Stadtentwicklung

Hier planschst du bald neben antiker Kunst in der Spree

Hier planschst du bald neben antiker Kunst in der Spree
Beim Flussbad Pokal in der Spree im Juli kannst du schon mal probeschwimmen.
Ein heißer Tag in Mitte – und du springst mal eben zur Abkühlung in die Spree? Was im ersten Moment absurd klingt, könnte bald Alltag werden. Das Projekt Flussbad Berlin arbeitet mit vielen Unterstützern an der Umsetzung dieser Vision.

„Baden in der Spree? Ihhhh!“, war die erste Reaktion bei uns in der Redaktion auf diesen Vorschlag. Doch die Spree ist an den meisten Tagen sogar ziemlich sauber. Um die Wasserqualität konstant so hoch zu halten, dass du im Spreekanal baden kannst, startet kommende Woche das Filterschiff Hans Wilhelm seine Arbeit: Auf dem 42 Meter langen Kahn sind eine Filteranlage und ein Wasserbecken eingebaut, um die Spree auf natürliche Art zu reinigen. Das Spreewasser weist zwar trotz Filterung einen hohen Sulfatgehalt auf, solange es aber nicht in großen Mengen getrunken wird, ist das völlig problemlos.

„In manchem Mineralwasser ist mehr Sulfat enthalten als in der Spree“, sagt Professor Heiko Sieker, Bauingenieur für Urbane Hydrologie an der TU Berlin. Das Flussbad Projekt ist in drei Teile aufgeteilt: Zur Filterung des über 800 Meter langen Flussbads zwischen Bode-Museum und Lustgarten dient zusätzlich zum Filterkahn ein vorgelagerter, 400 Meter langer, ökologischer Pflanzenfilter. Der Anfang der Spreeabzweigung wird zu einem flachen, renaturierten Flusslauf umgewandelt, der den ökologischen Zustand des Gewässers verbessern soll. Denkmalschützer kritisieren derzeit noch einige Punkte am Projekt: So würde ein Abriss der Ufermauer von Schinkel am Lustgarten den Unesco-Welterbestatus der Museumsinsel gefährden und das Schilf-Filterbecken an der Jungfernbrücke würde die Spiegelung der ältesten Brücke Berlins, ein beliebtes Fotomotiv, zerstören.

Dekadent und ein bisschen schmutzig

Wer hinsichtlich der Sauberkeit des Flussbads noch immer skeptisch ist, kann sich selbst davon überzeugen, dass Spreeplanschen seinen Reiz hat. Bereits zum dritten Mal findet dieses Jahr am 02. Juli der Flussbad Pokal statt. Neugierige und Wasserratten dürfen an diesem Tag die Strecke austesten und entlang alter Statuen und historischer Gebäude durch Berlin Mitte schwimmen. Letztes Jahr waren immerhin 207 Teilnehmer bei angenehmen 21 Grad Wassertemperatur am Start. Als besonderes Berliner Erlebnis, „dekadent und ein bisschen schmutzig“, beschreibt die Journalistin Sally McCrane ihre Erfahrungen.

Ende 2018 wird entschieden, ob das Projekt offiziell genehmigt wird. Bisher wurde es von Spenden und Förderung vom Bund und Land Berlin getragen. Das Flussbad Berlin will „die Ufer der Spree und den Spreekanal selbst zu einem neuen Ort der Begegnung für die Stadtbewohner und ihn als gesäuberte Lebensader im Zentrum Berlins für alle zugänglich machen“, wie es auf der Website heißt. Da das Bad vermutlich erst im Jahr 2025 und damit genau 100 Jahre nach der Schliessung des letzten innerstädtischen Flussbads in Berlin, öffnen wird, lohnt es sich, die Chance zum Probeschwimmen zu nutzen.

Ab dem 10. Juni gibt es im Garten der European School of Management and Technology (ESMT) eine mehrmonatige Freiluftausstellung über alle Facetten des Flussbad-Projekts zu sehen. Weitere Infos zu allen Events, zum Beispiel zum Flussbad-Stammtisch findest du auf der Website.

Bode-Museum, Am Kupfergraben, 10117 Berlin

Telefon 030 266424242
Fax 030 266422290

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Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr
Montag geschlossen

Bode-Museum

Das Bode-Museum auf der Museumsinsel ist im Neobarock-Stil.1904 wurde das Gebäude fertiggestellt.

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