Bürgerprotest in Spandau

Verwaister Ponyhof

Seit knapp vier Wochen leben auf dem Ponyhof in Spandau keine Tiere mehr. Eine Bürgerinitiative setzt sich für den Erhalt des Hofes ein.
Seit knapp vier Wochen leben auf dem Ponyhof in Spandau keine Tiere mehr. Eine Bürgerinitiative setzt sich für den Erhalt des Hofes ein.
Noch immer steht die Zukunft des Ponyhofs Staaken in den Sternen. Auf Geheiß des Veterinäramtes waren die Tiere am 23. Mai wegen angeblicher Verletzungen des Tierschutzgesetztes vom Hof entfernt worden. Die Unterstützer wollen sich weiter gegen die Schließung wehren. Für QIEZ.de öffnet der Ponyhof in Spandau seine Türen.

Im Ponyhof Staaken will trotz des sommerlichen Wetters keine rechte Freude aufkommen. Still liegt der kleine Fachwerkhof am Cosmarweg da. Von dem Trubel, der hier vor einigen Wochen noch geherrscht haben mag, fehlt jede Spur. „Wir waren ein multikultureller Treffpunkt vor allem für die Kinder aus den umliegenden Kiezen“, erzählt Monika Kunz*, die berufstätige Tochter des Hofbesitzers. „Hier hatten sie die Möglichkeit, kostenlos mit Tieren in Kontakt zu kommen und spielerisch an die Begriffe Verantwortung und Tierpflege herangeführt zu werden.“

Wie sehr den Kindern ihre Schützlinge am Herzen lagen, das verraten die zahlreichen Plakate, die an der gesamten Länge des eingezäunten Geländes, auf Koppeln und in Ställen angebracht sind. „Bitte gebt uns unsere Tiere wieder!“ oder „Kalte Gegenständen kann man nicht in den Arm nehmen!“ ist auf den bunten Spruchbändern zu lesen.

Seit Ende Mai bleiben die meisten Plätze des angeschlossenen Biergartens leer, nur die Hunde des Hofes sorgen noch für etwas Abwechslung zwischen den leeren Ställen. Bereitwillig und offen führt Kunz QIEZ.de über den verwaisten Hof. Ihre ganze Kindheit hat die Tochter des mittlerweile 83 Jahre alten Hofbesitzers Max Eisenblätter und seiner Frau Erika auf dem Bauernhof verbracht. „Tierschutzbestimmungen und Kontrollen gab es dabei schon immer“, berichtet Kunz.

Bisher keine Beanstandungen

Seit 40 Jahren waren jedoch keine erheblichen Mängel im Betrieb festgestellt worden. „Sicher, das Wasser auf dem Lehmboden fließt nur schwer ab und bei eisigen Temperaturen kommen die Kleintiere in den großen Stall – doch all das hat das Wohl der Tiere nie beeinträchtigt“, betont Kunz. „Die Behörden hatten niemals Einwände gegen unseren Betrieb.“

Das hat sich im vergangenen Jahr geändert. Nachdem sich das Ordnungsamt noch 2011 mit der Haltung der Tiere und dem Konzept der Anlage einverstanden erklärte, sorgten die Vorwürfe der Amtstierärztin Daniele Prange seit Beginn des Jahres zu einer Zuspitzung der Lage. „Was genau wir hätten besser machen können und sollen, hat Frau Prange uns niemals transparent aufgezeigt“, erzählt Kunz. Ihre Eltern und sie selbst seien dabei durchaus offen gewesen für Umbaumaßnahmen und Verbesserungsvorschläge. „Die Auflagen sind nicht das Problem“, betont Kunz. Doch die zuständigen Behörden hätten konkret Forderungen stellen und den Betreibern des Hofes eine ausreichende Zeit für entsprechende Maßnahmen einräumen sollen.

Stattdessen wurden Kunz zufolge nicht nachvollziehbare Anschuldigungen erhoben und das Amt zeigte wenig Interesse an einer einvernehmlichen Lösung. „Es wirkt fast so, als hätte uns die zuständigen Behörden von Anfang an keine Chance zum Überleben geben wollen“, bedauert Kunz. „Wir haben die gesammelten Futterrechnungen aus den vergangenen Jahren vorgelegt, den einwandfreien Zustand der beanstandeten Tiere medizinisch bestätigen lassen und den Teil des Pachtgeländes, für den die Eigentumsfrage angeblich ungeklärt war, abgetrennt.“

Keine artgerechten Zustände?

Doch keine der Maßnahmen zeigte Wirkung. Die Haltungsbedingungen der Tiere wurden weiterhin als untragbar eingestuft und auch der Sachkundetest, den die Tochter der Eisenblätters mit dem Ziel, den Hof zu übernehmen, ablegte, wurde als nicht ausreichend gewertet. „Solch ein Test dauert normalerweise eine halbe Stunde. Mir hat man zweieinhalb Stunden zum Teil medizinische Fachfragen gestellt“, wundert sich Kunz.

Im Verlauf des auch gerichtlich ausgetragenen Streits um den Ponyhof, verhärteten sich die Fronten zusehends. „Schließlich wurden sogar meine Eltern des Alkoholismus bezichtigt“, schildert Kunz die Ereignisse. Ein medizinischer Lebertest konnte die Vorwürfe zwar aus dem Weg räumen, doch bei den Behörden stieß der Gegenbeweis scheinbar auf taube Ohren.

Den Höhepunkt erreicht die Auseinandersetzung an dem Tag, als die Tiere vom Hof abtransportiert wurden. Zu dem gegenüber den Behörden geäußerten Vorwurf, die Tiere seien äußerst rabiat behandelt worden, erklärt Kunz: „An diesem Tag kochten die Emotionen bei allen auf dem Hof engagierten Menschen natürlich hoch. Auch wenn gewisse Anschuldigungen deshalb vielleicht relativiert werden müssen, so wurden die Tiere doch zum Teil recht grob behandelt.“ Zumindest die Tatsache, dass die ihnen vertrauten Personen nicht bei der Verladung helfen durften, könnte durchaus zu einer erhöhten Stresssituation für die Tiere geführt haben.

Ungewisse Zukunft

Nun befinden sich die jeweils sieben Ponys und Schafe, die drei Esel, die Ziege, das Schwein und 21 Hühner, Gänse und Enten im Tierheim oder auch an einem unbekannten Ort – die Pferde sollten dadurch vor einer möglichen Entführung durch die ehemaligen Besitzer geschützt werden, so Kunz.

Engagierte Eltern und Unterstützer des Ponyhof Staaken werden sich weiter für eine Rückkehr ihrer Tiere einsetzen. „Wir wollen keinen Ärger, aber wir kämpfen weiter um unseren Bauernhof“, so Kunz. Ein runder Tisch, an dem sich alle Beteiligten auf neutralem Boden über die Anforderungen an den Hof verständigen könnten, würde vielleicht dabei helfen, den Kindern in Staaken bald wieder den Umgang mit Tieren zu ermöglichen.

Wann und ob das zahme Huhn Emily oder Uschi der Ziegenbock auf den Hof zurückkehren, bleibt abzuwarten. Auf einer „friedlichen und angemeldeten“ Demonstration vor dem Rathaus wollen die Eisenblätters und alle Unterstützer am 21. Juni um 16 Uhr für ein Entgegenkommen der Behörden protestieren. „Wir wollen, dass uns Gesprächsbereitschaft entgegengebracht wird“, so Kunz.

*Name von der Redaktion geändert

Machen Sie sich selbst ein Bild – Eindrücke vom Ponyhof Staaken:

Verwaister Ponyhof, Cosmarweg 82, 13591 Berlin

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