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Die unendlichen Weiten der Selbstbefriedigung – Unsere Singlekolumne #42

Die unendlichen Weiten der Selbstbefriedigung – Unsere Singlekolumne #42
Wir können immer noch was dazulernen, was unseren eigenen Körper betrifft. Und das macht sogar ganz schön Spaß!
Frauen und Selbstbefriedigung – darüber wurde erst kürzlich wieder ein vieldiskutierter und -kritisierter Text verfasst. Und Mascha fragt sich: Sind wir echt alle Vollprofis in Sachen Hand anlegen?

Vor einer Weile veröffentlichte eine Autorin im Zeit-Magazin einen Text über die weibliche Masturbation. Die mache ihr nämlich jede Menge Spaß, trotz ihrer glücklichen Beziehung. Und seit sie eine Website namens OMGYes entdeckt hätte, die ihr mit charmanten Erklärvideos ganz neue vaginale Freuden eröffnet hätte, sei alles noch viel toller. Eigentlich eine löbliche Idee – doch im Netz ergoss sich Spott und Häme über die arme Frau, denn der Tonfall des Textes wollte vielen Damen auf dem Zenit ihrer körperlichen und geistigen Lust so gar nicht schmecken. Schon die Ankündigung auf Facebook sorgte für, hihi, erregte Gemüter: „Masturbieren war lange nur Männersache, nun entdecken es Frauen für sich“, wurde da vollmundig angekündigt. Und viele besagter Frauen dachten nur: „Häh?“

Wollte diese Autorin etwa unterstellen, dass es sich bei Masturbation um ähnliches Neuland handele wie einst das Internet für Kanzlerin Merkel? „Seid ihr aus der Zeit gefallen?“, war der Tenor empörter Userinnen. Und in der Tat, insbesondere der Einstieg des Textes musste diesen Schluss zulassen. Ich kenne keine Frau in meinem näheren Umfeld, die sich nicht selbst befriedigt. Wir, Achtung, sprechen sogar manchmal darüber! Das war zugegebenermaßen vor zehn Jahren noch anders, da fanden wir es spannender, über unsere sexuellen Erfahrungen mit Männern zu sprechen. Alles schien sich auf den Penis zu konzentrieren. Doch mittlerweile mussten wir alle einsehen, dass auf den auch nicht immer Verlass ist. Und man sich im Zweifel immer am besten selbst bespaßen kann. So weit, so normal.

Ja, wir befriedigen uns selbst. Alle

Worin ich der Autorin allerdings recht geben muss: Die Art, wie wir uns selbst befriedigen, sagen wir, der Masturbationshorizont, der kann bei mir und sicher auch bei vielen Freundinnen durchaus noch erweitert werden. Da gibt es meist die Hand – oder den Vibrator. Und beide konzentrieren sich meist auf die Klitoris oder begeben sich auf die Suche nach dem sogenannten G-Punkt, irgendwo in den Weiten der Vagina. Doch auch die hämischsten Kritikerinnen des Artikels müssen zugeben: Einige der Praktiken und Ideen, die die Autorin sich von OMGYes-Website abgeschaut hat, gehören nicht zum Repertoire der Otto-Normal-Masturbiererin.

Was nicht schlimm ist – ich bin aber davon überzeugt, dass viele von uns ihre Möglichkeiten bei Weitem nicht ausschöpfen, wenn es um Selbstbefriedigung geht. Das macht mir nicht nur dieser Text klar, sondern auch meine ersten Kontakte mit Themen wie Tantra. Ich zumindest habe bestimmte Abläufe und Bewegungen schon so automatisiert, dass viele der Praktiken, die OMGYes vorführt, mir bisher gar nicht in den Sinn kamen. Andere Stellen, andere Bewegungen, viel mehr Geduld werden da abverlangt. Was für ein Gegensatz zu meinem Auflege-Vibrator, der mir fast schon unverschämt fordernd und schnell einen Orgasmus beschert. Ich habe 100-prozentig noch lange nicht alle Optionen ausgelotet, die mich langsam oder schnell, mit oder ohne Hilfsmittel und oben oder unten zum Höhepunkt bringen oder mir einfach ein schönes Gefühl bescheren können.

Nein, wir wissen vielleicht doch noch nicht alles über unseren Körper

Deswegen springe ich an dieser Stelle zumindest der eigentlichen Aussage des Artikels bei, der leider von den sehr gestrigen und dumpfen Verallgemeinerungen zur weiblichen Sexualität verschluckt wurde. Und zwar: Wir können IMMER dazulernen und IMMER etwas Neues an unserem Körper und unserer Lust entdecken. Und zwar ganz ohne Partner und auch ganz ohne so blöde „Hui, endlich schnallen die Frauen auch mal, was gut für sie ist“-Popelsätze. Auch das mag keine Neuigkeit sein – war mir trotzdem ein Anliegen.

So denn:

Auf die Triebe!

Eure Mascha

Mascha heißt in Wirklichkeit vielleicht anders...

 

Ich bin Mascha (32) und seit rund anderthalb Jahren Single. Nach einer langen Beziehung habe ich endlich Zeit mich ein bisschen auszuleben, die Sau raus und nichts anbrennen zu lassen. Insgeheim warte ich aber natürlich auf meinen bärtigen Ritter, der mit seinem Pferd in den Hinterhof meiner Neuköllner Wohnung galoppiert und mit dem ich ein, zwei Mate auch mal ohne Wodka trinken kann. Bis es soweit ist, betätige ich mich ab sofort im Auftrag aller Berliner Singles als Versuchskaninchen, teste mich durch diverse Datingportale, -events und -partys. Und lasse auch sonst nichts unversucht, um Libido und Liebe auf die Sprünge zu helfen. Ausgang ungewiss. Was soll ich als nächstes ausprobieren? Schreib an: redaktion@qiez.de

Hermannplatz, Hermannplatz, 10967 Berlin

Hermannplatz

Früher drehte sich das "Rixdorfer Tanzpärchen" am Hermannplatz stündlich zweimal um die eigene Achse.

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