Unterwegs im Kiez

Willkommen in Bullerbü!

Willkommen in Bullerbü!
Blick in die Benschallee in Düppel. Hier startet unser Spaziergang durch die "Gartenstadt".
Düppel - Die meisten kennen Düppel, ein Viertel im Zehlendorfer Ortsteil Nikolassee, vor allem als Standort des berühmten Museumsdorfes, der FU-Tierklinik und des Waldfriedhofs Zehlendorf. Dass es sich unmittelbar an der südwestlichen Berliner Stadtgrenze auch hervorragend leben lässt, davon haben wir uns bei einem herbstlichen Kiezspaziergang überzeugt.

Wir starten unseren kleinen Spaziergang in der Ludwigsfelder Straße, etwas südlich des Museumsdorfs Düppel. Eine kleine Ladenzeile mit Apotheke, Tier- und Getränkeshop sowie Dönerladen ist Anlaufstelle für die Anwohner aus den umliegenden Mehrfamilienhäusern, die zum Teil auf die Zeit zurückgehen, in der hunderte US-Alliierte mit ihren Familien im Kiez untergebracht wurden. Heute präsentiert sich die Gegend rund um die Berlepschstraße gediegen, man pflegt seinen Vorgarten und hat sich mit dem recht hohen Verkehrsaufkommen (hier gelangen Arbeitnehmer morgens und abends ohne Avus-Stau nach Kleinmachnow) arrangiert. Ein Bild, wie es für viele Stadtrandsiedlungen üblich ist.

Doch nur wenige Meter Fußweg entfernt befinden wir uns plötzlich mitten auf dem Land. Und zwar so richtig. Zwischen den Tierkliniken der FU Berlin auf der einen und dem an einem Dienstagnachmittag verlassen daliegenden Museumsdorf Düppel auf der anderen Seite, muss der Verkehr eine Kopfsteinplasterstraße entlanghüpfen. Weit ausladende Bäume rahmen den schmalen Fahrdamm ein und während rechter Hand die Kinder der benachbarten Reitschule ihre Ponys dressieren, grasen links Kühe und Schafe eine riesige Weidefläche ab. Als wir schließlich nach Westen in den Königsweg abbiegen, wird die Einsamkeit noch größer. Hinter uns bleibt der Autoverkehr zurück, Bäume wiegen sich im Herbstwind und nur ab und an werden wir von einem radelnden Schulkind überholt.

Nach einem kleinen Abstecher zum Krummen Fenn – einem überwucherten und versumpften Gewässer zwischen Wald und Wiesen – sowie in das ebenfalls akkurat gepflegte Wohngebiet längs der Lloyd-G.-Wells-Straße, erreichen wir schließlich Bullerbü. Oder zumindest jene Siedung, die diesen Namen absolut verdient hätte. Die „Gartenstadt Düppel“ wurde in den 80er Jahren angelegt und scheint den Träumen eines beherzten Weltverbesserers mit schwedischen Wurzeln entsprungen. Bunte Häuschen mit gemalten Namensschildern, viel Holz und warme Farben, kleine Hobbyschuppen und Giebel prägen das Bild.

Die Kinder vom Kesperhof

Hier gehören die Straßen – die übrigens so klangvolle Namen wie Himbeersteig oder Kesperhof tragen – den Fußgängern. Gehsteige gibt es demzufolge nicht, Schrittgeschwindigkeit ist oberstes Gebot. Und so können die Eltern nach Feierabend unbehelligt im Vorgarten ackern, während ihre Kids, und von denen gibt es in der Siedlung augenscheinlich recht viele, im Yehudi-Menuhin-Park vor der Tür Drachen steigen lassen oder auf dem schönen Fußweg, der den schönen Waldfriedhof mit der Clauertstraße verbindet, das Rollerfahren üben. Ein Auskommen brauchen besagte Eltern aber in jedem Fall. Die Mitpreise in der Siedlung liegen offiziell bei um die zehn Euro. Die Autos in den hauseigenen Garagen scheinen diesen Eindruck zu bestätigen.

Im Gegenzug haben die Anwohner natürlich nicht nur viel Grün, sondern auch einen Supermarkt sowie Kita und Grundschule direkt vor der Tür. Und wer dann doch mal in die Stadt muss, für den ist es bis Zehlendorf Mitte nur ein Katzensprung. Dafür muss man aber natürlich das berühmt-berüchtigte „Jeder-kennt-jeden-Gefühl“ mögen. Und dafür sorgen, dass Haus und Garten zumindest einen manierlichen Eindruck machen oder die pubertierenden Kinder nicht zu laut werden. Der Bär steppt in Berlin sicher anderswo. Doch alle, die ganz bewusst die Entscheidung für den Stadtrand treffen, finden in Düppel tatsächlich ein kleines Paradies. Für uns geht es jetzt – mit einem kleinen Abstecher ins Hundeauslaufgebiet Düppel, wo Redaktionshund Dando stets noch den ein oder anderen Spielgefährten findet -zurück zum Ausgangspunkt unseres Spaziergangs. Mit im Gepäck: der Eindruck, den Nachmittag irgendwie in einem Ikea-Dorf verbracht zu haben.

Willkommen in Bullerbü!, Am Rohrgarten, 14163 Berlin
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