Berliner City West

Stadtplätze, die kaum begeistern

Stadtplätze, die kaum begeistern
Rund um den Ku'damm tut sich derzeit eine Menge.
In der westlichen Innenstadt werden immer mehr Plätze umgestaltet. Aber viele Bürger sehen die Planungen ganz anders als die Behörden. Es gibt Streit um karge Gestaltungen, bedrohte Bäume, den Autoverkehr und die Beteiligung der Anwohner.

Manche Plätze rund um den Kurfürstendamm sind schon neu gestaltet, weitere sollen folgen – doch ob es sich wirklich um Aufwertungen handelt, bleibt umstritten. Aktuell lebt vor allem die jahrelange Auseinandersetzung um die Zukunft des Olivaer Platzes in Wilmersdorf wieder auf: Am Mittwochabend beschäftigte sich der Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf mit mehr als 800 Einwendungen, die Bürger im Bebauungsplanverfahren schriftlich eingereicht hatten.       

Zu den Kritikern gehören Anwohner, Händler, die AG City, die IHK und die CDU. Am Mittwoch startete die Webseite www.olivaer-platz-retten.de. Dahinter stehen der Bundestagsabgeordnete und Ex-Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler sowie Stefan Evers, Stadtentwickungsexperte der Berliner CDU-Fraktion.

Für einen Einwohnerantrag an die BVV wollen die Umbaugegner 1000 Unterschriften sammeln. Ihr Hauptanliegen ist es, die 123 Parkplätze zu erhalten, da Autofahrer schon jetzt große Probleme hätten, ihren Wagen im Kiez am Ku’damm abzustellen. Dagegen beschloss die rot-grüne Mehrheit im Bezirk schon vor zwei Jahren, alle Stellplätze zu entfernen, um die Grünanlage zu vergrößern.

Möglichst viele Bäume sollen bleiben

An der Sitzung des Ausschusses nahmen mehr als 50 Anwohner teil. Viele forderten, Baumfällungen in dem bisherigen „Biotop“ möglichst zu vermeiden. „Wir müssen noch mal über den Baumbestand reden“, stimmte Baustadtrat Marc Schulte (SPD) zu, so sahen es auch die Fraktionen der SPD und der Grünen. Bisher ist geplant, 70 der 148 Bäume in der Grünanlage zu fällen und dafür 85 neue zu pflanzen. Naturgemäß würde es aber lange dauern, bis diese so hoch wie die alten Bäume werden. Beim Streit ums Parken gab es keine Annäherung.

Anwohner forderten eine Bürgerbefragung, die bisherige Beteiligung reiche nicht aus. Das sah Baustadtrat Schulte anders, er listete mehr ein halbes Dutzend Bürgerversammlungen und öffentliche Ausschusssitzungen in den vorigen vier Jahren auf. Unter anderem seien die Entwürfe im Amerika-Haus diskutiert und ausgestellt worden.

Anrainer kündigen Klagen an

Der Umbau des Olivaer Platzes nach Plänen des Büros Rehwaldt Landschaftsarchitekten soll 2,5 Millionen Euro kosten. Das Geld stammt aus dem Förderprogramm „Aktive Zentren“ des Berliner Senats und muss bis 2019 ausgegeben sein, sonst verfällt der Anspruch des Bezirks darauf. Deshalb sollen die Arbeiten 2015 oder spätestens 2016 beginnen.

Wann es losgeht, hängt auch von möglichen Gerichtsverfahren ab. Eine Anwaltskanzlei am Olivaer Platz hat angekündigt, gegen den Wegfall der Parkplätze zu klagen. Darüber hinaus hat der Anwohner und ehemalige Berliner Flughafenchef Hans-Henning Romberg viele Argumente gegen die Planungen gesammelt. „Ich scheue mich nicht, als Privatmann zu klagen“, sagte er im Ausschuss.

Das Café am Lehniner Platz lässt auf sich warten

Viele Beschwerden gibt es über den neu gestalteten, aber recht kahl wirkenden Lehniner Platz gegenüber der Schaubühne. Im Sommer 2012 kamen ein Brunnen, eine zusätzliche Baumreihe, Sitzbänke und eine Boulebahn hinzu – nicht aber das angekündigte Café, das den Platz beleben sollte. Das sei aber nicht die Schuld des Bezirks, sagt der Baustadtrat.

Geplant war, dass der Betreiber eines früheren Kiosks das Café baut und betreibt. Der Unternehmer sehe sich dazu aber nicht mehr in der Lage und sei nach Kenntnis des Bezirks pleite, sagt Schulte. Denkbar sei eine Neuausschreibung. Alternativ könnten umliegende Lokale im Sommer Gäste auf dem Platz bewirten.

Viel Kritik hatte es schon nach der Neugestaltung des Mittelstreifens der Tauentzienstraße mit leicht zu pflegenden, aber eintönigen Eibenbeeten gegeben. Tagesspiegel-Leser beschwerten sich außerdem über den ehemaligen Rankeplatz, der seit 2012 Friedrich-Hollaender-Platz heißt. Die neue Gestaltung mit Steinstelen erinnert manche Passanten an einen Friedhof oder das Holocaust-Mahnmal in Mitte. Immerhin gebe es nun einen Brunnen, heißt es dazu vom Bezirk.

Am neuen Urania-Vorplatz fehlt noch was

Vor der Schöneberger Urania wundern sich Passanten unterdessen, warum für 500.000 Euro aus dem Plätzeprogramm des Senats nur eine Asphaltfläche mit eingelassenen goldenen Linien entstanden ist, die als Symbole für die Wissenschaft gedacht sind. Der Tempelhof-Schöneberger Baustadtrat Daniel Krüger (CDU) weist darauf hin, dass der neue Urania-Vorplatz noch nicht fertig sei, auch wenn er Anfang September feierlich eröffnet wurde. Laut Krüger kommen bald noch vier Bäume und zwei Sitzbänke hinzu.       

Urania-Geschäftsführer Ulrich Bleyer lobt die Neugestaltung, weil man den Platz nun mit Sonderveranstaltungen „bespielen“ könne. Zwischen den früheren kleinen Beeten sei das kaum möglich gewesen.


Quelle: Der Tagesspiegel

Schaubühne am Lehniner Platz, Kurfürstendamm 153, 10709 Berlin
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