Unterwegs im Kiez

Shopping-Mekka Schloßstraße

Shopping-Mekka Schloßstraße
Im Winter nicht ganz so schön: Die Schloßstraße in Berlin-Steglitz.
Steglitz - Jetzt ist es amtlich: Laut infratest dimap ist die Schloßstraße Berlins beliebteste Einkaufsmeile. Hier stehen gleich vier Shoppingcenter quasi direkt nebeneinander und zwischendrin gibt es keine Ladenfläche, die nicht mit weiteren Einzelhändlern oder (Schnell-)Restaurants gefüllt ist. Wir haben einen kleinen Spaziergang über die Schloßstraße unternommen.

Die Strecke zwischen dem Walther-Schreiber-Platz und dem Rathaus Steglitz kann eigentlich in zehn Minuten abgelaufen werden – oder aber in einigen Stunden, wenn der Versuchung und den lockenden Angeboten aus all den Schaufenstern nachgegeben wird. Nicht erst seit Primark 2012 ins Schloss-Straßen-Center gezogen ist, zieht die Einkaufsmeile massenweise Shopping-Wütige an. Auch ohne die irische Modekette ist hier auf insgesamt 200.000 Quadratmetern Verkaufsfläche – die Schloßstraße ist damit tatsächlich der größte Einzelhandelsstandort Berlins – so einiges los.

Ein demografischer Querschnitt

Über die Gehwege schlendern und hetzen ganz unterschiedliche Menschen. Es scheint ein guter Ort zu sein, um sich die vielfältige Berliner Bevölkerung vor Augen zu führen. An den Autos, die vorbeifahren, merkt man, dass Steglitz ein vergleichsweise wohlhabender Bezirk ist – ein Porsche reißt hier niemanden vom Hocker. Die Fußgänger auf der Schloßstraße gehören allerdings nicht alle der „upper class“ an. Viele steigen nur um, warten auf den Bus oder kommen aus anderen Bezirken, um sich bei Primark einzukleiden. Auf den Gehwegen kreuzen Teenager-Horden vorbeiflanierende Senioren, die einen unterhalten sich auf dem Weg ins Fitnessstudio über die letzten Streitereien in ihrer Clique und andere müssen nur mal eben zur Post. Touristen gibt es für so eine belebte Straße dagegen vergleichsweise wenige – schließlich stehen in der Gegend auch nicht die bekanntesten Sehenswürdigkeiten.

Eine zumindest berlinweite Berühmtheit ist wohl der Bierpinsel. Um dieses futuristische Zeugnis der Nachkriegsmoderne, entworfen von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte, gab es schon einige Kontroversen und Streits. Zuerst plante die Schlossturm GmbH, den kugeligen Turm silberfarben zu streichen – was auf strikte Ablehnung unter den Bierpinsel-Patrioten stieß. Dann erstrahlte er doch wieder in traditionellem Rot, nur um vor kurz darauf im Auftrag der Eigentümer mit buntem Graffiti verziert zu werden. Das wiederum gefällt der verwitweten Architektin Schüler-Witte nicht, die jegliche Umgestaltung missbilligt und ihr Urheberrecht geltend machen möchte. Bis jetzt ist der Turm jedoch so schön bunt geblieben.

Das Steglitzer Schloss, welches heute als Wrangel-Schlösschen oder Gutshaus Steglitz bekannt ist und sich am südlichen Ende der Meile befindet, ist übrigens Taufpate der Straße. Eine einheitliche Schreibweise für „Schloss/ßstraße“ gibt es allerdings nicht. An den Verkehrsschildern steht ein „ß“ in der Mitte und am U-Bahnhof liest man zwei „s“. So oder so, richtig königlich sieht es hier nicht aus. Die meist grauen oder beigen Fassaden sind mit bunten Markennamen und Werbeplakaten überfüllt, dank S- und U-Bahn, Bussen und Autos ist es hier entsprechend laut. Vielleicht erblüht die Schloßstraße ja auch erst im Sommer zu voller Schönheit – wenn die Bäume grünen und die Sonne scheint sieht schließlich alles ganz anders aus.

Schloss-Strassen-Center / SSC Einkaufszentrum, Walther-Schreiber-Platz 1, 12161 Berlin

Telefon 030 88622950

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