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Der schwule Freund küsst auch nicht schlecht - Unsere Singlekolumne #22

Der schwule Freund küsst auch nicht schlecht - Unsere Singlekolumne #22
Knutschen ist schön - da kann man die sexuelle Orientierung auch mal vergessen. Zur Foto-Galerie
Wo bleibt die Liebe? Unsere Single-Lady trägt den Namen jetzt wieder zu Recht. Doof. Aber eine gute Gelegenheit, sich wieder anderen Männern zu widmen. Und plötzlich fällt Mascha auf: Ihr schwules Umfeld ist mindestens ebenso kuss- und grapschfreudig wie die Heteros. Na nu?

Ein kurzes Update: Ich bin wieder Single. Das ist schade, aber nu – manchmal passt es eben nicht. Mit Anfang 30 schleppt manch einer schon so einen beachtlichen Sack an Beziehungsmüll mit sich herum, dass man gar nicht weiß, wo anfangen mit dem Aufräumen. 

Und ja, ich bin traurig. Aber da ich weder die körperlichen noch mentalen Voraussetzungen für eine lange Männerabstinenz mitbringe, habe ich mich umgehend zurück ins Getümmel gestürzt. In meinem Fall heißt das: Alte Kontakte reanimieren. Und: Ausgehen, das es nur so knallt. Und da habe ich mir in den vergangenen Wochen immer mal wieder meine Gedanken zum Thema sexuelle Orientierung gemacht. Bekanntermaßen bin ich Frauen nicht abgeneigt, wenn auch Männern meine größere Aufmerksamkeit gilt. Doch aktuell fasziniert mich vor allem mein Verhältnis zu schwulen Männern. Oder ihr Verhältnis zu mir.

Die Kuschellust kennt kein Geschlecht – meistens

Man könnte ja meinen, wenn eine Frau viel mit Männern rumhängt, die nur auf Männer stehen, käme sie in Sachen Körperlichkeit doch irgendwie zu kurz. Bei mir ist das Gegenteil der Fall: Es können noch so viele heiße Typen im Club herumspringen, mein schwuler Freund und ich knutschen, als gäbe es kein Morgen. Das lässt sich vielleicht noch unter ausuferndem, freundschaftlichem Liebesbeweis verbuchen.

Aber da sind ja noch die anderen, attraktiven jungen Männer, die sich eigentlich dem maskulinen Körper verschrieben haben. Doch da der weibliche Körper offenbar eine große Faszination ausübt, passiert es mir trotzdem relativ häufig, dass mir diese jungen, attraktiven Männer mit großer Freude an Arsch und Busen fassen. Oder doch mal mit mir knutschen wollen. Ein schwuler Bekannter, den ich nur flüchtig kenne, war kürzlich sogar so geflasht von der Atmosphäre und meinem knappen Outfit, dass ihn ein wenig Übermut packte – und er schon nach wenigen Minuten bekundete, mich UNBEDINGT lecken zu wollen. Und das, obwohl es von männlichen, halbnackten Körpern um uns herum nur so wimmelte. Ich habe zwar dankend abgelehnt, weil er leider nicht mein Typ ist. Und klar, das ist schon irgendwie ein Kompliment. Aber da war null sexuelle Spannung zwischen uns! Das war doch seinerseits ein Reines: „Jetzt bin ich schon mal hier in so nem Sexclub, jetzt will ich mal was Verrücktes tun. Heute mal Muschi statt Penis!“

Lust auf Brust

Ein anderer Freund von mir hat ständig das Pech, sich in Männer zu verlieben, die eigentlich heterosexuell sind. Zumindest behaupten sie das immer dann von sich, wenn er ein Statement zum Status ihrer Kuschel-Küss-Date-Situation einfordert. Und sowieso wird ständig mit diesen Begriffen um sich geschmissen, als müsse man sie wie einen Panzer vor der Brust tragen: „Ich bin schwul. Ich bin bi. Ich bin eigentlich hetero, aber manchmal auch bi. Ich bin straight. Meistens.“

Diese Bezeichnungen haben ja durchaus ihre Berechtigung. Um Missverständnissen vorzubeugen und natürlich, um beim Thema Gleichberechtigung verbal mit irgendetwas arbeiten zu können. Mal auf die politische Ebene gehoben geht es ja um viel mehr als ums knutschen und vögeln. Aber: In rein hedonistisch ausgerichteten Partyszenerien kann man vielleicht ab und an darauf verzichten, sich ständig „eigentlich bin ich schwul, aber ich will dich trotzdem küssen, hihi“, um die Ohren zu hauen. Oder: „Hier, küss doch mal meinen Typen, der hat noch nie eine Frau geknutscht, haha.“ Denn manchmal komme ich mir vor wie eine fleischgewordene Experimentiermasse. Und agiere oft selbst etwas paradox: Fasst mir ein schwuler Mann ungefragt an den Busen, reagiere ich selten mit überbordendem Ärger. Die straighten Kerle laufen da schon eher Gefahr. Aber eigentlich ist diese Unterscheidung ja totaler Quatsch. 

Faszination anderes Ufer – nur anders

Deswegen rufe ich mich jetzt selbst dazu auf: Knutsche, mit wem du willst, vögele mit wem du willst – aber lass dich nicht von dem ach so verrückten „heute mal mit einem vom anderen Ufer“-Gedanken leiten. Wir wollen doch alle nicht als Pseudo-Trophäen enden, sondern vor allem: Ganz viel Liebe verteilen. Und bekommen.

So denn: auf die Triebe!

Eure Mascha

Mascha heißt in Wirklichkeit vielleicht anders...
Ich bin Mascha (32) und seit rund anderthalb Jahren Single. Nach einer langen Beziehung habe ich endlich Zeit mich ein bisschen auszuleben, die Sau raus und nichts anbrennen zu lassen. Insgeheim warte ich aber natürlich auf meinen bärtigen Ritter, der mit seinem Pferd in den Hinterhof meiner Neuköllner Wohnung galoppiert und mit dem ich ein, zwei Mate auch mal ohne Wodka trinken kann. Bis es soweit ist, betätige ich mich ab sofort im Auftrag aller Berliner Singles als Versuchskaninchen, teste mich durch diverse Datingportale, -events und -partys. Und lasse auch sonst nichts unversucht, um Libido und Liebe auf die Sprünge zu helfen. Ausgang ungewiss.
Was soll ich als nächstes ausprobieren? Schreib an: redaktion@qiez.de

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