Interview

10 ungewöhnliche Fragen an... Stereo Total

10 ungewöhnliche Fragen an... Stereo Total
Alte Hasen der Berliner Musikszene: Stereo Total machen schon seit 1993 charmant-verrückte Popmusik.
In der Kürze liegt die Würze: Wir stellen zehn ungewöhnliche Fragen an spannende Berliner Persönlichkeiten, die ganz tief blicken lassen. Diesmal antwortet die Kreuzberger Frenchpop-Band Stereo Total.

Ach was haben wir sie in unserer Jugend gefeiert für Songs wie Liebe zu dritt oder Ich bin der Stricherjunge. Das Berliner Pop-Duo Stereo Total ist irgendwie eine Mischung aus liebevoll-verschroben, sexy, revolutionär und gerade so viel oldschool, dass es schon wieder cool ist. Seit 1993 sind sie unter ihren Künstlernamen Brezel Göring und Françoise Cactus musikalisch und auch privat ein Paar. Und haben mit schöner Regelmäßigkeit alle ein bis zwei Jahre ein weiteres grandioses Album veröffentlicht, bei dem Françoise mit ihrem unverwechselbaren französischen Dialekt freche Texte ins Mikrofon singt. Wir könnten zwar beim besten Willen nicht sagen, welche Musikrichtung das ist – futuristischer Chanson-Pop? – aber es gefällt und macht gute Laune. Und eben darum geht es bei Stereo Total doch. Gerade gehen die beiden mit ihrem neuen Werk „Ah! Quel Cinema!“ auf Tour. Grund genug für ein paar Fragen…

Euer Leben in drei Hashtags? Also, ich bin noch von vorgestern und denke beim Wort ‚Hash‘ an etwas ganz anderes: #Huch, schon wieder eine Französin? #Nehmen Sie den Mainstream-Dreck da weg und bringen Sie mir ordentliche Underground-Musik #Das ist nicht die Zukunft, sondern schon längst die Gegenwart

Was würdet ihr eurem 18-Jährigen Ich sagen? Lass das komplizierte und kräftezehrende Studium, geh lieber Steine schmeißen oder verbummel den Tag.

Was macht ihr nur, wenn euch niemand sieht? Bei Ikea einkaufen.

Welche Superpower hättet ihr gerne und was würdet ihr damit tun? Neulich Nacht habe ich geträumt, ich wäre der Berliner Verkehrsminister und würde neue Arten der Fortbewegung entwickeln. Das wäre schon mal ein Anfang.

Welcher Ort in Berlin verdient definitiv mehr Fame und warum? Der Potsdamer Platz? Mal ehrlich, ich bin froh über jeden schönen Ort, der noch nicht den ‚Fame‘ hat, den er verdient. Das kommt von ganz alleine!

Was ist für euch typisch Berlin? Der Typ neulich im Supermarkt, der auf die Frage der Kassiererin, ob er den Kassenbon haben wolle, antwortete: Ja, wegen der Uhrzeit.

Françoise, du hast in der Berliner Underground-Szene angefangen: Wie siehst du die heutige Kultur- und Partyszene in Berlin? Na ja, viele Partygänger meines Alters beklagen sich, wie wild und aufregend früher alles war. Ich bin ganz zufrieden. Mir würde die Birne platzen, wenn ich nochmal den Exzess der Achtziger Jahre durchexerzieren müsste.

Ihr seid schon so lange ein Paar – auf und neben der Bühne: Habt ihr euch privat noch viel zu erzählen? Klar, ich rede die ganze Zeit und Françoise antwortet mir von Zeit zu Zeit mit dem immergleich zauberhaften „Ach, hör doch auf!“ Dazu macht sie eine Handbewegung als würde sie eine Fliege verscheuchen.

 

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Ein Beitrag geteilt von STEREO TOTAL (@stereototalmusic) am Apr 18, 2019 um 7:31 PDT

Was inspiriert euch zu euren Songs? Persönliche Verletzungen („Ich bin cool“), Verrat („Allô Alice“), Persönlichkeitsdefizite durch Drogenmissbrauch („Methedrine“), Wut („Hass-Satellit“), Selbstüberschätzung („Brezel says“), Selbstmord („Le Spleen“), Trauer („Dancing with a memory“) und seelische Qual („Elektroschocktherapie“)… Ich war ehrlich entsetzt, als ich das im Info zur neuen Platte gelesen habe. Ich dachte immer, wir würden lustige Musik machen und ich – Brezel Göring – sei der unlustigste Komiker seit Didi Hallervorden.

Eure neue Platte wird mit dem Begriff Großstadtmelancholie beschrieben, weil ihr sagt, früher gab es einfach mehr, das Hoffnung machte: Was könnt ihr uns zum Schluss an Hoffnung mitgeben? Liebe Berlinerinnen und Berliner, ihr wohnt in einer lustigen, halbwegs toleranten, überdrehten und völlig einzigartigen Stadt. Egal, was ihr über den Rest der Welt hört – ihr könnt davon ausgehen, dass es hier nicht so schlimm ist. Deshalb solltet ihr euch eilig vorbeugen und dankbar den Fußboden küssen dafür, dass ihr hier in Berlin sein könnt. Wenn man jetzt noch Wohnungs- und Bodenbesitz enteignen und die Autos los werden könnte, dann würde es sogar ganz erträglich hier.

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