es nämlich auch gehen: Aus „ich möchte unbedingt mal…“ wird ein „okay, mache das jetzt einfach mal ständig“-Ding werden. Denn hier sind die Steigerungsformen ja schließlich nach oben offen. Es geht immer noch härter, mit mehr Beobachtern, mit mehr Beteiligten

Fragwürdig finde ich nach wie vor meine ebenfalls mit Tinder erwachsene Idee, mir einen Mann ins Haus zu holen, den ich noch nie zuvor gesehen habe. Quasi kurz tindern, einladen, Sex haben, wieder verabschieden. „Das ist doch viel zu riskant“, höre ich noch die mahnenden Stimmen einiger Freunde. War mir natürlich egal. Und habe ich nicht nur einmal, sondern immer wieder gemacht. Wie schon mal beschrieben war bislang glücklicherweise kein wirklich Irrer dabei. Aber dafür auch nur eine sehr dürftige Auswahl wirklich guter Liebhaber – was will man auch erwarten, wenn man sich nicht kennt und im schlechtesten Fall noch nicht mal über Vorlieben gesprochen hat? Anfängerfehler. Passiert mir heute nicht mehr.

Nicht alles auf der Liste war nötig

Was ich damit sagen will: Nicht alles, was auf meiner imaginären To-Do-Liste stand, war unbedingt nötig. Ich bin dadurch vermutlich kein besserer und glücklicherer Mensch geworden. Und habe manche Dinge sicher auch etwas erzwungen. Wesentlich spannender und schöner sind eigentlich die Erlebnisse, die einfach so passiert sind. Wollte ich mit einem zehn Jahre jüngeren Briten in einem Hotelbadezimmer vögeln, bis das Klo, das wir eines Bettes statt als Sitzfläche benutzt haben, auseinanderfällt? Nö. War aber großartig, weil kurz nach meiner Trennung und voller Spaß und Leidenschaft. Wollte ich mit meinem besten Freund schlafen? (Und ich weiß, diese Fantasie haben nicht wenige!) Auf keinen Fall. Aber diese besondere Phase unserer Freundschaft will ich auf keinen Fall missen.

Und nein, zu guter Letzt hatte ich auch nie vor, eine bestimmte Anzahl an Sexpartnern zu erreichen, die mittlerweile sowieso alles übersteigt, was ich je geplant habe. Aber am Ende haben mich vor allem die Freiheit, die ich mir genommen, die vielen Menschen, die ich kennen, mögen und lieben gelernt habe, und das Erforschen meiner Sexualität, wirklich weitergebracht. Und die Erkenntnis: Die Liebe steht immer noch auf Platz eins all meiner Wunschlisten.

Mit diesem fast romantischen Gedanken sage ich:

Auf die Triebe!

Eure Mascha

Mascha heißt in Wirklichkeit vielleicht anders...
Ich bin Mascha (32) und seit rund anderthalb Jahren Single. Nach einer langen Beziehung habe ich endlich Zeit mich ein bisschen auszuleben, die Sau raus und nichts anbrennen zu lassen. Insgeheim warte ich aber natürlich auf meinen bärtigen Ritter, der mit seinem Pferd in den Hinterhof meiner Neuköllner Wohnung galoppiert und mit dem ich ein, zwei Mate auch mal ohne Wodka trinken kann. Bis es soweit ist, betätige ich mich ab sofort im Auftrag aller Berliner Singles als Versuchskaninchen, teste mich durch diverse Datingportale, -events und -partys. Und lasse auch sonst nichts unversucht, um Libido und Liebe auf die Sprünge zu helfen. Ausgang ungewiss. Was soll ich als nächstes ausprobieren? Schreib an: redaktion@qiez.de

Foto Galerie

Hermannplatz, Hermannplatz, 10967 Berlin

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