• Dienstag, 14. Oktober 2014
  • von Leyla Dere

Nachbarschaftscafé

Kaffeetrinken in der Waschküche

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  • Waschcafé
    Das Waschcafé in der Spandauer Neustadt ist montags bis freitags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Foto: QIEZ - ©Leyla Dere
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    Lieblingsbeschäftigung der Mädchen: Ketten aus Gummis knüpfen. Foto: QIEZ - ©Leyla Dere
  • Waschcafe
    Der Liebling der Mädchen: Dieter Klingbeil, er betreut das Waschcafé ehrenamtlich. Foto: QIEZ - ©Leyla Dere
  • Waschcafé
    Tresen und Tische im innern des Waschcafés. Foto: QIEZ - ©Leyla Dere
  • Waschcafe
    "Babuschka", so nennen alle die Nachbarin aus der Ukraine. Foto: QIEZ - ©Leyla Dere
  • Waschcafe
    Tuana zeigt die zwei Waschmaschinen und Trockner des Waschcafés. Allein dürfen die Kinder diesen Raum nicht betreten. Foto: QIEZ - ©Leyla Dere

Spandauer Neustadt - Wäschewaschen ist Nebensache. In diesen Salon kommen große und kleine Anwohner vor allem, um sich zu treffen und miteinander auszutauschen.

Wer sich der Siedlung der Genossenschaft 1892 in der Schäferstraße nähert, sieht häufig eine auffällig große Menschentraube in der Nähe des Spielplatzes stehen. Es sind nicht nur Eltern, die auf ihre spielenden Kinder aufpassen. Auch viele Männer und Frauen ohne Kinder, ältere Menschen und Jugendliche versammeln sich vor dem Waschcafé der Genossenschaft.

Zusammen mit dem Quartiersmanagement Spandauer Neustadt startete man 2010 eine Umfrage unter den Anwohnern und es kristallisierten sich zwei Wunschprojekte bei den Mietern heraus: ein Hamam und ein Waschcafé, die Kombination aus Waschsalon und Café. Beide Projekte wurden bei einer Versammlung vorgestellt, am Ende gewann das Waschcafé die Gunst der Anwohner. Die Idee der Genossenschaft und des Quartiersmanagements war es von Anfang an, die Nachbarn einander näher zu bringen und Spannungen im Viertel abzubauen. Es scheint ihnen gelungen zu sein. 2013 bekam das Café den Preis "Projekt neue Nachbarschaft" der Montag Stiftung Urbane Räume.

Im Café bedient heute Dieter Klingbeil allein, er hat Kuchen gebacken, Kaffee gekocht und Waffelteig vorbereitet. Drei Mädchen basteln an einem Tisch, ein anderes isst Eis, ein Kind bekleckert sich gerade mit der Nutella-Waffel, die es von Klingbeil bekommen hat. Ein weiteres Mädchen schmiegt sich an Dieter Klingbeil, während er von seiner Arbeit erzählt. Um seinen Hals baumeln Ketten, die er von den Mädchen geschenkt bekommen hat. "Durch die Kinder habe ich viel gelernt. Zum Beispiel konnte ich der Gartenarbeit nie viel abgewinnen. Aber als wir zusammen den kleinen Garten vor dem Café anlegten, habe ich das gerne gemacht", erklärt der ehrenamtliche Betreuer des Cafés.

Früher spielten Kinder nur in der Wohnung

Buşra, Melissa, Tuana und Laura sind Freundinnen, sie kommen jeden Tag zu Dieter Klingbeil ins Café. Früher waren sie meist allein zu Hause, hatten niemanden zum Spielen und durften nicht rausgehen. Hier sind sie beaufsichtigt und dürfen auch ohne Eltern kommen. "Ich habe meinen Ranzen zu Hause abgestellt und bin ganz schnell hierher", erzählt die Achtjährige Tuana. "Meine Tasche steht da draußen, bei meiner Oma", sagt die gleichaltrige Laura und zeigt auf die Terrasse, wo Männer und Frauen rauchen und schwatzen.  

Lena Köber, eine junge Mutter, die sich ehrenamtlich im Café engagiert, sagt, dass noch nie so viele Kinder auf dem Spielplatz gespielt hätten wie seit der Eröffnung des Waschcafés. "Wir machen sehr viel mit ihnen, Laternenumzüge, Halloween, Weihnachtsbacken und Ausflüge", erzählt Köber, die fast ihr ganzes Leben in der Siedlung wohnt. Beim Stichwort Halloween beginnen die Kinder ganz aufgeregt durcheinander zu sprechen. Sie überlegen, wie sie sich dieses Jahr verkleiden, bei wem sie besser nicht klopfen und erzählen, dass Lauras Vater sie das letzte Mal erschreckt hat. Dann lachen die Kinder bei dem Gedanken an den Nachbarn, der ihnen beim letzten Halloween versehentlich in Boxershorts die Tür öffnete. 40 bis 60 Kinder seien mittlerweile beim Halloween-Umzug dabei. "Eingeteilt in vier bis sechs Gruppen ziehen wir los und klingen bei den Nachbarn. Die wissen jetzt auch Bescheid, wenn wir kommen, dann gibt es Süßes für die Kinder", erzählt die 28-Jährige Köber.   

Jeder ist für jeden da

Eine Anwohnerin betont: "Seit es das Café gibt, sind wir uns viel näher gekommen. Zwar haben wir uns auch vorher im Haus gekannt aber jetzt sind Freundschaften entstanden." Eine andere Frau, die ebenfalls gerne ins Café kommt, bestätigt und fügt hinzu, dass man jetzt viel mehr aufeinander achte. "Jeder passt auf die Kinder des anderen auf, wir tauschen Kinderklamotten, machen Ausflüge zusammen oder gehen tanzen, fragen, wer was braucht."

"Eigentlich ist jeder für jeden da und wir sind uns über den Nachbarn, der sich immer wegen des Kinderlärms beschwert, einig", erzählt eine Dritte und alle anderen lachen. Die Spanierin Anna Lopez lebt erst seit einem Jahr in Berlin. "Es ist zwar keine schöne, saubere Gegend wie andere Berliner Szene-Kieze und die Anwohner sind sehr durchmischt. Viele einfache Leute aber auch sehr gebildete Menschen leben hier, ich fühle mich wohl", sagt die Spanischlehrerin. Als sie und ihr polnischer Mann aus England hierherzogen, sei es ihr wichtig gewesen, dass die Nachbarschaft grün und verkehrsberuhigt ist. Vom Café habe sie in der Kita ihrer Söhne gehört. Trotz ihrer mangelnden Deutschkenntnisse lernte sie hier schnell neue Leute kennen. Und dann könne sie ja auch Polnisch, was ihr das Leben hier erleichtere. Denn neben Türken, Arabern und Kurden leben sehr viele Polen, Ukrainer, Russen, Serben und sogar Tschechen in der Siedlung.  

Waschcafé

Schäferstraße 8
13585 Berlin

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Quelle: QIEZ
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