Wahrzeichen von Berlin

Streit um einen Bären

Streit um einen Bären
Der von der Bildhauerin Renée Sintenis geschaffene Bär wird jährlich als Auszeichnung auf der Berlinale verliehen. Auch an Autobahnen findet er sich wieder. Doch nun gibt es Streit ...
Der Berliner Bär an den Autobahnen zeigt die Entfernung zur Heimat an. Auch in Pankow soll ein Exemplar am Straßenrand stehen - allerdings eine andere Variante. Andreas Conrad wird beim Streit um Pelztiere ziemlich brummig. Die Glosse.

Bremen hat es gut. Seine Wahrzeichen sind bekanntlich Esel, Hund, Katze, Hahn. Sollten also die Bremer Bezirke an einer der dortigen Einfallsstraßen eine Skulptur aufstellen wollen, als typisch bremische und doch individuelle Visitenkarte, so bieten sich ihnen zahlreiche Varianten: alle vier Stadtmusikanten, nur drei, zwei oder vielleicht allein der Esel?

Berlin dagegen hat nur den Bären, was in der Vergangenheit für die Selbstdarstellung der Stadt kein Problem war, nun aber doch. Es geht dabei nicht um irgendeinen, es geht um den berühmtesten Bären, geschaffen von der Berliner Bildhauerin Renée Sintenis, alle Jahre wieder ein begehrtes Pelztier bei der Berlinale. Stilisiert findet sich das Bärlein mit den erhobenen Tatzen bundesweit auf vielen Kilometersteinen, die die Entfernung zur Heimat des Wappentieres mitteilen.

Streit um eine Pankower Variante

Und man begegnet ihm auch, als knuddelige Skulptur, auf dem Mittelstreifen der A115 in Dreilinden und der A 113 in Treptow. Jetzt soll nach dem Willen der Pankower BVV auch die A 114 dazukommen, jedoch nicht das Sintenis-Modell, sondern eine eigene, eine Pankower Variante, entworfen in Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule Weißensee.

Ein Bekenntnis zur Individualität, wogegen sich nun aber die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sträubt, die für die Autobahn das Sagen hat und einen bezirklichen Sonderweg ablehnt. Das schreckt die Pankower freilich nicht, die zur Not ihrem Bären auf bezirkseigenem Terrain Platz schaffen wollen.

Ganz einheitlich ist der Bärengruß an der Stadtgrenze allerdings schon heute nicht. Auf dem Mittelstreifen der A 111 in Stolpe erwartet seit 1983 die Autofahrer ein Bär des Bildhauers Günter Anlauf – ein ziemlich faules Exemplar, das nicht wie der Sintenis-Bär unentwegt steht und winkt, sondern es sich auf seinem dicken Bärenhintern gemütlich gemacht hat.

„Variatio delectat – Abwechslung erfreut“, das wussten schon die alten Römer. So kann man nur dankbar sein, dass die Pankower sich für ihre Visitenkarte an der Autobahn nicht auf etwas ganz anderes, etwa ein Detail aus ihrem Bezirkswappen, besonnen haben: Das dort abgebildete Rad soll schließlich nicht den Autoverkehr verherrlichen, sondern spielt auf das Emblem der Heiligen Katharina von Alexandrien an, der Schutzheiligen der Weißenseer Dorfkirche. Sie sollte mit einem speziellen Rad zu Tode gefoltert werden, das der Legende auf ihr Gebet hin ein Engel zerstörte. Viel geholfen hat ihr das nicht: Sie wurde enthauptet.


Quelle: Der Tagesspiegel

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