• Donnerstag, 02. Januar 2014
  • von Jutta Goedicke

Ausflugslokal

Ausspannen im Landhaus Lorentz

  • Landhaus Lorentz
    Foto: externe Quelle - ©Kiezzeitschrift Ferdinandmarkt

Lichterfelde Ost - Unsere Gastautorin Jutta Goedicke ist Herausgeberin des Kiezmagazins Ferdinandmarkt. Sie wohnt in Lankwitz, arbeitet in Lichterfelde Ost und geht der Geschichte ihres Umfelds gerne auf den Grund - diesmal steht das ehemals sehr beliebte Lokal Landhaus Lorentz im Mittelpunkt.

Damals, als das Wort "Ausspannen" noch etwas mit Tieren zu tun hatte, gab es im aufstrebenden Berliner Vorort Groß-Lichterfelde ein vortreffliches Lokal, das es den Reisenden und Bauern aus den umliegenden Dörfern und Gemeinden wie Teltow, Großbeeren und Stahnsdorf erlaubte, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.

30 Jahre war es schon her, dass der Hamburger Bauunternehmer Carstenn am 20.9.1868, den Haltepunkt "Lichterfelde" an der 1841 in Betrieb genommenen Anhalter Bahn eröffnen konnte. Dafür verlangte die Bahngesellschaft den Bau eines Stationsgebäudes zu dessen Lasten, die Pflasterung der Anrainerstraßen, die Versorgung mit Gas und eine Einnahmegarantie von jährlich 600 Talern. Aus diesem Grund ließ Carstenn vorerst einen schlichten Stationsschuppen errichten, der im schlimmsten Fall ohne großen Aufwand zu einer evtl. nützlicheren Scheune umgebaut werden konnte. Mit dem Verkehrsanschluss Lichterfeldes an die Bahnstrecke nach Berlin, die anfangs mit drei Zügen pro Tag verkehrte, erhoffte er sich weitere zahlungskräftige Kunden für seine neu parzellierten Grundstücke westlich der Bahnlinie zu bekommen. Sein Plan ging auf, die Bebauung mit prächtigen Villen ging rasch voran und als 1881 auch noch die Endstation der ersten elektrischen Straßenbahn kam, war der Aufschwung Groß-Lichterfeldes nicht mehr aufzuhalten.

Ein beliebtes Ausflugslokal

Das Landhaus Lorentz, in der damaligen Bismarckstr. 29  (heute Morgensternstraße) lag mit seinem schattigen Biergarten, dem großen Saal für Veranstaltungen und einer ordentlichen Remise für die Pferdefuhrwerke in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Groß-Lichterfelde Ost, von dem aus die Damen das letzte Stück ihres Weges nach Berlin mit der bequemeren Bahn antraten. Die Familienoberhäupter und Kutscher blieben derweil im Landhaus Lorentz zurück, wo sie das eine ums andere Bier tranken und sich die Zeit mit Karten- und Würfelspielen vertrieben. Sicherlich gab es auch eine Kegelbahn, wie es damals üblich war, aber so viel Einzelheiten weiß Frau Bartlau (Jhrg. 1924) aus der Ferdinandstraße leider nicht mehr zu berichten. Wie Frau Bartlau erzählt, war es  ihre Großmutter Margarete, die im Alter von 22 Jahren 1899 aus der engen Innenstadt Berlins nach Lichterfelde kam, um den geschäftstüchtigen Max Lorentz zu heiraten. Ihre Kindheit verbrachte sie in Zilles "Miljöh", dem "Nussbaum" in der Fischerstraße, wo sie vom "Pinselheinrich" hin und wieder Sechser für Süßigkeiten bekam.

Auch als Ausflugslokal für lufthungrige Berliner hatte sich das Landhaus Lorentz einen Namen gemacht. Man trank Berliner Weiße oder das beliebte Patzenhofer Bier, aß Aal grün, Bouletten, Würste oder Soleier. Auf dem mächtigen Tresen wurden in offenen Tönnchen Rollmöpse, marinierte Heringe und Gurken angeboten und unter großen luftabschließenden Glasglocken lagerten appetitliche "Goldstücke" (Kuhkäse) und würziger Limburger. Margarete Lorentz war als vorbildliche Gastwirtin bekannt und stand ihrem Mann eifrig zu Seite. Leider wurde das Landhaus Lorentz vermutlich wegen Erweiterung der Bahnanlagen schon 1904 abgerissen.


Jutta Goedicke ist nicht nur Herausgeberin und Chefredakteurin des Kiezmagazins Ferdinandmarkt, sie ist auch Besitzerin des Spielzeugladens Löwenzahn in Lichterfelde-Ost.

Adresse

Morgensternstraße 29
12207 Berlin

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Quelle: QIEZ / externe Quelle
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