• Freitag, 31. Januar 2014
  • von Nikolaus Triantafillou

Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Beate Vera: Abgründe in Lichterfelde Süd

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  • Beate Vera Mauerweg Lichterfelde Süd
    Beate Vera am Tatort, an dem ihre Hauptfigur Lea Storm zwei übel zugerichtete Leichen findet. Nur das Wetter passt nicht zu der im Buch beschriebenen Sommernacht. Foto: QIEZ - ©Triantafillou
  • Beate Vera Mauerweg Lichterfelde Süd
    Der Mauerweg zwischen Lichterfelde und Teltow ist heute eine bei Spaziergängern und Hundehaltern beliebte Strecke - allerdings nicht an diesem verschneiten Januarnachmittag. Foto: QIEZ - ©Triantafillou
  • Beate Vera Mauerweg Lichterfelde Süd
    Die Kirschblütenallee verdanken die Lichterfelder einer großzügigen Kirschbaum-Spende der japanischen Regierung. Foto: QIEZ - ©Triantafillou
  • Beate Vera Mauerweg Lichterfelde Süd
    Blick vom Mauerweg auf verschneite Brandenburger Felder. Foto: QIEZ - ©Triantafillou

Einen "Provinzkrimi", der am südlichen Stadtrand Berlins spielt, hat die in Lichterfelde aufgewachsene und wieder wohnhafte Autorin Beate Vera mit ihrem Debüt vorgelegt. Ein Gespräch über Reihenhäuser, Ruhe und eine Kindheit an der Mauer.

Das Genre der Regionalkrimis hat in den letzten Jahren eine anhaltende Blüte erlebt, aber auch immer wieder Kritiker auf den Plan gerufen. Der vorherrschende Regionalismus ersetze häufig eine durchdachte, anspruchsvolle Handlung, wirft man den Verfassern vor. Auch Beate Vera fand erst durch ein besonders schwaches Exemplar dieser Gattung zu dem Entschluss, ihre lang gehegte Idee von einem eigenen Krimi in die Tat umzusetzen.

Ihr Erstling "Wo der Hund begraben liegt" wird auf dem Cover als "Provinzkrimi" bezeichnet. Schauplatz ist Lichterfelde Süd, das zwar im äußersten Süden der Hauptstadt liegt, aber doch noch dazu gehört. Ein Widerspruch? Vera beschreibt eine sehr ruhige Siedlung mit vergleichsweise intakten nachbarschaftlichen Beziehungen. Ihre Protagonistin Lea Storm wohnt nur wenige Meter vom Mauerweg entfernt im "Eifelviertel". Dessen Name und Straßen gehören zu den wenigen fiktiven Ortsbezeichnungen im Buch – die Entsprechung in der Realität ist die Neue Heimat-Siedlung an der Stadtgrenze zwischen Teltowkanal und S-Bahntrasse.

Im Grenzschatten

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"Das ist der Siedlung, in der ich lebe, schon sehr ähnlich", bestätigt Vera. Dort ist sie groß geworden und seit 2007 wieder wohnhaft. "Als Kind habe ich die Gegend geliebt, als Teenager gehasst, weil nichts los war in der Ecke", erzählt die Autorin. Es war zunächst ein Leben im Schatten der Mauer, die Grenze nicht weit entfernt. Als befremdlich oder beklemmend empfand Vera ihre Kindheit deshalb nicht – obwohl sie sogar einen Fluchtversuch mitbekommen hat und Schlimmeres: "Es gab mal eine Situation, da ging ein Querschläger in eine der Garagen."

Die Siedlung ist geprägt von nach heutigem Maßstab kleinen Reihenhäusern. Wie ihre Heldin Lea wohnt auch Vera in einem solchen - mit Mann und Sohn. "Wir haben eine Zeile erwischt, in der wir uns wirklich gut verstehen", sagt sie. Es ist eine von vielen offensichtlichen Parallelen zur Handlung ihres Krimis. Lea Storms Vernetzung innerhalb der Nachbarschaft ist ein tragender Bestandteil des Geschehens. Storm und Vera teilen auch die Vorliebe für schottischen Whisky, Großbritannien ganz allgemein und gutes Essen. Zuletzt arbeitete Beate Vera (wie Lea Storm) als Übersetzerin; zuvor war sie in England und Berlin in der Musikbranche und im Verlagswesen tätig.

QIEZ trifft sich mit der Autorin im noch jungen, empfehlenswerten thailändischen Restaurant Thai by Thai in der Goerzallee. Vera ist froh, dass sich kulinarisch etwas tut in der Gegend. Das kroatische Restaurant Birkengarten am Ostpreußendamm ist eines ihrer Stammlokale; ansonsten nimmt sie lieber eine gewisse Wegstrecke in Kauf, um im Pesetas am Botanischen Garten Tapas zu essen.

Schottischer Pub und Parkfriedhof

Passend zu ihrem Faible für Schottland mag sie das schottische Pub Loch Ness in der Roonstraße, das von einem Ehepaar geführt wird, das sich ebenfalls für das Land und seine Kultur begeistert. "Ich finde es schön, dass sie sich ihren Traum verwirklicht haben", sagt Vera. "Ich bin da immer wieder sehr gerne." Sogar so gerne, dass die Debüt-Autorin ihre erste Lesung in dem Pub abhält – inklusive Whisky-Verkostung. Trotz der fehlenden Restaurants und der überschaubaren Shopping-Möglichkeiten mag sie auch ihren eigenen Kiez. Gerne besucht Vera den Parkfriedhof Lichterfelde, auf dem auch einige Berühmtheiten ihre letzte Ruhe gefunden haben. Sie empfiehlt außerdem einen Abstecher in den alten Dorfkern von Lichterfelde Süd, zwischen Ostpreußendamm und S-Bahntrasse. Und dann ist da noch der Teltowkanal: "Die ganze Strecke am Kanal entlang bietet sich an zum Spazierengehen, Radfahren, Joggen."

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Die Handlung von Veras "Wo der Hund begraben liegt" beginnt mit einem Leichenfund am Mauerweg, der seit der Bundesgartenschau in Potsdam auch als BUGA Wanderweg bekannt ist. "Es ist so friedfertig dort, das ist ein perfektes Setting, um zu verschrecken" – So beschreibt Vera ihren (ersten) Tatort. Lea Storm findet dort bei einem nächtlichen Spaziergang einen übel zugerichteten Nachbarn neben einer ebenfalls toten Prostituierten. Dank ihrer Verwurzelung in der Nachbarschaft und ihrem Interesse am zunächst offiziell, dann inoffiziell ermittelnden Kriminalkommissar Glander wird die Protagonistin schnell in den Fall hineingezogen. Und muss erkennen, dass selbst im ruhigen Lichterfelde Süd ungeahnte Abgründe lauern – weitere Tote sind da nur eine Frage der Zeit.

In der genauen Milieubeschreibung, ermöglicht durch ein vertrautes Umfeld, liegt eine der großen Stärken von Veras Roman. Dieser "Provinzkrimi" wirkt authentisch, greift viele reale Begebenheiten auf und kann die Spannung bis zum dramatischen Showdown halten. Ja, man merkt ihm gelegentlich an, dass er ein Erstling ist – an manchen Stellen wirkt er noch leicht roh, nicht bis ins letzte Detail plausibel. Doch Beate Vera hat dem Genre 'Regionalkrimi' einen erfrischenden Beitrag hinzugefügt, der sich nicht nur für Lichterfelder lohnen dürfte. Eine Fortsetzung ist bereits in Arbeit.

"Wo der Hund begraben liegt" von Beate Vera erscheint am 31. Januar im Jaron Verlag. Die Lesung im Loch Ness Scottish Pub am 4. Februar ist bereits ausverkauft, über eine Wiederholung wird nachgedacht.

Thai by Thai

Goerzallee 111
12207 Berlin

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Quelle: QIEZ
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