Interview mit Streetart-Star Barbara

Make Kartoffelsalat, not war! Klebekunst von Barbara.

Make Kartoffelsalat, not war! Klebekunst von Barbara.
Streetart-Künsterlin Barbara. hat unter dem Titel "Patriotische Bananen" echte Südfrüchte verwendet, um Botschaften wie "lasst euch ermahnen, Lügenbananen" in die Welt zu tragen.
Sie klebt, also ist sie: Nur wer? Barbara. ist ein Phänomen unserer Zeit, ein Star der Streetart-Szene, aber sie bleibt anonym, während sie ihre humorvollen und durchaus politischen Klebebotschaften verteilt. Wir dürfen uns ihr nähern – nicht im wahren Leben, aber im Chat.

Montagmorgen, irgendwo in Deutschland. Barbara. stellt sich unseren Fragen via Facebook – auf der Plattform also, die ihr zum Durchbruch verholfen hat. Anfangs klebte Barbara. ihre Botschaften nämlich nur zum kurzweiligen Vergnügen weniger Beobachter, die ihre kleinen Zettel zufällig auf der Straße entdeckten. Als Barbara. anfing ihre witzigen Kommentare zu Verbotsschildern, Aufklebern und Werbeplakaten zu fotografieren und die Bilder online zu stellen, änderte sich alles: Innerhalb von zwei Jahren wurde die Klebekünstlerin vom Insider-Tipp zum Tagesthemen-Thema.

Mittlerweile folgen der frisch gekürten Grimme-Preisträgerin bei Facebook mehr als 500.000 Menschen, bei Instagram sind es über 200.000. Jetzt erscheint ihr zweites Buch, „Hass ist krass. Liebe ist krasser.“, mit Werken aus Heidelberg, Mannheim, Berlin und Dresden, die radikal zum Lachen und Nachdenken anregen.

QIEZ: Was war eigentlich dein Klebe-Debüt?

Barbara.: „Als Kind hat mir mein Opa auf einem Spaziergang ein an die Wand geschmiertes Hakenkreuz gezeigt. Während er vergeblich versucht hat, es wegzuwischen, hat er mir erklärt, für welche schrecklichen Ereignisse dieses Symbol steht. Als wir am nächsten Tag wieder da vorbeikamen, habe ich eine lachende Sonne auf einem Stück Papier darüber geklebt. Mein Opa hat mich dafür so heftig gelobt, dass ich mir dachte: Das machst du jetzt öfters.“


Mittlerweile machst du so etwas nur noch anonym, aber weiterhin sehr erfolgreich. Würdest du nicht gern einmal deinen „prominenten Künstler-Status“ in einer Galerie ausleben und Geld mit deinen Arbeiten verdienen?

Mit meinen Aktivitäten hatte ich von Anfang an keine kommerziellen Ambitionen, ich möchte mich in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen. Durch mein Buch „Dieser Befehlston verletzt meine Gefühle.“ konnte ich einen Großteil meiner Kosten für Papier, Druckertinte und die Deutsche Bahn wieder reinholen. Auch mit „Hass ist krass. Liebe ist krasser.“ werde ich nicht reich, aber es ist wunderbar zu wissen, dass es Leute gibt, denen meine Arbeit etwas bedeuten: Das ist mehr wert, als ein Sack voller Geld. Außerdem sind die Straße und die sozialen Netzwerke meine Galerien, aber wenn es eine Idee geben sollte, wie ich meine Aktionen sinnvoll in eine Galerie-Ausstellung übersetzen kann, dann werde ich das sicher auch mal ausprobieren.

Könntest du dir vorstellen, als weise alte Künstlerin deine Autobiografie zu veröffentlichen, um doch einmal den Applaus persönlich entgegenzunehmen?

Ja, allerdings nicht um Applaus zu ernten, sondern weil ich wirklich große Lust habe, meine Geschichte zu erzählen. Dann könnte ich auch meinen Freunden und meiner Familie klarmachen, warum es für mich wichtig war, meine Identität während dieser Zeit zu verbergen. Vielleicht muss ich nicht mal alt und weise werden, um diesen Schritt zu machen…

Engagierst du dich auch außerhalb deiner Kunst? Bist du ein Helfertyp?

Ich interessiere mich sehr für Menschen, ihre Lebensentwürfe und Meinungen. Als leidenschaftliche Social-Hopperin habe ich Kontakte zu den unterschiedlichsten Szenen und versuche ständig, Verständnis für Verhaltensweisen zu entwickeln, die mir selbst fremd sind. Zur Zeit bin ich oft in Dresden, weil ich wissen möchte, wie eine Organisation wie Pegida entstehen konnte. Und ich würde gerne etwas dazu beitragen, diese Hassstimmungen dort zu überwinden – privat und als klebende Zettelbotschafterin.
 


Bist du Optimistin oder Pessimistin?

Weder noch, ich versuche meinen Teil für ein freundliches, weltoffenes und tolerantes Miteinander beizutragen, deshalb gehe ich mit meinen Kommentaren gegen Hassbotschaften im öffentlichen Raum vor. Die Freude an meiner kreativen Arbeit ist mein Hauptantrieb.

Ist dir der Straßenkampf als gebürtige Berlinerin in die Wiege gelegt worden?

Wo ich genau geboren wurde, möchte ich nicht sagen, aber ich habe einen sehr engen Bezug zu Berlin, insbesondere zu Friedrichshain und Kreuzberg.

Was gibt dir Berlin?

Berlin ist immer in Bewegung und auf der Suche nach sich selbst, das ist ein spannender Prozess, aus dem ich viel Input und Energie schöpfe. Ich liebe das multikulturelle Zusammenleben und das Gefühl am Puls der Zeit zu sein.

Wieso hattest du den Boxhagener Platz für deine Pop Up-Ausstellung diesen Sommer gewählt?

Für mich ist der Boxi wie eine kleine Urlaubsinsel mitten in meinem Lieblingskiez.Ich habe dort viel Zeit auf der Liegewiese verbracht und meine Gedanken zu Papier gebracht. Die Atmosphäre ist toll, wenn die Leute im Gras chillen, meistens hat irgendeiner eine Gitarre dabei und es riecht immer ein wenig nach Marihuana.

Bei so vielen geklebten Plakaten an einem Ort war die Gefahr sehr groß, erwischt zu werden, oder?

Ja, das war ein Nervenkitzel, aber ich hatte alles gut vorbereitet und auch ein bisschen Glück… Bisher bin ich noch nie erwischt worden, zumindest nicht so, dass ich mich nicht hätte rausreden können.

Wieso hast du den Namen „Barbara.“ gewählt?

Ich finde, dass Barbara ist ein sehr schöner Name ist.

 

Laut Medienberichten ist davon auszugehen, dass es sich bei Barbara um eine Frau handelt“ (Wikipedia)… kannst du uns das exklusiv bestätigen?

Ich bin ein Mensch mit dem Namen Barbara. Exklusiv kann ich bestätigen, dass meine Mutter eine Frau ist. Meine Oma übrigens auch.

Oh, danke! Es gibt ja Menschen, die behaupten, Frauen hätten diese Art von Humor gar nicht.

Dazu sage ich nur, dass jeder Mensch, der pauschal behauptet, dass dieses oder jenes untypisch für eine Frau sei, völlig daneben liegt. Diese Klischee-Rollen sind mir viel zu 1950.

Wem würdest du zusprechen, eine echte Autorität zu sein?

Das muss jede/r für sich selbst entscheiden, ich glaube nicht, dass es universelle Autoritäten gibt. Für manche ist der Papst eine Autorität, in meinen Augen ist er ein Lügner, der genau weiß, dass er nicht der Stellvertreter Gottes auf Erden ist, es aber trotzdem behauptet. Für mich kann nur ein Mensch eine gewisse Autorität darstellen, den ich liebe, schätze und persönlich vertraue.“

Auf deiner To-Do-Liste stand Seepferdchenabzeichen, Grimmepreis und erste anonyme Bundespräsidentin werden. Der letzte Punkt steht noch aus, was wäre dein Wahlversprechen?

Ich würde mich dafür einsetzen, dass Marihuana legalisiert wird.


Lässt du dich eigentlich auch bei Familienfeiern auch auf politische Diskussionen ein?

Ich lasse mich immer gerne auf politische Diskussionen ein, meistens zettele ich die selbst an. Auch bei Familienfeiern.

Was ist deine schlimmste Eigenschaft, welche deine beste?

Meine schlimmste Eigenschaft ist, dass ich Dinge oftmals nicht zu Ende bringe, und meine beste Eigenschaft ist, dass.

Deine Beste ist, dass du einen Punkt setzen kannst?

Sorry, ich hab den Gedanken wiedermal nicht zu Ende gebracht. Schlimme Eigenschaft von mir.

 

„Hass ist krass. Liebe ist krasser.“ von Barbara. erscheint als Hardcover im Bastei Lübbe Verlag und ist ab dem 14. Oktober 2016 für 14 Euro im Buchhandel  erhältlich. Mehr Klebebotschaften von Barbara. findet ihr auf ihrem Instagram-Account.

Trödelmarkt am Boxhagener Platz, Boxhagener Platz 1, 10245 Berlin

Telefon 0162 2923066


jeden Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr
Platzreservierung jeweils montags bis 10:00 Uhr

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