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Tinder-Fails: Wenn Sex in der Theorie versandet - unsere Singlekolumne #28

Tinder-Fails: Wenn Sex in der Theorie versandet - unsere Singlekolumne #28
Ewig chatten und dann keine Taten folgen lassen – Mascha findet's öde. 
Mascha hat sie alle gehabt: Die Braven, die Forschen, die Witzigen, die Fehlgeleiteten. Aber eine Spezies Mann geht ihr bei Tinder & Co besonders auf den Keks: Die Sextheoretiker, die mehr heiße Luft produzieren als ihr Fön.

Ich liebe gute Gespräche. Und dazu zähle ich jetzt einfach mal schriftliche Konversationen, mit denen bekanntlich bei Tinder und anderen Dating-Apps jede Kontaktaufnahme startet. Es kommt vor, dass mich schon einzelne Redewendungen oder nur Worte so entzücken, dass ich die Person SOFORT treffen möchte. Auch direkteste Direktheit kann mich begeistern, speziell beim Thema Sex. Denn hey, warum lange um den heißen Brei herumreden, wenn beide Bock auf Vögeln haben?

Aber: Dann gibt es diese Sorte Mann, die da irgendwas nicht richtig verstanden hat. Denn wenn ich mich nun auf den sprachlichen Pfad der Lust begebe, dann möchte ich irgendwann auf Theorie Praxis folgen lassen. Und da halten manche Typen offenbar mit sich selbst nicht mehr Schritt. Mein drastischstes Erlebnis zuerst: Ich habe mit einem Typen geschrieben, immer mal wieder, und es war klar: Es geht nur um Spaß. (Warum nennt man „Sex“ eigentlich so oft „Spaß“? Auch Seilspringen macht mir Spaß…egal). Dann wurde er immer konkreter, wollte meine Vorlieben wissen, generierte sich als total open minded super Lover, der mich ordentlich durchbimmeln will – und wir haben uns dann irgendwann verabredet. Ich sollte zu ihm kommen.

Zum Sex verabredet – vor der Tür stehen lassen

Noch während der Bahnfahrt schrieben wir, und dann, kurz, bevor ich bei ihm ankam, war sein Bild bei WhatsApp plötzlich weg. Kontakt gesperrt. Ich dachte erst, okay, Fehler im System, und hab bei ihm geklingelt. Er hat natürlich nicht aufgemacht. Und da stand ich dann, am anderen Ende der Stadt, vor verschlossener Tür, und kam mir vor wie der letzte Trottel. Ich kann es mir nur so erklären: Entweder, er hat mich von Weitem ausgespäht und festgestellt: Huch, die Lady ist ja tatsächlich größer als ich, mit der kann ich nicht schlafen. Oder ihr Kleid gefällt mir nicht. Was eher unwahrscheinlich ist, denn dann müsste er Kameras auf dem Weg zu seinem Haus installiert haben. Wahrscheinlicher ist: Mal wieder ein Fall von Selbstüberschätzung. Manche Jungs möchten so, so gerne wilde, zügellose Männer sein, die es wildfremden Frauen so richtig besorgen. Und dann, wenn diese Frau dann WIRKLICH auf dem Weg ist…Huch! Kriege ich überhaupt einen hoch?

Dazu muss ich sagen: Das ist mir so zum ersten Mal passiert. Eigentlich sind alle Männer, die bereits ihre Adresse herausgegeben haben, dann auch in der Lage, die Tür aufzumachen. Klassischer ist es, komplett im Tinderchat zu verharren und dort schon 20 Stellungen und 30 dirty Gedanken durchgespielt zu haben. Hart ficken hier, Oralspiele aller Art da. Aber wenn es dann ans Verabreden geht, ist man plötzlich müde, geistig umnachtet oder schon verplant. Will es aber auf jeden Fall ganz bald nachholen. Und es sei ja so super, wenn eine Frau dafür offen wäre und einfach sagt, was sie mag und …blabla. Gähn.

Ganz groß im Schreiben, ganz klein beim Verabreden

Mit einem Mann schreibe ich sage und schreibe seit einem Jahr immer mal wieder. Mit mehrmonatigen Pausen dazwischen. Das ist eigentlich nicht zu fassen und vollkommen absurd … Fakt ist, dass wir uns bereits einmal getroffen haben, was organisatorisch auch schon ein echter Kampf war – aber der Sex war super! Zudem hat er ein derartiges Talent, alle möglichen BDSM-Szenarien zu kreieren, dass mir schon das reine Schreiben ziemlichen Lustgewinn verschafft. Aber, auch hier: Ein reales Treffen scheint derart kompliziert für ihn zu sein, dass ich längst nicht mehr daran glaube. Meine Vermutung auch hier: Irgendwann hat man einfach zu viel geschrieben. Und all das dann mal wirklich in die Tat umzusetzen, wird dann irgendwann einfach unrealistisch. Es ist ja im Kopf schon alles zehnmal passiert. Was, wenn die Realität nicht daran anknüpfen kann?

Von daher fahre ich mittlerweile eine andere Taktik: Kurz mitspielen, dann Treffen vorschlagen, wenn das nicht gleich funzt, gar nichts mehr tun. (Außer in besagtem einen, besonderen Fall von Hardcore-Sex-Chat, auf den ich schwer verzichten kann). Entweder, man verabschiedet sich dann in die nebulöse Online-Welt und wart nie live gesehen  oder die Lebensgeister und Lenden des Mannes erwachen schließlich doch. Dass es dann wiederum sein kann, dass die Theorie tatsächlich befriedigender war als die Praxis, das steht auf einem anderen Blatt. Darauf ein kräftiges:

Auf die Triebe!

Eure Mascha

 

Ich bin Mascha (32) und seit rund anderthalb Jahren Single. Nach einer langen Beziehung habe ich endlich Zeit mich ein bisschen auszuleben, die Sau raus und nichts anbrennen zu lassen. Insgeheim warte ich aber natürlich auf meinen bärtigen Ritter, der mit seinem Pferd in den Hinterhof meiner Neuköllner Wohnung galoppiert und mit dem ich ein, zwei Mate auch mal ohne Wodka trinken kann. Bis es soweit ist, betätige ich mich ab sofort im Auftrag aller Berliner Singles als Versuchskaninchen, teste mich durch diverse Datingportale, -events und -partys. Und lasse auch sonst nichts unversucht, um Libido und Liebe auf die Sprünge zu helfen. Ausgang ungewiss. Was soll ich als nächstes ausprobieren? Schreib an: redaktion@qiez.de

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