Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Alles begann auf der Kastanienallee

Alles begann auf der Kastanienallee
Katharina Nesytowa fing beim Theater an und spielt nun vor allem in Film und Fernsehen. Für "Im Angesicht des Verbrechens" gab es zusammen mit dem Ensemble 2010 sogar den Preis in der Kategorie Beste Leistung Fiktion. Zur Foto-Galerie
Oderberger Kiez – Für die Dreharbeiten zur Serie "In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte" pendelt Katharina Nesytowa derzeit regelmäßig nach Erfurt. Zuhause fühlt sie sich aber in Moskau – und Berlin. QIEZ hat sie zu einem Kiezspaziergang getroffen.

Vielbeschäftigt, diese Schauspieler. Zum Termin kommt Katharina Nesytowa mit Hündin Preta – und telefoniert. Es geht wohl um irgendwelche Vertragsverhandlungen, Kilometergeld wäre schon gut. Verständlich, denn Nesytowa reist für ihre Projekte quer durch Deutschland, dreht in Halle („Zorn – Wie sie töten“), Köln („Helen Dorn – Die falsche Zeugin“) oder Hamburg („Stralsund“). Das Telefongespräch ist aber schnell auf später verlegt, es bleibt die einzige Störung für die nächsten zwei Stunden. Und dann geht es schon los mit dem Rundgang durch den Kiez.

Die erste Station ist auch Nesytowas erster Berührungspunkt mit der Gegend: „Hier hat alles angefangen“, sagt sie über das libanesische Restaurant „Babel“ in der Kastanienallee. Mit 18 wohnte sie in Pankow („viel zu langweilig“) und sollte im „Babel“ für ein kleines Filmteam Falafel holen. „Die Haltestelle der U2 Eberswalder Straße war mein Tor zur Welt. Hier fing das Leben an, wie ich es mir vorstellte.“ Alles sei aufregend gewesen, Filmteam, Szenekiez. Sie findet es witzig, dass sie sechs Jahre später nach Zwischenstationen in Mitte und Hannover genau dort gelandet sei.

Katharina Nesytowa vor dem Restaurant "Babel". Hier lernte sie in ihrer Jugend ihren Kiez lieben.

Zuhause in Moskau und Berlin

Nesytowa wurde 1985 in Pankow geboren. Als sie wenige Monate alt war, zog ihre Mutter, selbst Russin, mit ihr nach Moskau. Obwohl sie dort nur etwa fünf Jahre blieb, hat sie die Zeit nachhaltig geprägt. Die 30-Jährige würde nie auf die Idee kommen, sich als „Deutsche“ zu bezeichnen: „Mein bewusstes Leben hat in Moskau angefangen, Russisch war meine erste Muttersprache. Ich fühle mich als Russin.“ Gleichzeitig könne sie aber auch ohne Probleme sagen: Ich bin Berlinerin. „Meine Heimat sind Moskau und Berlin.“ Denn hier verbrachte sie ihre Jugend, entwickelte die Liebe zum Schauspiel, hier wohnt sie – und kauft um die Ecke ein.

So wie im „fein und ripp“, einem ihrer Lieblingsgeschäfte. Der Laden führt viele Textilien, die schon mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel haben (oft aber noch ungetragen sind), teilweise stammen sie aus den 20er Jahren. Einige der Teile sind schwedische Staatsreserve und wurden in den 30er Jahren in Gefängnissen gefertigt. Für Nesytowa ist das „fein und ripp“ vor allem ein Ort zum Entdecken.

„Man kann sich entwickeln“

Die Schauspielerin kauft schnell eine Geburtstagskarte. Preta muss solange warten.
Für sich entdeckt hat sie einen ganz anderen Ort: In der Oderberger Straße wird im Moment das alte Stadtbad saniert und soll im Frühjahr eröffnen. „Ich war hier zu einem Tag der offenen Tür. Seitdem will ich dort drinnen schwimmen.“ Die Frage ist nur, ob sie auch dazu kommen wird. Denn im Moment ist sie viel unterwegs, vor allem für die ARD-Serie „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“, die in Erfurt gedreht wird. Da bleibt nicht viel Zeit für anderes.

Dennoch will sie diese Erfahrung nicht missen. Sie spielt das erste Mal eine Serienrolle für eine längere Zeit. „Das ist ein neues, ein schönes Gefühl, über einen längeren Zeitraum Teil eines Ensembles zu sein. Man kann sich und auch die Rolle entwickeln. Man wird darin souveräner und hat Raum, sich den Feinheiten zu widmen, was ich sehr gern tue.“ Die Serie habe sich auch toll entwickelt, wird jede Woche von Millionen Zuschauern gesehen. Dadurch würden sich neue Handlungen ergeben, die auch mal abseits der Klinik spielen. „Ich finde es großartig, wenn der Zuschauer überrascht wird, indem plötzlich Züge einer Figur ans Licht kommen, die völlig unerwartet sind. Das macht es lebendig.“

Kleiner Kiez, aber alles da

Nesytowa kreist ihren Kiez sicher, aber sehr eng ein: Im Norden eingegrenzt vom Mauerpark und der Eberswalder Straße, im Osten die Schönhauser Allee und im Süden und Westen die Schwedter Straße. In diesem Kosmos finde sie alles, was sie brauche, sogar ihren Lieblingsfranzosen, „Les Valseuses“. Schwieriger wird es, als sie ihren Kiez beschreiben soll. Lange 15 Sekunden Pause, dann sammelt sie erst einmal Adjektive: entspannt, gemütlich, gleichzeitig quirlig. „Und irgendwie fühle ich mich hier immer wieder so, als wären diese Straßen mein verlängerter Balkon. Das wird jetzt schnulzig, wenn ich es sage, aber hier kann ich einfach so schön atmen. Kiez ist für mich da, wo Zuhause anfängt, wenn man aus der Bahn steigt.“

Der Spaziergang endet im Café Engelberg in der Oderberger Straße. Das kann Nesytowa ebenso sehr empfehlen wie das Café Morgenrot. Und direkt gegenüber vom Engelberg liegen zwei ihrer liebsten Vintage- und Secondhand-Shops, das „Très Chic“ und das „Fräulein Loretta“. Um auch einen Blick über den Kiez hinauszuwagen, empfiehlt die Schauspielerin noch den Hamburger Bahnhof, Clärchens Ballhaus und die Gedenkstätte Berliner Mauer am Nordbahnhof.

Bleibt nur noch zu fragen, ob Katharina Nesytowa ihr Leben lang in Berlin bleiben wird? Sicher ist sie sich nicht, aber: „Ich könnt’s mir schon ziemlich gut vorstellen. Berlin ist der Ort, wo ich das Gefühl habe, alles und von allem etwas zu haben.“

Katharina Nesytowa ist immer donnerstags um 18.50 im Ersten zu sehen. Dort läuft momentan die zweite Staffel von „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“.

Foto Galerie

Engelberg, Oderberger Straße 21, 10435 Berlin

Telefon 030 44030637

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