• Dienstag, 15. Juli 2014
  • von BUND Landesverband Berlin

QIEZ-Kooperation: BUND Berlin

Weidelandschaft Lichterfelde

  • Weidelandschaft Lichterfelde Süd
    Grasende Pferde. Sie tragen zur Pflege der Weidelandschaft "Parks Range" bei. Foto: externe Quelle - ©BUND Landesverband Berlin

Das ehemalige militärische Übungsgelände in Lichterfelde Süd ist eine wertvolle aber bedrohte Weidelandschaft. Unser Kooperationspartner, der BUND Landesverband Berlin, erläutert dir hier die ökologische Bedeutung des Areals.

Die ca. 100 ha große Fläche am südlichen Stadtrand beinhaltet eine Landschaft mit Weiden, Gebüschen, offenen Flächen und kleinen Wäldern: das ist nicht nur das Ideal des Landschaftsparks, so ist die Wirklichkeit hier in der Weidelandschaft Lichterfelde Süd. Diese Landschaft wird gebildet aus einer Fülle von Pflanzen- und Tierarten, von denen viele als seltene und gefährdete Arten auf den "Roten Listen" der bedrohten Arten stehen oder durch deutsches und europäisches Recht besonders geschützt sind. Wir wollen, dass Artenvielfalt und Weidelandschaft erhalten bleiben, auch wenn Teile der Fläche bebaut werden, und auch, dass Sie diese Pracht und Vielfalt in Zukunft besser erleben können. Diese Qualitäten, aber auch seine Empfindlichkeiten sind aus der speziellen Geschichte zu verstehen.

Die Entstehung

QIEZ-Kooperation: BUND Berlin

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Das Gebiet ist etwas ganz Besonderes: Nach dem Abzug des Militärs von "Parks Range" begann die Natur mit der Rückeroberung: gebietstypische Kräuter und Pioniergehölze breiteten sich aus, und die zwischen Parks Range und Gewerbegebiet siedelnde Reitgemeinschaft Holderhof entwickelte durch vorsichtige Ausritte und tägliches Müllsammeln eine enge Beziehung zu dem ungewöhnlichen Gebiet. So entstand ein gewagtes Pionierprojekt: Mit lenkenden manuellen Pflegemaßnahmen und dem gezielten Einsatz der Holderhof-Pferde formte Anne Loba behutsam die Spontanvegetation zur halboffenen "Lichterfelder Weidelandschaft" mit einem kleinteiligen Mosaik unterschiedlichster Biotope.

Es entstanden Lebensräume für ca. 500 Pflanzenarten, 52 Brutvogelarten, 7 Amphibienarten dazu Zauneidechsen, Fledermäuse und viele Schmetterlinge, Käfer, Heuschrecken und Wildbienen, die noch gar nicht vollständig erfasst wurden - aber von denen, die erfasst sind, sind wiederum viele in Deutschland selten und gefährdet. Alle diese Arten sind nicht gezielt gepflanzt oder eingebracht worden sondern haben sich von alleine angesiedelt, weil die spezielle Beweidung ihnen Lebensmöglichkeiten eröffnete, die sie in unserer sonstigen ausgeräumten Agrarlandschaft nicht mehr haben. Wegen dieses Engagements und dieses Erfolgs hat Anne Loba, die dieses Gebiet so erfolgreich pflegt, 2012 den Berliner Umweltpreis des BUND bekommen - zusammen mit dem Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde Süd.

Die Zukunft

Das Gelände fiel nach dem Abzug der Amerikaner 1994 zurück an die Bahn. Verschiedene Bebauungsideen scheiterten, aber die jetzige Eigentümerin, die Groth-Gruppe, will hier nun Wohnungen bauen. Ein vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf beauftragtes Gutachten weist einen Großteil der Fläche jedoch als so wertvoll aus, dass es als Landschaftsschutzgebiet geschützt werden müsste: Das Gutachten empfiehlt 80 Hektar Landschaftsschutzgebiet und 27 Hektar als Baugebiet, davon 11 Hektar nur bedingt bebaubar. Diese grundsätzliche Bewertung wird unterstützt vom Landesbeauftragten für Naturschutz.

Der Bezirk hat sich zwar im Januar 2013 verpflichtet, dieses Gutachten als Grundlage für seine Planungen zu verwenden, vereinbart im April 2013 mit der Grothgruppe aber in einem "Letter of Intent" eine Baufläche von 39 Hektar, ohne dass hier naturschutzfachliche oder sonstige Abwägungen erfolgten. Diese Abwägung ist jedoch eigentlich wesentlicher Bestandteil der Bauleitplanung und durch dieses Verfahren der voreiligen Flächenaufteilung wird die spätere formelle Bauleitplanung mit ihren Elementen von Bürgerbeteiligung und sachlicher Abwägung konterkariert.

Diesen Mangel an Planungskultur können auch nicht die Bürgerversammlung vom 15.10.2013 und die Werkstatt vom 23.11.13 beheben, die dann in ihrer Durchführung bei den Anwohnern auf viel Kritik stieß. Dabei setzt sich hier seit 2010 das Aktionsbündnis "Landschaftspark Lichterfelde-Süd" für eine nachhaltige Entwicklung des Südens von Lichterfelde ein, wofür diese Initiative 2012 den Berliner Umweltpreis des BUND bekam. Die wertvolle Weidelandschaft wird nicht nur durch zu weit greifende Bebauung bedroht. Selbst da, wo nicht gebaut werden soll, kann die Natur durch Bezirk und Senat nicht gesichert werden, denn Berlin ist schon lange nicht mehr in der Lage, seine Hausaufgaben in Sachen Naturschutz zu machen. So kann der Senat mangels Personal keine Schutzgebietsausweisung erarbeiten und der Bezirk kann die Fläche weder erwerben noch sonst langfristig für seine Pflege aufkommen.

Was machen wir als BUND?

Aus diesem Grund haben wir uns in Anbetracht des einmaligen Wertes dieser Landschaft als BUND auch gegenüber dem Bezirk bereit erklärt, hier aktiv zu werden, wobei wir vor allem zwei wichtige Aufgaben sehen:

  1. Die Aufteilung zwischen künftiger Baufläche und Weidelandschaft muss den Erhalt dieser einmaligen Natur sicher stellen: die Fläche muss groß genug bleiben, um die Vielfalt zu sichern und sie muss deren wesentliche Strukturen erhalten, wie Laichbiotope, offene Sandflächen, wertvolle Biotope etc. Hierfür werden wir uns weiterhin einsetzen.
  2. Ein Pflege- und Nutzungskonzept muss entwickelt werden, das die Fortführung dieser Beweidung und den Erhalt der Biotop- und Artenvielfalt sichert.

Grundzüge für ein solches Pflege- und Nutzungskonzept lassen sich schon jetzt aufzeigen, auch wenn die meisten Details noch erarbeitet werden müssen. Langfristig soll das Gelände zwar geschützt und gesichert, aber auch für alle Menschen erlebbar werden: Wege sollen durch das Gelände führen, Ausblickpunkte und Ruheplätze geschaffen werden, Hinweistafeln auf Besonderheiten aufmerksam machen. In der jetzigen schwierigen Übergangsphase bietet die Reitgemeinschaft Führungen an, die im Umweltkalender angekündigt werden. Die Schönheit und Besonderheit dieser Weidelandschaft soll und wird aber erhalten bleiben und erlebbar werden.

Dieser Text wurde uns zur Verfügung gestallt vom BUND Landesverband Berlin. Infos zu vielen anderen umweltpolitischen und infrastrukturellen Themen findest du auch auf www.bund-berlin.de.

Adresse

Osdorfer Straße
12207 Berlin

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