Mascha fragt nach

Sex-Tipps und Sex-Tutorials: 4 nette und schlimme Fundstücke

Richtig fingern, blasen, lecken - darum geht es in vielen Sex-Tutorials im Netz. Was ist gut - und was richtig mies?
Richtig fingern, blasen, lecken - darum geht es in vielen Sex-Tutorials im Netz. Was ist gut - und was richtig mies?
Sex-Kolumnistin Mascha hat sich mal auf YouTube umgeschaut – und staunt über die Masse von Sex-Tipps und Tutorials. Manche sind lustig bis wirklich interessant, andere vermitteln grausige Rollen-Klischees. Hier ihre Tops und Flops.

Heutzutage gibt es ja für alles ein Tutorial. Vom Fensterputz-Hack bis zur Reifenwechsel-Anleitung. Kein Wunder, dass es im Netz wimmelt von Sex-Tipps und Tutorials, die den Usern auch dieses wunderbare Thema anschaulich darlegen wollen. YouTube erscheint ja als ideale Plattform. Und mich interessiert sowas ja immer, meine Ausflüge in die Sex-Expert*innenwelt oder auf diverse Pornoseiten und Sex-Blogs sind ja bekannt.

Daher habe ich mich mal mit Stichworten wie „Sex“, „Sex-Tipps“ und „Love-Tutorial“ auf die Suche begeben. Und ein paar Beispiele rausgefiltert, die ich entweder besonders gut, besonders hinterfragungswürdig oder besonders beschissen fand.

Lyrische Sex-Tipps für Selbstbestimmtheit: Die Poetry-Slammerinnen

Diese Sex-Tipps ploppten überraschend zwischen den 3.000 „Tipps für eine härtere Erektion“ und „So gibst du den perfekten Blow Job“ auf (die natürlich ihre Berechtigung haben, wenn sie gut gemacht sind): Die beiden Poetry-Slammerinnen Desireé Dallagiacomo & Kaycee Filson beschreiben auf sehr unterhaltsame, aber auch sehr klare und ungeschönte Weise, wie sie ihre Sexualität als das zu begreifen lernten, was es eigentlich sein soll: zuallererst die Befriedigung ihrer eigenen Lust und Bedürfnisse. „Meine Vagina wurde nicht designt, um jemand anderem Lust zu verschaffen, ohne dass ich dem zustimme“, erklären sie. Aber dabei geht es ihnen weniger darum, Männer oder ganz allgemein Sexpartner*innen zu kritisieren, sondern sie legen den Fokus auf sich. Auf ihr Lernen zu sagen, was sie wollen – und was sie nicht wollen. Ein Prozess, der natürlich im Austausch mit Partner*innen passieren sollte, aber der, so ihre Botschaft, im Erkennen der eigenen Bedürfnisse und dem Kommunizieren darüber beginnt. Gleichzeitig werden Stereotype in sexuellen Dynamiken benannt, die auch gesellschaftlich geprägt sind. Ich selbst merke immer wieder, wie fest manche Vorstellungen davon, wie ich eine „gute Liebhaberin“ sein kann, in meinem Kopf verankert sind und wie schwer es auch mir manchmal fällt, klar zu sagen, was ich will. Darüber kann man ruhig mal öfter nachdenken, und das Ganze mal als Bühnen-Show erklärt zu bekommen, finde ich überaus erfrischend.

YouTuber fragt Sexworkerin: Erklärbär*innen mal anders

Hier war ich mir erstmal nicht sicher – ist das so ein „uiuiui, jetzt sagt mal eine Sexarbeiterin, wie man nen Typen so richtig geil macht?“ Aber der „Schlaumacher“ David, der sich auf seinem Kanal eigentlich mit ganz anderen Themen als Sex beschäftigt, als auch Gesprächspartnerin Orinta, die auch einen eigenen Kanal betreibt, kommunizieren sehr unverkrampft. Ich bin zwar kein Fan von dem Begriff Prostituierte, aber das liegt wohl an dem oft extrem negativen Umfeld, in dem er gebraucht wird. Egal, jedenfalls bringt Orinta mit wenigen Worten viele Fakten auf den Punkt, etwa, dass viele Männer oft, wenn es ans Vögeln gehen soll, sofort an den Arsch und an die Vagina greifen, und Frauen an den Schwanz. Als seien das die einzigen Stellen, um die sich alles dreht. Ebenso ihre Erfahrung, dass viele Männer einfach Porno-Szenen abspielen, ohne dabei irgendwie auf die reale Situation oder die Bedürfnisse ihrer Partnerin einzugehen. Das hat man, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, sicher schon mal gehört. Trotzdem kann man manche Dinge, so auch meine Erfahrung, gar nicht oft genug sagen. Stereotype Denke kann extrem hartnäckig sein. Insofern mein Fazit: Manche Fragen sind hier etwas Klischee, aber insgesamt gefällt mir der klare und unverstellte Gesprächsverlauf.

Sex-Tipps aus der Praxis: Der Urologe

Eigentlich ist es so naheliegend, trotzdem dachte ich erst, es sei ein Gag. Ist es aber nicht: Die Urologie am Ring in Köln, erklärt der bärtige Herr, mache seit 15 Jahren nichts anderes als sich über die Sexualität von, genau, uns, Gedanken zu machen. Interessant, ich dachte, Urologen hätten noch ein paar andere Schwerpunkte, aber gut. Und dann verspricht er nicht weniger als die fünf besten Sex-Tipps, direkt aus der Praxis. Schwerpunkte: Verbesserung der Erektion, der Ejakulation, Lust und Libido „generell“ und ein paar psychische Dinge und dann noch die Möglichkeiten der Vasektomie. Huch! Das klingt ja erstmal nach weniger Spaß. Überraschend auch der erste Sex-Tipp, der sich mit der Erektion des Penis beschäftigt. Wenn das nicht klappt, helfen Viagra und ähnliche Medikamente. Da will ich mich erstmal sträuben, schon rein aus Reflex, aber die Ausführungen des Urologen klingen dann doch relativ verständlich. Etwa: Keine Erektion = Leidensdruck, und diesen könne auch bei jungen Männern eine kurzfristige Viagra-Einnahme lindern. Da ich mich mit den Nebenwirkungen nicht auskenne, will ich diesen Tipp nicht bewerten, interessant finde ich die Ausführungen des Experten allemal. Denn klar, abspritzen und eine stahlharte Erektion ist natürlich nicht alles, aber dass Menschen mit Penis da in der Regel Bock drauf haben, ist auch verständlich. Das klingt teilweise alles technisch und eben medizinisch, aber der Arzt vergisst zum Glück nicht, auch Themen wie emotionalen Druck mit einzubeziehen. Denn das kann, das wissen wir alle, auch die Lust am Sex mindern. Einfach mal selbst reinhören – ist auch mal spannend, einen Arzt seine Ideen zu gutem Sex vortragen zu lassen.

„Was Frauen wollen“?? – Sex-Tipps aus der Hölle

„5 Dinge, die Frauen lieben, aber zu ängstlich sind zu fragen“ – man ahnt bereits, das wird schlimm. Es geht schon grausam los: „Frauen sind komplexe Wesen. Umso schwerer fällt es Männern manchmal, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu verstehen.“ Ja, puh, übel ist das, wenn man merkt, dass ein Charakter komplex sein kann. Vor allem, wenn man selbst ein eindimensional aufgestelltes, absolut unterkomplexes Wesen der Spezies Mann ist (Vorsicht, ICH meine das ironisch). Am besten mal Mario Barth fragen, der hat da bestimmt ein paar launige Beispiele auf Lager. Weiter geht es mit einem ersten, grausigen Tipp: Frauen lieben Kosenamen. Und zwar nicht immer nur Schatz, das reicht diesen komplexen Wesen nicht. Mausi, Engelchen – sowas lieben wir. Und dann der tragische Höhepunkt, der erste echte „Sex-Tipp“: Frauen mögen einen Mann, der weiß was er will, auch im Bett. Einen dominanten Kerl also. Ja, stimmt, das mögen manche Frauen. Und in einer auf Consent beruhenden Beziehung mit entsprechenden Neigungen kann das der absolute Knaller für beide sein. Aber, da lehne ich mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster: Kann es sein, dass auch Männer darauf stehen können, dominiert zu werden? Was für eine unerhörte Vorstellung. Vor allem, wenn man wie die Urheber dieses Tutorials in einer Welt lebt, in der das Klischee vom „klassischen Mann“ und der „klassischen Frau“ noch so lebendig durch die Synapsen kreist, das einem schwindelig wird. Man lasse sich den weiteren Text auf der Zunge zergehen: „Dominanz ist etwas sehr Positives und sollte im Bett unbedingt gelebt werden. Nur dann kann sich die Frau fallen lassen. Sie fühlt sich gut, weil sie weiß, dass jemand anders die Verantwortung übernimmt und das Geschehen lenkt.“ Jawohl, SO ist sie, die Frau, und NICHT anders. Und, das wird nochmal betont, dieses Verhalten sei für viele Frauen „absolut männlich“. Ufftata. Nochmal: Natürlich gibt es einen durchaus relevanten Prozentsatz von sich als weiblich definierenden Menschen, die gerne (mal) beim Sex dominiert werden. Und die Spielarten sind hier immens. Aber das ist weder der heimliche Wunsch einer jeden Frau, wie dieser hirntote Clip suggeriert – mal drüber nachgedacht, dass diese absolut schädliche Idee, in die Köpfe von Männern gepflanzt, fatale Folgen haben kann, Herrgott? – noch ist das Ganze ein rein weiblicher Kink. Überraschuuung!

Hier ist mein Tipp für guten Sex: Drüber sprechen, über möglichst alles, kann helfen. Klischees, made in Steinzeit or hell, helfen nie. Das können immerhin die anderen Beispiele in dieser Liste besser vermitteln.

Und an dieser Stelle möchte ich auch nochmal auf das explizit queer ausgerichtete Angebot der Sex School verweisen – deren Macherin habe ich ja kürzlich interviewt, hier nochmal nachzulesen. Pornografische und erotische Clips mit pädagogischem Anspruch. Ja, das geht. Nicht kostenlos, aber empfehlenswert.

Und (Achtung, Eigenwerbung) auch die Tipps meiner lieben, privat gecasteten Expert*innen zum Thema Analsex halte ich für durchaus empfehlenswert, bitte hier entlang. 

Gut, dass ich mich da mal umgeschaut habe,

eure Mascha

 

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