Verkehrsexperiment: drei Monate autofreie Friedrichstraße

Verkehrsexperiment: drei Monate autofreie Friedrichstraße
Die Friedrichstraße bei der Aktion "Friedrich, the Flâneur" im Oktober: Keine Autos, dafür viel Platz zum Flanieren.
Um Berlin mehr Lebensqualität und saubere Luft zu verschaffen, wird die Friedrichstraße drei Monate für Autos gesperrt. Das Verkehrsexperiment soll im nächsten Sommer starten. Welchen Sinn die radikale Maßnahme haben soll, haben wir zusammengefasst.

Der Verein Changing Cities, der sich für mehr Qualität des Lebensraums in Großstädten einsetzt, hat am vergangenen Freitag zur öffentlichen Diskussion Dann geh doch – Mitte autofrei eingeladen. Im Rahmen der Veranstaltung kündigte Verkehrs-Staatssekretär Ingmar Streese an, dass die Friedrichstraße im Jahr 2020 für drei Monate, von Juni bis September, versuchsweise für den Autoverkehr gesperrt wird. Starten soll der Verkehrsversuch voraussichtlich mit der Fête de la Musique am 21. Juni.

Die Idee ist nicht neu. Immer wieder gibt es Sperrungen der Ladenstraße für Fahrzeuge – zuletzt im vergangen Oktober. Und bereits 2018 hatte die Initiative Stadt für Menschen mit der Aktion #flaniermitte darauf aufmerksam gemacht, dass die Friedrichstraße ohne Autos deutlich mehr Lebensqualität aufweisen würde. Dazu wurde die Geschäftsstraße am dritten Adventssonntag für zwei Stunden gesperrt. Aber was ist so problematisch am Verkehr auf der Friedrichstraße?

 

Den Schrei nach Veränderung gibt es schon lange, denn die Straße bietet einfach nicht genügend Platz für alle Verkehrsteilnehmer*innen. Für Radfahrer*innen sind manche Abschnitte der Straße ernsthaft gefährlich, weil es keine Fahrradwege gibt. Dies führt dazu, dass viele auf den Bordstein ausweichen, was wiederum den Unmut der Fußgänger*innen zur Folge hat. Aber auch fehlende Grünflächen und stickige Luft machen den Aufenthalt an einem der Hauptverkehrsknotenpunkte der Stadt nicht gerade zu einem angenehmen Erlebnis. Die Luft ist durch Abgase so stark verschmutzt, dass in dem Abschnitt zwischen Dorotheenstraße und Unter den Linden ein Durchfahrtsverbot für ältere Dieselwagen gilt.

Klar, für Autofahrer*innen bedeutet diese Sperrung große Umwege und Zeitverlust. Vielleicht motiviert es allerding auch einige dazu, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen – auch dem Klima zuliebe. Neben Umweltschutz zielt das Fahrzeugverbot auch darauf ab, mehr Bewegungsfreiheit für Fußgänger*innen zu schaffen und den lokalen Einzelhandel anzukurbeln. Die Absichten sind klar formuliert. Bleibt zu hoffen, dass die Umsetzung zum gewünschten Erfolg führt.

Weitere Artikel zum Thema

Wohnen + Leben
Los geht’s: Rettet die Fußgänger!
Neue Radwege, breitere Straßen – aber was wird aus den vernachlässigten Gehwegnutzern? Fußgänger sollten auf […]