Sewan-Sozialkaufhaus in Lichtenberg

Sozial Shoppen

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Sozialkaufhaus-Kundin Sybille Granzow hat etwas für ihre Tochter gefunden.
Das Sewan-Sozialkaufhaus in Lichtenberg bietet Suchtkranken einen Job und Anerkennung. Für die Kunden gibt es günstige Ware, die weit davon entfernt ist Ramsch zu sein. 

Dutzende Jacken und Blusen in leuchtenden Farben hängen ordentlich nach Größen sortiert an den Kleiderstangen. Auf einem Regal ist Geschirr aufgebaut, daneben warten Sofas und Schrankwände auf einen Käufer. Auch wenn alles wie in einem typischen Kaufhaus aussieht: Gewöhnlich ist im Sewan-Kaufhaus in Lichtenberg wenig.

Halt im Leben finden

Sämtliche Artikel kommen aus zweiter Hand und oder stammen von Spendern. Kundenberater, Kassierer und Mitarbeiter des Lagers haben durch die Arbeit eine neue Möglichkeit gefunden, einen Ausweg aus ihrer Alkoholsucht oder einer anderen Suchterkrankung zu finden.

Wer einmal rückfällig wird, verliert nicht gleich seinen Arbeitsplatz. Pro Stunde verdient jeder Mitarbeiter 1,20 Euro. Das Sewan-Kaufhaus ist ein Sozialkaufhaus. „Die Idee ist, die Menschen zurück an die Arbeit zu bringen“, sagt Geschäftsführer Karl-Friedrich Schnur. Es ist eine zweite Chance für jene, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben. Gleichzeitig finden sie durch die Tätigkeit neuen Halt und Anerkennung im Leben. „Die Mitarbeiter identifizieren sich mit dem Laden. Sie bekommen das Gefühl, gebraucht zu werden“, sagt Schnur. Derzeit arbeiten 35 Dazuverdiener in dem Kaufhaus in der Sewanstraße. Viele haben mitgeholfen, aus der verfallenen, einstigen Kantine das Geschäft aufzubauen.

Klein Platz für Ramsch, für gut Erhaltenes schon

„Ich fühle mich gut hier, und die Arbeit macht Spaß“, erzählt Kassiererin Marina Anhold, 51, aus Lichtenberg. Jeden Tag kommen bis zu 400 Kunden. „Manche fahren von Bernau oder von Zehlendorf hierher“, berichtet sie. Oder sie kommen, um Kleidung und Bücher zu spenden, die zu schade sind, um im Müll zu landen. Ramsch wird nicht angenommen – das kommt bei den Kunden gut an. Jürgen Schaub, 69, aus Mariendorf steht mit einem schwarzen Mantel überm Arm an der Kasse, der Preis: 14 Euro. „Einwandfrei“ findet Schaub den Mantel. Margret Rosenthal, 74, sitzt auf einer beigefarbenen Couch Probe. „Ich finde es gut, dass es so eine Einrichtung in unserem Kiez gibt“, sagt die Rentnerin. Sie will auch etwas spenden. In der Kinderabteilung sucht Sybille Granzow, 39, nach Büchern und einer Hose für ihre Tochter – und findet eine pinkfarbene Truhe für Puppensachen.
 


Quelle: Der Tagesspiegel

Sewan Kaufhaus, Sewanstraße 186, 10319 Berlin

Telefon 030-50018788


Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr
Samstag von 9 bis 15 Uhr

Sewan Kaufhaus

Sozialkaufhaus-Kundin Sybille Granzow hat etwas für ihre Tochter gefunden.

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