Silvester 2019

Die Stille nach dem Knall: ein Böllerverbot für Berlin?

Die Stille nach dem Knall: ein Böllerverbot für Berlin?
Böllerverbot an Silvester? Für viele gehören Knaller und Raketen einfach dazu.
In drei Berliner Stadtteilen soll auf Wunsch von Innensenator Andreas Geisel ab Silvester 2019 Ruhe einkehren. Ob das Böllerverbot eine Chance hat und wo du nächstes Jahr nicht mehr schießen darfst...

Wer einmal in Neukölln Silvester gefeiert hat, kennt die bürgerkriegsähnlichen Zustände auf den Straßen. Schon Tage vorher fliegen (oft illegale) Böller auf die Straßen, von den Balkonen herunter oder direkt auf Passant*innen. Darum wundert es nicht, dass bei der Auswahl für ein Böllerverbot in Problemzonen auch der Hermannplatz in Neukölln berücksichtigt wurde. Hier knallt es an Silvester besonders laut – genauso wie in Schöneberg im Steinmetzkiez und entlang der Pallasstraße. Auf der Straße des 17. Juni darf schon seit längerem nicht geknallt werden – zum Schutze der Masse, die dafür das große, offizielle Feuerwerk am Brandenburger Tor geboten bekommt.

Die Argumente gegen das Verbot lauten: Feuerwerk und Böller gehören doch zum deutschen Kulturgut. Die jährlichen Verletzungen und Brände sind aber ebenso traditionell und deswegen trotzdem nicht wünschenswert: Rettungskräfte und Feuerwehrleute werden regelmäßig angegriffen, die Polizei spricht von Straßenschlachten und 40 verletzten Beamten allein Silvester 2018. Zudem führen  die Befürworter eines Böllerverbots die Feinstaubbelastung an. Die lag beispielsweise in Friedrichshain bei 853 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – ein deutschlandweiter Spitzenwert.

Silvester ohne Böller?

Ein allgemeines Böllererbot ist bei der derzeitigen Gesetzeslage laut Berlins Innensenator Andreas Geisel nicht möglich, jedoch eine Beschränkung der Sprengkraft, wenn das Sprengstoffgesetz auf Bundesebene angepasst werden würde. Bis dahin werden weitere Brennpunkte unter strenger Beobachtung stehen: Künftig möchte der Senat nämlich auch den Alexanderplatz, die Gropiusstadt, die Schönhauser Allee/Ecke Eberswalder Straße, den Südstern und das Kottbusser Tor zu Verbotszonen erklären.

Silvester 2019 trifft es jedoch erst einmal nur Neukölln und Schöneberg: Ob das Verbot etwas bewirkt, wird sich zeigen. Viele befürchten, dass die Knalltüten einfach eine Straße weiter gehen und dort ihr Feuerwerk veranstalten werden. Erfahrungen in Hannover geben Hoffnung, dass dies nicht unbedingt der Fall sein muss. In Städten wie Wien oder Paris ist privates Feuerwerk gänzlich verboten, stattdessen gibt es organisierte Feuerwerke – auch mit diesem Konzept liebäugeln Berliner Politiker.

Wer dieses Jahr an Silvester trotzdem an den gesperrten Orten ballert, muss mit einem hohen Bußgeld wegen dieser Ordnungswidrigkeit rechnen. Auf Menschen zu zielen, wird sogar als Landfriedensbruch gewertet. Das Böllerverbot für die drei Stadtteile soll vom 31. Dezember ab 18 Uhr und bis zum 1. Januar um 6 Uhr früh gelten – und zwar für alle Feuerwerkskörper: Neben den Böllern trifft es auch Raketen und harmlose Knallerbsen.

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