Diskussion um Straßennamen

Ein "H" für die Joachimstaler Straße

Die Kreuzung Joachmistaler Straße / Lietzenburger Straße in Charlottenburg-Wilmersdorf.
Die Kreuzung Joachmistaler Straße / Lietzenburger Straße in Charlottenburg-Wilmersdorf.
City West - In Charlottenburg-Wilmersdorf möchte Bürgermeister Reinhard Naumann die Joachimstaler Straße umbenennen - und damit eine Bitte der Kleinstadt Joachimsthal erfüllen. Doch der Widerstand wächst.

Sie ist eine der bekanntesten Straßen Berlins und führt vom Hardenbergplatz über den Ku’damm bis zur Lietzenburger Straße – doch historisch korrekt ist der Name der Joachimstaler Straße nicht. Einst hieß sie Joachimsthaler Straße. Und den Buchstaben „H“ möchte der Charlottenburg-Wilmersdorfer Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) ihr nun wieder zurückgeben.

Dahinter steht ein Wunsch der Kleinstadt Joachimsthal im Brandenburger Landkreis Barnim. Jemandem aus der dortigen Stadtverwaltung war die abweichende Schreibweise in Berlin aufgefallen. Daraufhin lud die Bürgermeisterin der 3300 Einwohner zählenden Stadt im Januar Naumann zum Besuch ein. Der unterstützt nun die „minimalinvasive Veränderung“ des Straßennamens. Es geht auch um den Joachimstaler Platz mit der denkmalgeschützten alten Verkehrskanzel.

Am kommenden Mittwoch berät ein Ausschuss der Bezirksverordnetenversammlung. Eine erste kurze Diskussion gab es bereits, allerdings signalisierten nur Vertreter der CDU-Fraktion ihre mögliche Zustimmung. Die rot-grüne Mehrheit ist skeptischer. Die Stadtplanungsexperten Volker Heise und Ansgar Gusy von den Grünen sprachen sich auf Nachfrage für „Ergänzungstafeln“ aus, die an die Herkunft des Namens erinnern. Ähnlich sieht es Heike Schmitt-Schmelz, Vize-Fraktionschefin der SPD. Sie hält außerdem eine Befragung der Anrainer für denkbar.

Tatsächlich ist Joachimsthal der Namensgeber der Straße. Anfang des 17. Jahrhunderts hatte Kurfürst Joachim Friedrich im Jagdschloss in der brandenburgischen Kleinstadt das musikbetonte Joachimsthalsche Gymnasium einrichten lassen. Im Dreißigjährigen Krieg zerstreuten sich Lehrer und Schüler, später hatte die Lehrstätte verschiedene Standorte in Berlin – der letzte entstand in Wilmersdorf und dient heute der Universität der Künste (UdK). Kurioserweise führte dies zwar 1887 zur Benennung der „Joachimsthaler Straße“, der Altbau des früheren Gymnasiums steht aber in der Bundesallee.

Es kursiert ein Gerücht, wonach das „H“ irgendwann durch einen Tippfehler verschwunden sei. Naumann sieht die Ursache in einer Rechtschreibreform, die ums Jahr 1900 auch dazu führte, dass sich das Kottbusser Tor in Kreuzberg nicht mehr „Cottbusser Thor“ schreibt. Übersehen hatte Rathauschef Naumann bisher, dass es in Hohenschönhausen bereits eine Joachimsthaler Straße gibt. Nach Richtlinien der Stadtentwicklungsverwaltung sollen Doppel-Benennungen möglichst vermieden werden.

Für die Anrainer in der City West – darunter 411 Läden, Lokale, Kanzleien und Unternehmen – würde das alles Aufwand bedeuten. „Das ist sowas von überflüssig“, findet Vorstand Gottfried Kupsch von der AG City. „Das ‚H‘ nützt niemanden, auch Joachimsthal nicht.“


Quelle: Der Tagesspiegel

Ein "H" für die Joachimstaler Straße, Joachimstaler Straße, Berlin

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