Smarte Stadtplanung

Was denken eigentlich die Bürger?

Stadtplaner tragen eine Verantwortung gegenüber der Bevölkerung, meint Michael Drohsel von Urbanophil e.V. Zusammen mit Vereinskollegen und der Stiftung Freizeit hat er die Mobile Universität Berlin konzipiert: Per umgebauten Fahrrad geht es direkt in die Kieze, dort wird mit Bürgern über die drängenden Fragen des Städtebaus diskutiert.

Mit Tischen, Stangen und einer technischen Ausstattung startete das leuchtend gelbe Fahrrad der Mobilen Universität Berlin (MUB) letzten Sommer zeitgleich mit dem Guggenheim Lab. Das Lab ist längst weiter gezogen, aber die MUB bleibt den Berlinern erhalten. Das 250 Kilogramm schwere Gefährt soll den stadtplanerischen Diskurs aus den Hörsälen in die Straßen Berlins bringen. Dazu werden für dieses Jahr noch Partner und Sponsoren gesucht.

„Als Stadtplaner trage ich eine Verantwortung für die Organisation des Zusammenlebens in den Quartieren. Die Leute sollen nicht unter meiner Planung leiden, sondern auch gern in ihren Kiezen wohnen“, erklärt MUB-Gründer Michael Drohsel, der hauptberuflich an der Technischen Universität Berlin lehrt und sich in seiner Freizeit in dem gemeinnützigen Verein Urbanophil, einem Netzwerk für urbane Kultur, engagiert.

Bewusste Raumwahrnehmung

Die Idee für die MUB kam Drohsel einerseits, weil er fand, dass Bürger zu wenig in die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit städteplanerischen Prozessen einbezogen werden und andererseits, weil ihm auffiel, dass viele Studenten seines Metiers nur noch mit Internet-Tools wie Google Earth oder Street View arbeiteten.

„Die neuen Medien können nicht als einzige Quelle für die Stadtplanung dienen. Das ist nicht ok. Die Studenten müssen vor Ort sein – sehen, wie zum Beispiel die Lichtverhältnisse zu unterschiedlichen Tageszeiten sind und welche Probleme die Leute in den Kiezen wirklich bewegen“, so Drohsel. „Es geht vor allem um eine bewusste Raumwahrnehmung.“

Momentan befindet sich das MUB-Fahrrad noch in der Winterpause. Deshalb findet bis zum Start der Frühlings- und Sommersaison vorerst eine eher theoretische Auseinandersetzung mit der MUB statt. An unterschiedlichen Universitäten Berlins wird das Projekt derzeit vorgestellt und es werden Interessenten gesucht, die daran mitarbeiten wollen.  

Großes, buntes Fahrrad weckt Interesse

Letzten Sommer kam das ungewöhnliche Format jedenfalls schon gut bei den Berlinern an. „Wir waren überrascht, wie unkompliziert wir mithilfe des Fahrrads mit Leuten in Kontakt gekommen sind. Ein großes, buntes Fahrrad weckt eben Interesse! Es kamen relativ schnell Diskussionen mit einer Tiefe zustande, wie wir es selbst nicht erwartet hätten“, bemerkt Drohsel begeistert.

So entdeckte das Team von Stadtplanern und Architekten um Drohsel bei einer Diskursrunde mit rund 50 Teilnehmern am Rosa-Luxemburg-Platz, dass lediglich zwei Leute Gentrifizierung als Problem in der Gegend ansahen. Alle anderen hatten ganz andere Sorgen. Bleibt zu hoffen, dass die MUB in diesem Jahr mit neuen Unterstützern wieder durchstarten kann, um zu sehen, wo die wirklichen Stadtentwicklungsprobleme in den Kiezen liegen.

Lesen Sie mehr:

Was denken eigentlich die Bürger?, Rosa-Luxemburg-Platz , 10178 Berlin

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