Unterwegs im Kiez

Lost in Tempelhof

Lost in Tempelhof
Blick auf den Klarensee im Alten Park Tempelhof. Zur Foto-Galerie
Alt-Tempelhof - Klar, das Tempelhofer Feld ist spektakulär. Aber auch etwas weiter südlich hat der Bezirk eine grüne Kiez-Perle zu bieten. Über den verträumten Grünzug zwischen Manteuffelstraße und Tempelhofer Damm freuen sich bisher vor allem Anwohner. Doch auch für Außenstehende lohnt sich ein Besuch. Dabei gilt: bloß nicht melancholisch werden!

Was für ein schöner Kiez! Das ist der erste Eindruck, wenn man zwischen dem stark befahrenen Autobahn- und IKEA-Zubringer Alt-Tempelhof und dem lauten Tempelhofer Damm in die Straßen rund um Bosepark, Lehnepark und Alter Park eintaucht. Hübsche Altbauten glänzen mit kleinen Giebeln und urigen Vorgärten, versteckte Cafés laden zur Einkehr, die Straßen sind schmal und wenig befahren. So beschaulich hätte man es ein paar Meter vom Rathaus Tempelhof entfernt gar nicht erwartet.

Uns interessieren an diesem Sommernachmittag vor allem die drei Parks, die das Zentrum des Kiezes bilden und sich jenseits des Tempelhofer Damms mit dem Franckepark zu einem schönen Grünzug verbinden. Der Titel „Grüne Lunge“ ist in Tempelhof zwar schon an das ehemalige Flughafenfeld vergeben – ein paar schöne und erholsame Stunden kann man jedoch auch hier zubringen.

Spazieren zwischen Grabsteinen

Grabmale im Bosepark. (c) Trieba
Wir starten unsere kleine Tour im Bosepark und stoßen längs der Stolbergstraße auf eine erste Besonderheit: Hier bilden alte Grabmale aus der Zeit um 1900 die Parkbegrenzung. Wer etwas Zeit mitbringt, sollte die verwitterten Inschriften entziffern und die düster-romantische Stimmung genießen, die im Verlauf des folgenden Spaziergangs immer mal wieder aufkommt. Am Wilhelmsteich beispielsweise, wo man zwischen Trauerweiden, knorrigen Bäumen und sumpfigen Wiesen plötzlich mutterseelenallein ist, oder rund um die verwunschene Dorfkirche Tempelhof, deren denkmalgeschützer Kirchhof definitiv einen Besuch lohnt.

Hier entdeckt man unter anderem das trotz fortschreitender Verwitterung noch immer imposante Wandgrab der Familie Berlinicke aus dem 19. Jahrhundert, einen Gedenkstein aus dem Jahr 1828 (das Original ist im Museum Tempelhof zu finden) oder das Mahnmal für die 47 Berliner und Brandenburger Opfer des Tsunamis 2004.

Eine Oase für den Kiez

Grabmal der Familie Berlinicke. (c) Trieba
Natürlich geht es in den drei Parks zum Teil auch etwas lebendiger zu. Rund um die Jugendfreizeiteinrichtung Boseclub zum Beispiel, auf einigen Liegeflächen oder am Wasserfall des Klarensees im Alten Park. Hier, in nächster Nähe zum Tempelhofer Damm, ist es etwas belebter als in den beiden verträumten Nachbarparks. Gepflegte Blumenrabatten, die Edelstahl-Skulptur „Stauchung- harmonisch“ von Karl Menzen, eine kleine Brücke übers Wasser und vereinzelte Jogger lassen die Stadt plötzlich nicht mehr ganz so weit weg erscheinen.

Wer seinen Spaziergang fortsetzen möchte, kann dies jenseits des Tempelhofer Damms im Franckepark tun. Auch hier trifft man nur ganz vereinzelt auf Sonnenanbeter und Spaziergänger – und mit etwas Glück erhascht man sogar einen Blick auf das scheue Damwild, das hier hinter dem Rathaus Tempelhof beheimatet ist.

Foto Galerie

Dorfkirche Tempelhof, Reinhardtplatz, 12103 Berlin
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