• Mittwoch, 16. Oktober 2013
  • von Kevin Grünstein

QIEZ-Geschichte(n)

100 Jahre Rathaus Spandau

  • Altstadt Spandau
    Spandauer Rathaus in der Carl-Schurz-Str. 2. Foto: QIEZ - ©QIEZ

Altstadt - Umschlossen von Havel, Mühlengraben und dem Verkehrsfluss des Altstädter Rings thront das Rathaus Spandau über dem Südteil der Altstadt. Das Wahrzeichen des Bezirks mit dem markanten Turm feiert dieses Jahr einhundertjähriges Bestehen. Zum Jubiläum gibt QIEZ einen kleinen historischen Abriss.

Rundes Jubiläum hat das Rathaus Spandau diesen Spätsommer gefeiert. 100 Jahre. Das hätte man dem Wahrzeichen des Bezirks von außen fast nicht zugetraut. Dabei grenzt die Weihe-Inschrift am Haupteingang bereits die historische Dimension und den zeitlichen Bauumfang ein: "ERBAVT VNTER DER REGIERVNG KAISER WILHELMS *II* VON DER BÜRGERSCHAFT IN DEN JAHREN MCMX - MCMXIII". Es waren die Architekten Heinrich Reinhardt und Georg Süßenguth, die sich das Rathaus in seiner jetzigen Form ausdachten und zwischen 1910 und 1913 beim Bau beaufsichtigten.

Spätestens im Treppenhaus tut sich dann auch die wahrhaft monumentale Vergangenheit auf: Barocke Fassaden, der große Boden in goldenen Rautenmustern, das leicht geschwungene Treppengeländer - die Pracht ist erhalten geblieben. Damals leitete das ansehnliche Sockelgeschoss zu den Repräsentationsräumen hin, heute befinden sich bekanntlich das Bürgeramt und das Bezirksamt von Spandau im Gebäude. Auch die Bezirksverordnetenversammlung findet hier statt. Die "Beamtenlaufbahn", der zweigeschössige Durchgangsflur, verbindet das Hauptgebäude mit dem ehemaligen Polizeitrakt samt Zellenflur, einem Nebengebäude zwischen Stabholzgarten und der Straße Am Wall. Die Rückseite ist eine schön verwinkelte Ecke mit Parkhaus, ein vollends mit Kletterpflanzen überwucherter Ort. Weithin sichtbar ist natürlich der Rathausturm. Mit seinen 80 Metern Höhe bildet er quasi das südliche Gegenstück zum massiven Turm der evangelischen St. Nikolai-Kirche im Norden der Altstadt.

Bei einhundert Jahren ist natürlich auch einiges auf der Strecke geblieben. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Rathaus stark beschädigt. Von den ursprünglich zwei kleinen seitlichen Türmen, die den Hauptturm flankierten, ist nichts mehr übrig. Auch in der Vorhalle konnten die Jugendstilornamente 1988 nicht vollständig restauriert werden. Und schon der Erste Weltkrieg sorgte für Einsparungen im Kulturbetrieb: Eigentlich sollte ein Stadttheater im Rathausmittelteil etabliert werden - das Vorhaben musste mit Kriegsausbruch aber auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Heute sorgen eher das Volkstheater und das Theater an der Zitadelle in der nördlichen Altstadt für Bühnenpräsenz - das Amateurtheater Elektra auf der anderen Seite des Mühlengrabens gab es bereits 1911, zwei Jahre bevor das Rathaus fertiggestellt war. Das Rathaus kehrt somit nicht nur der Havel den Rücken zu, sondern überlässt auch den kulturellen Alltag des Bezirks anderen. Jedenfalls, bis eine neue Sonderausstellung in die Hallen und Höfe des Spandauer Urgesteins einlädt.

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Spandau

Bürgeramt Rathaus Spandau

Carl-Schurz-Straße 2/6
13597 Berlin

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Quelle: QIEZ
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