• Freitag, 18. Oktober 2013

Berlins einzige schottische Bar

Nur das Ungeheuer fehlt

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    Mirius und seine Frau hinterm Tresen. Die Pint-Gläser wären fast nicht durch das bürokratische Netz an Ausschankge- und verboten gekommen. Foto: Tagesspiegel - ©Thilo Rückeis TSP

Whisky und Haggis: Christian Mirus führt die einzige schottische Bar der Stadt – in Lichterfelde.

Angefangen hat alles mit einer Königin. Noch heute erinnert sich Christian Mirus an den schweren Geschmack der Queen Anne. Das Torfige auf der Zunge. Das kräftige Honig- und Malzaroma. Fast 30 Jahre ist es her, dass er diesen Geschmack zum ersten Mal auf der Zunge gespürt hat: Whisky. Mirus kann nicht anders, als ins Schwärmen zu geraten, wenn er von der goldbraunen Flüssigkeit spricht. Dieser erste Kontakt hat sein Leben verändert, er reiste nach Schottland, lernte die Pubkultur kennen und langsam entwickelte er die Idee, selbst einen Ausschank zu eröffnen.

Liebevoll streicht Christian Mirus über seine dunkelbraune Theke. Vor drei Jahren hat er sich mit seiner Frau Silvia den Wunsch erfüllt und das "Loch Ness“, natürlich musste es so heißen, eröffnet. Ausgerechnet in Lichterfelde. Hier in der Roonstraße 31a, unweit des S-Bahnhofs Botanischer Garten, erinnert so gar nichts an die schottischen Highlands. Einfamilienhäuser, wenig Verkehr, eine Frau mit Kinderwagen biegt um die Ecke. Doch Mirus hat den Standort bewusst gewählt. Der Mittvierziger, hoch gewachsen, etwas rundlich, wie es sich gehört für einen Kneipier, Brille, ist in Kreuzberg aufgewachsen, lebte in Neukölln und heute in Buckow. Steglitz, sagt er, sei genau richtig für so eine Art Pub. Mirus mag die Ruhe, die Beschaulichkeit. Kreuzberg, Neukölln, der ständige Verdrängungskampf, die große Konkurrenz um die Gäste – damit will er nichts zu tun haben.

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Mitte
Gerade jetzt, wo die Tage wieder kürzer werden, es draußen kalt und regnerisch ist, soll es im Loch Ness gemütlich zugehen. Nicht laut, sondern gesellig. Seine Gäste sollen nicht trinken, sondern genießen. Innen ist der Pub dunkelrot gestrichen, in den Ecken laden Clubsessel und Couchen zum Verweilen ein. Im Kaminzimmer darf geraucht werden. "In Schottland ist der Pub das Wohnzimmer der Leute“, erzählt Christian Mirus. "In ihm spielt sich das soziale Leben ab.“

Dallas Dew gibt es nur hier

Christian Mirus konzentriert sich auf das, worauf es ihm ankommt. 650 verschiedene Whiskysorten hat er im Angebot. Selbst das Hyatt, dessen Whisky- Bar zu den größten Deutschlands zählt, führt nur ein Drittel seines Angebots. "Meinen Dallas Dew gibt es nur hier“, sagt ein Gast, der regelmäßig kommt. Mirus beansprucht für sich, die einzige schottische Bar der Stadt zu führen. "Die anderen führen doch nur einzelne Produkte“, sagt Mirus. Bei ihm aber sei alles echt: Nicht nur der Whiskey, auch das Bier, oder besser gesagt das Ale, kommt von der Insel. In der Küche steht ein echter Schotte. Zubereitet werden Fish and Chips – und natürlich das schottische Nationalgericht Haggis.

Doch da geht der Ärger schon los. Haggis darf Mirus bis heute nicht selbst zubereiten. Bei dem Gericht werden Lunge, Herz und Leber fein gehackt und miteinander vermischt. Anschließend werden sie in einen Schafsmagen gepresst, langsam gegart und dann mit Kartoffel- und Rübenpüree serviert. Laut deutschem Herstellungsrecht dürfte Christian Mirus die Innereien zwar einzeln zubereiten und servieren, aber das Kombinieren der drei ist in Deutschland verboten. Verkaufen darf er sie. Mirus bestellt seine Haggis deshalb bei einem schottischen Produzenten, der ihm das Gericht in Dosen liefert. Überrascht sei er gewesen, erzählt Mirus, vom ganzen Hin und Her mit dem deutschen Vertriebs- und Herstellungsrecht. "Am Anfang habe ich mich mehr mit Jura als mit Gastronomie beschäftigt“, sagt er. Mirus hatte sogar Probleme, die Erlaubnis für seinen Ausschank in Pint-Gläsern zu erhalten, da diese nicht der deutschen Norm entsprechen. Mirus schüttelt den Kopf.

Er hat sich durchgekämpft – und wurde belohnt. Vor einigen Monaten kam ein Schotte in sein Pub, bestellte Haggis. "Wie bei meiner Großmutter“, urteilte der. Christian Mirus grinst noch immer breit, wenn er davon erzählt. "Das war schon ein echter Ritterschlag“, sagt er.

Mirus bietet regelmäßig auch Whiskyverkostungen an. mehr Infos gibt es hier.

Loch Ness

Roonstr. 31 A
12203 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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