Verkehr in Mitte

Die Friedrichstraße ist ab Juni sechs Monate autofrei

Menschen auf der Friedrichstraße
Die Friedrichstraße bei der Aktion "Friedrich, the Flâneur" im Oktober: Keine Autos, dafür viel Platz zum Flanieren.
Um Berlin mehr Lebensqualität und saubere Luft zu verschaffen, wird die Friedrichstraße noch in diesem Jahr sechs Monate für Autos gesperrt. Alle Fakten und welchen Sinn die radikale Maßnahme haben soll, haben wir zusammengefasst.

Jetzt ist es amtlich: Die Friedrichstraße wird von Anfang Juni bis Ende November 2020 für den Autoverkehr gesperrt! Der autofreie Abschnitt der Ladenstraße wird sich dann von der Leipziger bis zur Französischen Straße erstrecken, zusätzlich sei ein verkehrsberuhigter Bereich am Checkpoint Charlie geplant, teilte die Berliner Senatsverwaltung mit.

Diesen Nutzen soll die autofreie Friedrichstraße haben

Das Experiment soll zeigen, welche Auswirkungen eine Teilsperrung der Friedrichstraße auf den täglichen Berliner Verkehr an der Stelle hat und ob die Ladenstraße ohne Autos vielleicht sogar anders von den Berliner*innen und Touris genutzt werden würde. Denn die Senatsverwaltung hofft, durch die Maßnahme „die Aufenthalts- und Lebensqualität für Berlinerinnen und Berliner sowie für Touristen zu erhöhen, die Attraktivität der Innenstadt an dieser zentralen Stelle zu steigern und damit auch Gewerbe und Einzelhandel zu stärken.“ Zusätzlich werde durch die Verkehrsberuhigung der Checkpoint Charlie als zentraler Ort der Berliner Geschichte besser erlebbar.

Die Idee ist nicht neu. Schon im vergangenen Dezember hatte Verkehrs-Staatssekretär Ingmar Streese angekündigt, dass die Friedrichstraße im Jahr 2020 versuchsweise für den Autoverkehr gesperrt werden solle. Damals war noch von einer dreimonatigen Testphase, von Juni bis September, die Rede. Als voraussichtlicher Starttermin wurde zu diesem Zeitpunkt die Fête de la Musique am 21. Juni 2020 genannt.

Immer wieder gibt es außerdem Sperrungen der Ladenstraße für Fahrzeuge – zuletzt im vergangenen Oktober. Und bereits 2018 hatte die Initiative Stadt für Menschen mit der Aktion #flaniermitte darauf aufmerksam gemacht, dass die Friedrichstraße ohne Autos deutlich mehr Lebensqualität aufweisen würde. Dazu wurde die Geschäftsstraße am dritten Adventssonntag für zwei Stunden gesperrt.

Bisher gilt der Straßenverkehr auf der Friedrichstraße als problematisch, weil diese einfach nicht genügend Platz für alle Verkehrsteilnehmer*innen bietet. Für Radfahrer*innen sind manche Abschnitte der Straße ernsthaft gefährlich, weil es keine Fahrradwege gibt. Dies führt dazu, dass viele auf den Gehweg ausweichen, was wiederum den Unmut der Fußgänger*innen zur Folge hat. Aber auch fehlende Grünflächen und stickige Luft machen den Aufenthalt an einem der Hauptverkehrsknotenpunkte der Stadt nicht gerade zu einem angenehmen Erlebnis. Die Luft ist durch Abgase so stark verschmutzt, dass in dem Abschnitt zwischen Dorotheenstraße und Unter den Linden ein Durchfahrtsverbot für ältere Dieselwagen gilt.

Klar, für Autofahrer*innen bedeutet diese Sperrung große Umwege und Zeitverlust. Vielleicht motiviert es allerding auch einige dazu, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen – auch dem Klima zuliebe. Neben Umweltschutz zielt das Fahrzeugverbot auch darauf ab, mehr Bewegungsfreiheit für Fußgänger*innen zu schaffen und den lokalen Einzelhandel anzukurbeln. Die Absichten sind klar formuliert. Bleibt zu hoffen, dass die Umsetzung zum gewünschten Erfolg führt.

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