Unterwegs am Stadtrand

Mit der Ost-Tram nach Woltersdorf

Mit der Ost-Tram nach Woltersdorf
Woltersdorf hat eine eigene Straßenbahn. Von Berlin-Rahnsdorf aus fährt das historische Gefährt als Linie 87 in die Brandenburger Gemeinde.
Die Gemeinde zwischen dem östlichsten Zipfel Berlins und dem Autobahnring, früher ein gefragter Filmdrehort, ist noch heute ein angenehmes Naherholungsziel mit mehreren Seen, Restaurants und einer Schleusenbrücke. Hin kommt man unter anderem mit einer Straßenbahn aus DDR-Zeiten.

Das Urlaubsgefühl beginnt bereits am Bahnhof Rahnsdorf. Gerade bin ich der S-Bahn aus der Innenstadt entstiegen – nun wartet hier ein wahrhaft historisches Gefährt: Auf der Tramlinie 87 nach Woltersdorf verkehren rund 60 Jahre alte Bahnen, in der Regel bestehend aus einem Wagen. Die Türen sind noch mit Holz verkleidet und wenn sie sich schließen ertönt ein schrilles Klingeln. Zunächst geht es mit der Tram fünf Minuten durch Laub- und Kiefernwald, dann ist der Rand der Brandenburger Gemeinde Woltersdorf erreicht.

Knapp 8000 Einwohner hat der Ort im berühmten Speckgürtel der Hauptstadt inzwischen; seit Mitte der 1990er Jahre ist die Bevölkerung um rund 60 Prozent gewachsen. Der flächenmäßig größere Teil von Woltersdorf kommt eher unspektakulär daher: Viele sanierte sowie neue Ein- und Zweifamilienhäuser sind zu sehen. Manche stehen an Straßen, die weder gepflastert noch geteert sind.

Idyllisch wird es im Osten der Gemeinde. Dort liegen Kalk- und Flakensee sowie versteckt dazwischen noch ein dritter, der Bauersee. Bis zur Schleuse zwischen den beiden erstgenannten Gewässern fährt die Linie 87. Und hier gibt es auch gleich einiges zu sehen: An der Schleusenstraße stehen noch mehrere ältere Häuser, darunter die noch unsanierte Alte Stiefelfabrik. Sogar auf einen Vinyl-Plattenladen stoße ich – allerdings ist die „Spielerei„, ein ehemaliges Spielwarengeschäft, nur samstags und sonntags geöffnet. Von der nahen Schleusenbrücke aus hat man einen tollen Blick auf die beiden Seen und die durchzuschleusenden Schiffe.

Fast allein am See

Rund um die Schleuse gruppieren sich mehrere Restaurants; auch Ferienwohnungen sind zu vermieten und gebaut wird ebenfalls. Kein Wunder, hier am Wasser sitzt und flaniert es sich eben sehr schön. An diesem normalen Dienstagnachmittag und unter wolkigem Himmel sind allerdings nur wenige Besucher zu sehen; die Terrassen und Biergärten sind leer. In der Schleusenwirtschaft genehmige ich mir eine Käse-Baiser-Schnitte (empfehlenswert) und einen Eiskaffee (weniger gelungen).

Die Kellnerin dort rät mir, den Aussichtsturm auf dem nahen Kranichsberg lieber während der Öffnungszeiten zu besuchen. Nicht nur der Ausstellung über die Filmvergangenheit Woltersdorfs wegen – man habe von dort oben schlichtweg keine Aussicht, wenn der Turm geschlossen sei, denn man stehe im Wald. So mache ich mich auf den Weg die Kalkseestraße entlang. Ans Wasser kommt man hier aufgrund der vielen Seegrundstücke kaum. In einem kleinen Bogen geht es schließlich weiter in die Ortsmitte mit der sehenswerten St.-Michaels-Kirche und dem angrenzenden Kulturhaus Alte Schule. Nur ein paar Meter entfernt liegen auch das Rathaus und der Thälmannplatz mit dem sowjetischen Ehrenfriedhof.

Wer sich nun für den Nachhauseweg ein schnelleres Fortbewegungsmittel wünscht, dem sei die kurze Busfahrt nach Erkner ans Herz gelegt. Dort kann man bequem in den Regionalexpress steigen.

Schleusenwirtschaft, An der Schleuse 2b, 15569 Woltersdorf
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