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Vögeln oder flanieren? Eine Typologie erster Tinder-Dates – Unsere Singlekolumne #26

Vögeln oder flanieren? Eine Typologie erster Tinder-Dates – Unsere Singlekolumne #26
Zeit zu zweit. Doch wann ist das Tinder-Date wirklich gut?
Wann ist ein erstes Tinder-Date eigentlich ein gutes erstes Tinder-Date? Mascha hat versucht, die Unmengen an Erst-Treffen mal zu sortieren. Und den Vor- und Nachteilen nachzuspüren. 

In letzter Zeit mehren sich bei mir die, sagen wir, unkonventionellen Tinder-Erst-Dates. Doch wann ist ein Date ein gutes Date? Welche Ideen gehen quasi per se nach hinten los? Und was würde ich so nicht mehr machen? Um es für mich selbst ein bisschen besser einordnen zu können, lohnt ein kleiner Überblick.

Der Klassiker

„Lass uns doch mal was trinken gehen“ – das ist sicher sowohl bei mir als auch bei den Männern der häufigste Satz, wenn es um das erste Date geht. Wenn ich besonders verwegen drauf bin, lade ich die Männer in meine Haus- und Hofkneipe ein. Dann spare ich mir bei einem schlechten Date den langen, ermüdenden Heimweg. Und bei einem guten Date kann ich sagen: „Du, rein zufällig wohne ich direkt gegenüber. Willste vielleicht noch mit raufkommen? Die Bar schließt eh gleich…“. Finde ich ganz schön schlau von mir. Und hat auch, beide Fälle, genauso schon sehr häufig funktioniert. Kein Risiko, aber auch keine besondere Challenge. Fazit: Geht immer.

Das Romantische

Das kommt bei Tinder weniger häufig vor. Was auch daran liegen könnte, dass ich mich selbst für überaus unromantisch halte. Zumindest im klassischen Sinne. Am romantischsten war sicher ein gemeinsamer Spontanausflug nach Brandenburg. Mit Bootfahren und so. War okay. Ich bevorzuge allerdings spontanes Besaufen am Späti. Oder so. Denn: Wer gemeinsam wegfährt, muss sich im Zweifel mehrere Stunden miteinander beschäftigen. Und, das kann ich nun aus einiger Erfahrung sagen: Unterschätze nie die mögliche Diskrepanz zwischen ersten Textnachrichten und sogar Telefonaten und dem ersten persönlichen Treffen. Größe, Geruch, Mimik, Gestik – der vermeintlich so spannende, wortgewandte, sexy Typ kann face to face plötzlich zum langweiligen kleinen Würstchen werden. Leider. Daher mein Rat: Nur längere Trips mit jemandem planen, den man möglichst gut einschätzen kann. Vielleicht vorher mal skypen? Oder einfach doch erstmal in eine Bar gehen.

Das Spontan-Abenteuerliche

Zu den gewagteren unter den Dates gehört sicher meine Idee, mit einem Mann, den ich beim Feiern kennengelernt habe, spontan auf ein Festival zu fahren. Also, wir hatten uns danach schon ein-, zweimal gesehen, aber eigentlich kannten wir uns kaum. Daher ist das ja fast wie ein Online-Date. Er war schon da, hatte noch eine Karte, ich reiste nach. Kein Schlaf, dafür jede Menge Amüsement, die ein Festival eben so bietet. Es war…erstaunlich gut! Denn der Mann, zehn Jahre jünger als ich, konnte mich sogar durch meinen schlimmsten psychischen und physischen Zusammenbruch am nächsten Tag begleiten. Das hätte auch ins Auge gehen können. Denn ich war quasi wehrlos. Daher: Nur bedingt eine gute Idee. Eine Spur softer war der Plan, mit einem Mann nach nur kurzer Konversation direkt in einen Club zu gehen. Das lief echt gut! Vorher sollte man aber auch hier abklären: Wie verbringt man diese Nacht, welche „Zusatzstoffe“ sind im Spiel, sprich, kann es passieren, dass der Mann plötzlich bunte Farben sieht und durchdreht? Schafft man unter Umständen auch den Weg alleine zurück in die heimischen vier Wände? Wenn all das geklärt ist, kann auch so ein Date großartig sein. Ist mir gerade erst passiert.

Das Sex-Date

Fast schon ein Klassiker (bei mir): Man schreibt, man fragt, was man denn so suche, es fallen Worte wie „ausprobieren, unverbindlich, Neugier, Sex…“, und ruckzuck steht ein fremder Typ vor der Haustür, der überaus angespitzt und mit einem leicht flammenden Blick über die Schwelle tritt. Nach wie vor kommt es mir so vor, als sei ich maximal eine von 500 Frauen, die sich auf diesem Wege mit Männern trifft. Insbesondere beim ersten Date und direkt in der eigenen Wohnung. Und nach wie vor fühle ich mich versucht, anderen Frauen davon abzuraten. Ich rechtfertige mein Verhalten immer gerne mit meiner doch recht guten Menschenkenntnis. Und meinem mittlerweile großen Erfahrungsschatz. Anderen sage ich komischerweise: So rein gefühlsmäßig würde ich nicht unbedingt empfehlen, fremde Männer direkt in die eigene Wohnung zu bestellen. Mindestens sollten vorher wichtige Eckdaten wie voller Name, Telefonnummer, idealerweise Facebook etc. ausgetauscht und allesamt vor dem Treffen an Freunde verschickt werden. Damit die im Fall der Fälle mal anklopfen können, wenn ein späterer  Anruf ausbleibt. Ansonsten ist hier der große Vorteil der sagenhafte Nervenkitzel, nach dem ich ein bisschen süchtig geworden bin. Aber insgesamt kann man immer wieder zu Option eins zurückkommen.

So. Und ich probiere jetzt etwas ganz Neues aus. Ein Unter-der-Woche-Nachmittags-Date. Spazieren. DAS ist doch mal fancy. Ich werde berichten.

So denn: Auf die Triebe!

Eure Mascha

 

Ich bin Mascha (32) und seit rund anderthalb Jahren Single. Nach einer langen Beziehung habe ich endlich Zeit mich ein bisschen auszuleben, die Sau raus und nichts anbrennen zu lassen. Insgeheim warte ich aber natürlich auf meinen bärtigen Ritter, der mit seinem Pferd in den Hinterhof meiner Neuköllner Wohnung galoppiert und mit dem ich ein, zwei Mate auch mal ohne Wodka trinken kann. Bis es soweit ist, betätige ich mich ab sofort im Auftrag aller Berliner Singles als Versuchskaninchen, teste mich durch diverse Datingportale, -events und -partys. Und lasse auch sonst nichts unversucht, um Libido und Liebe auf die Sprünge zu helfen. Ausgang ungewiss. Was soll ich als nächstes ausprobieren? Schreib an: redaktion@qiez.de

Treptower Park, Alt-Treptow 1, 12435 Berlin

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