• Samstag, 15. April 2017
  • von Gerlinde Jänicke

Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Im Adria Kino auf Zeitreise durch Berlin

  • Kino in Steglitz: Filmtheater Adria
    276 Plätze im Saal des Kinos Adria geben Kinofreunden Gelegenheit, die Filme im gemütlichen Polstersessel zu verfolgen. Foto: KULTURpur - ©Christian Kourik

Gerlinde Jänicke ist Moderatorin bei Radio 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ.de verrät sie jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und mehr. Diesmal sah sie sich im Kino Adria neben dem Schlosspark Theater einen echten Dauerbrenner an.

Das Geschenk, ein Urberliner zu sein, bedeutet, dass man immer wieder mit seiner eigenen Geschichte konfrontiert wird. Das letzte Mal, als ich im Adria Kino in Steglitz war, habe ich mit meiner Mutter hier Pretty Woman gesehen. Das war 1990 und ich war siebzehn. Dieses Mal, 27 Jahre später, gehe ich mit einem meiner Lieblingskollegen und seiner Bekannten zur Matinee. Was für eine hübsche Tradition – seit 1989 läuft jeden Samstag um 12.30 Uhr die Schwarz-Weiß-Dokumentation Berlin wie es war.

Das Kino ist wie erwartet relativ leer. Der Charme der 50er Jahre ist derselbe wie damals, das Foyer hat sich nicht verändert. Die Sitze sind allerdings heute wesentlich moderner und bequemer als damals. Und es gibt Currywurst im Glas und Flammkuchen, wie schön! Die Currywurst wird von der Curry 36-Hausfleischerei bezogen, die Sauce ist hausgemacht.

Leeres Kino, toller Film

Meine Freunde und ich setzen uns in die gemütlichen Sessel und entspannen. Es ist nett, dass wir das Kino fast für uns haben. Es hat etwas Exklusives. Das ist allerdings auch fast schade. Der Film ist toll! Eine Stadtrundfahrt durch Berlin kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Ich erkenne Vieles, lerne dazu und liebe die Botschaft dieses Films. Wir Berliner waren immer Kämpfer. Haben immer gerne und hart gearbeitet, waren optimistisch und stark. Unsere Urgroßväter haben diese Stadt zu dem gemacht, was sie werden sollte.

Das Traurige: Die Aufführung wurde kurz nach der Fertigstellung von den Nationalsozialisten verboten, weil das Bild der Stadt sich durch die Bombenschäden verändert hatte. So gab es erst 1950 die Uraufführung.

Das Berlin von gestern

Ich möchte nur für einige wenige Sekunden in diesem Film verschwinden. Die Berliner Luft riechen, bevor der 2.Weltkrieg sie mit Asche durchzog. Die Farben sehen, die Menschen beobachten, die Straßen entlangflanieren. Stattdessen trinke ich meine Cola aus und genieße die schönen und beeindruckenden Bilder.

Wer in diesem Sommer nicht nur Lust auf Kino hat, kann sich vor oder nach dem Film draußen in den großen Garten setzen (wir müssen die Autos, die an der vielbefahrenen Schlossstraße vorbeiziehen, für den Moment ausblenden) und ein Eis essen, einen Kaffee trinken oder die hervorragende Currywurst im Glas genießen.

Der Film Berlin wie es war ist sowohl interessant für Berliner, die ihre Stadt kennen und lieben, als auch für Touristen, die begreifen wollen, was die Hauptstadt ausmacht. Berlin ist eine Stadt, die sich immer wieder neu gefunden hat. Schon immer, für immer. Und je besser wir unsere Mutterstadt kennen, desto bewusster wird uns das. Unter anderem mit diesem schönen und beeindruckenden Film.

Adria Filmtheater

Schloßstraße 48
12165 Berlin

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Quelle: QIEZ / externe Quelle
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