Straße des 17. Juni

Partymeile statt Verkehrsachse

Partymeile statt Verkehrsachse
Breite Fahrbahn, keine Autos. Die Straße des 17. Juni bleibt immer wieder für Veranstaltungen gesperrt.
Eigentlich wollte der Bezirk Mitte die Straße des 17. Juni nicht mehr so oft wie bisher für Großveranstaltungen sperren. 2014 dürfte der Verkehr aber noch seltener rollen als bisher - rund ein Drittel des Jahres bleibt die Verkehrsachse dicht.

Nicht nur in der Silvesternacht war sie mal wieder völlig dicht. Die Straße des 17. Juni bleibt noch bis Mitte Januar eine Partymeile. Gefeiert wird dort in Kürze die Fashion Week. Eine der wichtigsten Verbindungsstraßen der Stadt ist damit weiterhin für Autos tabu – und das, obwohl der Bezirk Mitte vor einem Jahr angekündigt hatte, weniger Großveranstaltungen am Tor zu erlauben. Die Schmerzgrenze sei überschritten, sagte Ordnungsstadtrat Carsten Spallek dem Tagesspiegel damals: „Wir müssen mit dem Senat darüber reden, welche Veranstaltungen künftig wirklich nötig sind.“

Davon ist jetzt zwischen Neujahr und Fashion Week nicht mehr viel zu hören. Das Geschäft mit der Mode will vom Glanz des Brandenburger Tores profitieren, deshalb rollt auch weiterhin kein Auto von Ost nach West über diese zentrale Allee. Ein Drittel das Jahres ist das so. Bis zu 120 Tage dauern laut Bezirk jährlich alle Sperrungen wegen des Aufbaus von Bühnen und Zäunen sowie der Durchführung von Veranstaltungen zusammengerechnet.

Und in diesem Jahr brauchen Autofahrer besonders viel Langmut. Denn zu den im Partykalender seit Jahren fest eingetragenen Großereignissen wie Einheitsfeier, Halb- und ganzer Marathon kommt im Sommer das Public Viewing für die Fußball-WM. Und das fällt ausgerechnet in die Sommerwochen, die durch die nächste Fashion-Week und den Christopher-Street- Day schon gut gebucht sind.

Vor zwei Jahren war das schon einmal ähnlich. Da fand aber „nur“ eine Fußball-EM statt. Die WM lockt dieses Jahr allerdings weit mehr Zuschauer und könnte wie vor zwei Jahren die Fashion Week weiter nach Westen verdrängen. Für viele gehört die Modenschau ohnehin nicht unbedingt an das Brandenburger Tor, so wenig wie andere Spezialisten- und Feinschmecker-Shows.

„Alles, was nicht zu den traditionellen Großveranstaltungen zählt, sollte auf den Prüfstand gestellt werden“, sagt etwa Jörg Becker, Sprecher des Automobilclubs ADAC in Berlin. Für die Fashion Week gebe es am Flughafen Tempelhof, auf dem Charlottenburger Messegelände oder rund um den Alexanderplatz reichlich geeignete Veranstaltungsorte – „die muss doch nicht unbedingt am Brandenburger Tor stattfinden“. Dasselbe gelte für viele kleinere Veranstaltungen. Hier müsse „kritischer mit den Genehmigungen umgegangen werden“. Zumal die Ost-West-Achse dieses Jahr noch stärker als Umleitungsstrecke für geplagte Autofahrer gebraucht werde: Die Invalidenstraße sei wegen Bauarbeiten für die Straßenbahn fast vollständig gesperrt, die Leipziger Straße ebenfalls oft dicht – und die Zahl der Baustellen nehme noch zu.

Das provoziert in der Politik zunehmend Unmut. „Wenn eine Veranstaltung die Straße längere Zeit blockiert und dies für eine überschaubare Zahl von Besuchern erfolgt, sollte mit den Veranstaltern über einen alternativen Standort gesprochen werden“, sagt der CDU-Stadtentwicklungspolitiker Stefan Evers. Dies gelte auch für die Fashion Week, zumal bei der Modenschau noch die Terminüberschneidung mit anderen Veranstaltungen im Sommer hinzukomme.

„An der Obergrenze des Erträglichen“

„Mit den vielen Veranstaltungen auf der Straße des 17. Juni bewegen wir uns an der selbst gesetzten und auch gefühlten Obergrenze des Erträglichen“, sagt Mittes Stadtrat Spallek. Um die Zahl der Veranstaltungen zu verringern, brauche es allerdings „eine politische Entscheidung“. Dies gelte auch für die Frage nach einer etwaigen Verlagerung der Fashion Week. Die Veranstalter der Fashion Week waren bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Um wenigstens die Zahl der Veranstaltungen nicht weiter steigen zu lassen, riskiert der Bezirk schon mal die Konfrontation mit dem Bund: Die geplante Premiere einer neuen Kartoffelsorte in Anwesenheit der Bundeslandwirtschaftsministerin vor dem Brandenburger Tor genehmigte Spallek nicht. Gestrichen wurde auch ein Hürdenlauf, den ein Metallverband dort veranstalten wollte, um auf die Hindernisse seiner Mitglieder auf dem Weltmarkt hinzuweisen – „da sollten Produkte platziert werden, das mussten wir ablehnen“. Auch die Feier zum 150. Jahrestag der SPD hatte der Bezirk nicht genehmigt. Aus Sicht des CDU-Politikers drohte das zum Präzedenzfall für andere Parteien zu werden. Doch hier setzte sich der SPD-dominierte Senat durch: Die Verkehrslenkung im Haus von Bausenator und SPD-Politiker Michael Müller erteilte eine Ausnahmegenehmigung, was nach der Straßenverkehrsordnung möglich sei.

„Hochkarätige Veranstaltungen, dabei sollte es bleiben“, sagt Christian Tänzler, Sprecher der Stadt-Vermarkter Visit Berlin. Die Fanmeile sei für Berlin aber von großer Bedeutung als „Aushängeschild und Zeichen für eine weltoffene Stadt“.

Dennoch will der Senat künftig härter durchgreifen. „Wir wollen im Laufe dieser Legislaturperiode sensibler und restriktiver vorgehen bei der Nutzung der Straße des 17. Juni“, sagte Daniela Augenstein, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Neue Veranstaltungen sollten nicht mehr etabliert werden. Außerdem suche die Verwaltung das Gespräch mit Veranstaltern, um alternative Standorte anzubieten. Mittelfristig werde es so zu einer Entlastung kommen.


Quelle: Der Tagesspiegel

Partymeile statt Verkehrsachse, Straße des . Juni 17, Berlin

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