Öl, Asbest und Bauschutt

Illegale Mülldeponie im Tierpark Berlin

Illegale Mülldeponie im Tierpark Berlin
Die Idylle trügt: In der parkähnlichen Landschaft des Tierparks Berlin wurden jahrzehntelang illegale Abfälle entsorgt.
Schon seit mehr als 20 Jahren wurde im Tierpark wohl asbest- und ölverseuchter Abfall angenommen und unter Kompost verborgen. Der Senat spricht von einem illegalen Lager - mit bis zu 480.000 Kubikmetern Bauschutt. Die Entsorgung kostet Millionen.

Auf dem Gelände des Tierparks wird offenbar seit mehr als 20 Jahren eine illegale Bauschutt-Deponie betrieben. Das geht aus Akten der Umweltverwaltung hervor, die dem Tagesspiegel vorliegen. Außerdem lagert dort noch weit mehr Abfall als bisher angenommen. Das bestätigte Tierpark-Sprecherin Christiane Reiss. „Es wird jetzt begutachtet, wie viel es ist“, sagte sie. Die Abfälle lagerten auf einem hinteren, schwer zugänglichen Teil des Geländes. Mehr wolle sie dazu nicht sagen. Statt der bisher bekannten Menge von 55.000 Kubikmetern wird jetzt ein Vielfaches dessen vermutet: Die Akten lassen auf eine Menge von bis zu 480.000 Kubikmeter Schutt auf der Halde schließen.

Entdeckt wurden auch gefährliche Abfälle wie Asbest, das schon in Kleinstmengen krebserregend ist, und ausgelaufenes Öl, das ins Erdreich gesickert ist. Ein Teil der umweltgefährlichen Funde soll mittlerweile entsorgt worden sein, aber das meiste liegt noch dort. Umweltstaatssekretär Christian Gaebler sagte dazu: „Es ist ein illegales Lager, das so nicht bleiben kann.“ Die Umweltverwaltung muss schon seit Monaten darüber im Bilde sein. Die Umweltbehörde vermutet, dass im Tierpark mehr als 20 Jahre lang Bauschuttabfälle von Dritten angenommen, auf dem vorhandenen Trümmerberg abgeladen und mit eigenem Kompostmaterial überdeckt worden sind.

Begrünter Dreck

Das Gelände ist riesig; ein am östlichen Rand liegender Trümmerschuttberg ist offiziell bekannt und auch als Verdachtsfläche im Altlastenkataster des Landes Berlin vermerkt. Allerdings ist über die Jahre auf diesem Trümmerberg weiterer Schutt und Tiermist abgeladen worden. Fünf Beamten von Senatsverwaltung und Umweltamt Lichtenberg, die Mitte Januar das Gelände inspiziert hatten, ist dies offenbar entgangen. Das geht aus den Akten der Umweltverwaltung hervor. Der Schutt war auch gut kaschiert, denn die Berge wurden regelmäßig mit Samen beschossen und somit begrünt – vermutlich um den Anschein zu wecken, es handle sich um natürliche Hügel.

Der zuständige Lichtenberger Stadtrat Winfried Nünthel (CDU) sagt dazu, er habe keine Hinweise darauf, dass der Tierpark schon früher mit Baustoffen gehandelt habe. Das läge dann laut Nünthel auch in der Zuständigkeit des Senats und nicht des Bezirks. Zoff mit dem Tierpark hatte der Bezirk trotzdem, denn eigene Abfälle, etwa Tiermist, wurden auch einfach auf dem Gelände abgekippt. „Wir haben den Tierpark mehrfach aufgefordert, das zu unterlassen und seine Abfälle korrekt zu entsorgen, aber es wurde einfach nicht reagiert.“ Seine Behörde habe aber keine Konsequenzen gezogen, so Nünthel: „Das war die Sache nicht wert, sich da durchzusetzen. Es ging ja keine Gefährdung davon aus.“

Ortsbegehung mit dem neuen Chef Andreas Knieriem

Als der neue Zoo-Chef Andreas Knieriem ins Amt kam, wurde das Gelände erneut begangen, diesmal mit Vertretern der immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsbehörde. Diese Ortsbegehung Mitte April ergab, es handle sich um ein nicht genehmigtes Abfall-Langzeitlager und dort liege auch nicht nur tierparkeigener Schutt. Es wurden unter anderem Ziegel, Asphalt, Folien und Metalle gefunden. Die Vertreterin der Bodenschutzbehörde des Bezirks Lichtenberg vermutete gefährlichen Abfall und verbot dem technischen Leiter des Tierparks, das Material auf dem Tierparkgelände zu verwenden. Sogar in neu angelegten Tiergehegen standen Reste von Bauschutt, etwa Mineralwolle, aus dem Boden hervor.

Seither fanden regelmäßig Begehungen durch Behördenvertreter statt. Es wurde eine Menge Abfall gefunden, der nicht aus dem Tierpark stammen kann und der nur schwer und teuer zu entsorgen ist. „Illegale Abfallablagerungen sind ein lohnendes Geschäft“, sagte ein Abteilungsleiter der Umweltbehörde dem Tagesspiegel. Schnell wurde klar, dass der Zustand so nicht bleiben kann – schließlich grenzt der Tierpark an ein Wasserschutzgebiet, und welche Schadstoffe in den Haufen lagern, ist nicht im einzelnen bekannt. Die Aktenvermerke der Behörde sind in sachlichem Ton gehalten, ihnen ist aber doch die Erschütterung über das Ausmaß der illegalen Abfallbeseitigung anzumerken. Unklar ist, wie jetzt weiter verfahren werden soll, auch, um eine Grundwassergefährdung zu verhindern.

Der Zoo hat bisher keine Klage gegen den früheren Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz eingereicht. Gegen ihn und den technischen Leiter Andreas A. ermittelt zwar die Staatsanwaltschaft, aber Schadensersatzansprüche seitens des Zoos sind sie bisher nicht ausgesetzt. Der Zoo hat Blaszkiewitz den Streit aber verkündet; das dient zur Sicherung späterer Ansprüche. Gegen die Charlottenburger Firma S. klagt der Zoo hingegen. Die Klage zielt erstmal darauf, die Firma S. zu verpflichten, den von ihr angefahrenen Schutt auf eigene Kosten abzuholen.

Grüne haken immer wieder nach

Bekannt ist nämlich, dass rund 18.000 Kubikmeter Abfall von verschiedenen Berliner Baustellen von der Firma S. zum Tierpark gebracht worden waren. Es gibt ein entsprechendes Annahmeschreiben des Tierparks. Allerdings war eine Schadstoffklasse vereinbart, die es ermöglicht hätte, das Material in den Gehegen zu verbauen. Durch die nun gefundenen Schadstoffmengen ist das nicht mehr möglich. Das Ganze ist nur herausgekommen, weil die Grünen-Abgeordneten Claudia Hämmerling und Silke Gebel sehr hartnäckig recherchiert und immer wieder parlamentarische Anfragen gestellt haben.

Knieriems Amtsvorgänger Blaszkiewitz wollte sich auf Nachfrage des Tagesspiegels nicht äußern. Die Firma S. nahm ebenfalls – trotz Nachfrage – nicht Stellung.

Die Entsorgungskosten werden auf mindestens 2,4 Millionen Euro geschätzt. Der Tierpark hat dieses Geld nicht. Laut Senat will die Finanzverwaltung eine Lösung finden, damit der Tierpark nicht die fünf Millionen Euro antasten muss, die ihm vom Haushaltsausschuss für Verschönerungsmaßnahmen bewilligt wurden. Der Tierpark hat jetzt drei Monate Zeit, ein Konzept vorzulegen, wie er verfahren will.


Quelle: Der Tagesspiegel

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Tierpark Berlin-Friedrichsfelde

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