• Freitag, 30. März 2012

Streit um Uferweg

Aus mit der Ruhe am Groß Glienicker See?

  • Groß Glienicker See
    Flanieren am Groß Glienicker See bald die Massen entlang? Foto: dapd - ©Adam Berry

Idyllisch und ruhig ist es am Ufer des Groß Glienicker Sees. Damit könnte es bald vorbei sein. Den Anliegern droht die Enteignung ihrer Wassergrundstücke. Spandaus SPD, Grüne und Linke planen einen öffentlichen Wanderweg.

Den Anwohnern auf der Berliner Seite des Groß Glienicker Sees droht (ähnlich wie den Potsdamern auf der anderen Seite) der Verlust des Uferstreifens ihrer Grundstücke. Dort soll nach Plänen der SPD ein öffentlicher Wanderweg errichtet werden. Im Ernstfall droht etwa 100 Eigentümern die teilweise Enteignung. Eine entsprechende Empfehlung an das Bezirksamt beschlossen die Sozialdemokraten mit Grünen und Linken bei nur einer Stimme Mehrheit im Bezirksparlament. CDU und Piraten hatten vergeblich die Rücküberweisung an den Fachausschuss zum weiteren Dialog mit den Betroffenen gefordert. Den Berliner Seeteil hat der Bezirk Spandau vor etwa einem Jahr für 255.000 Euro vom damaligen Privatbesitzer erworben.

Bislang ging es dem Bezirksamt nur um die Entfernung von Steganlagen, deren Baugenehmigungen teilweise fragwürdig sind. Jetzt verlangen SPD und Grüne zusätzlich einen 15 Meter breiten, öffentlichen Uferstreifen inklusive Wanderweg. Weil dafür bisher die Rechtsgrundlage fehlt, müsste das Bezirksamt, in dem jedoch die CDU die Mehrheit hat, erst die Aufstellung eines Bebauungsplanes verabschieden. Das habe dort zuvor "keine Priorität" gehabt, so Bürgermeister Helmut Kleebank, aus dessen Kladower SPD-Ortsverein die Initiative für den Antrag stammt. "Der Groß Glienicker See gehört allen Spandauern", sagte SPD-Fraktionschef Christian Haß. Christoph Sonneberg-Westeson (Grüne) sieht ein "übergeordnetes Interesse" an dem Wanderweg. Beide Parteien machten auf die Sicherstellung des ökologischen Gleichgewichts des Sees aufmerksam.

"Jetzt müssen wir kämpfen"

CDU und Grüne wollen aber weiterhin mit den See-Anliegern in Diskurs bleiben. Die SPD-Verordnete Gaby Schiller machte klar, dass ihre Partei keine Enteignungen wie auf Potsdamer Seite wolle, sondern dem Bezirk nur ein Vorkaufsrecht beim Verkauf von Seegrundstücken sichern wolle. "Wir können warten", sagte sie. Bereits ein Bebauungsplanverfahren samt Bürgerbeteiligung und Klagen über mehrere Instanzen könnte sich über zehn Jahre hinziehen. Für Anjuschka Wagner von der Bürgerinitiative Pro Groß Glienicker See sei der Beschluss "ein Schlag ins Gesicht". Man habe die Probleme friedlich klären wollen, "jetzt müssen wir kämpfen".

Auf der Potsdamer Seite soll entlang des früheren Mauerstreifens ein 2,5 Kilometer langer Uferweg entstehen. Dort ist die Enteignung von 3400 Quadratmeter privater Uferfläche in 41 Fällen seit Anfang Februar im Gange. Brandenburgs Innenministerium hat jedoch noch nicht entschieden. Nun ermitteln Gutachter den Wertverlust für die Grundstücke. Der vier Meter breite Weg wäre öffentlich zugänglich, der Uferstreifen bliebe Privateigentum. Eine Handvoll Anlieger gestattet der Stadt, das Gelände für den Weg zu nutzen. Für Flächenkauf und Enteignungen gibt Potsdam bis 2015 rund 4,5 Millionen Euro aus. Acht Anrainer bleiben eisern. Sie haben den ehemaligen Kolonnenweg der DDR-Grenzer an vier Stellen versperrt, teils schon seit 2005.

Groß Glienicker See

Uferpromenade
14089 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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