Diskussion um dieTreitschkestraße

Die umstrittensten Straßennamen in Berlin

426 Anwohner der Treitschkestraße in Steglitz sind derzeit aufgerufen, über eine Umbenennung ihrer Straße zu entscheiden. Heinrich von Treitschke war der deutscher Historiker und Politiker, auf den der antisemitische Satz: "Die Juden sind unser Unglück" zurückgeht. 

Diese Aussage wurde später das Schlagwort des nationalsozialistischen Hetzblattes „Der Stürmer“. Treitschke formulierte sie in dem Aufsatz „Unsere Aussichten“ (1879), dessen Inhalt auf die Zurückdrängung der Juden in der Gesellschaft fokussiert war. Nach langjährigem politischem Streit um die Straßenbezeichnung begann das Bezirksamt Steglitz am 5. November mit einer Befragung der Bürger, die sich für oder gegen den Namen Treitschke aussprechen können.

Neben der Treitschkestraße gibt es weitere umstrittene Straßennamen in Berlin. Seit 1995 findet man in Berlin Weißensee die Johannes-Itten-Straße. Der Bauhauskünstler Itten war Anhänger der religiösen Mazdaznan-Lehre. Diese vertrat eine Rassenideologie, die Tendenzen zu den Glaubensvorstellungen der Nationalsozialisten aufwies. Erst im Juni 2012 wurde der Vorschlag, eine Straße in einem Münchner Neubaugebiet nach Itten zu benennen, abgelehnt.

Das Afrikanische Viertel

Carl Hagenbeck, Tierhändler und Zoodirektor, plante vor dem Ersten Weltkrieg auf dem Gebiet des heutigen Volksparks Rehberge, eine Freianlage mit Tieren aus den deutsch-afrikanischen Kolonien. Rund um das geplante Areal wurden Straßen nach den deutschen Besatzungszonen in Afrika benannt. Die Sansibar-, die Togo- und die Kameruner Straße waren namensgebend für das „Afrikanische Viertel“ im Wedding. Im Zuge der Erweiterung des Afrikanischen Viertels wurden weitere Straßen nach Männern benannt, die entscheidende Positionen in der Afrikapolitik zu Zeiten der Kolonisation einnahmen.

Der Nachtigalplatz hat zum Beispiel nichts mit dem Vogel zu tun, sondern wurde 1910 nach Gustav Nachtigal benannt. Nachtigal wurde 1884 Reichskommissar der Kolonie Deutsch-Westafrika (Kamerun und Togo). Auch der Namensgeber der Lüderitzstraße, Franz Adolf Lüderitz, nutzte das an Bodenschätzen reiche Afrika für seine Zwecke. Der in Bremen geborene Großkaufmann wurde 1883 erster ausländischer Grundbesitzer in Deutsch-Südwestafrika (Namibia). In diesem Gebiet gab es 1904 einen Aufstand der einheimischen Völker Herero und Nama, die sich gegen die deutsche Besatzungsmacht zur Wehr setzten. Bis 1908 dauerten die Kämpfe an, wobei nach Schätzungen 75.000 bis 95.000 Afrikaner ums Leben kamen.

Postkolonialer Lern-und Gedenkort

Die Petersallee wurde ursprünglich nach einem weiteren Kolonialherrscher benannt. Carl Peters galt 1985 als Begründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika (Sansibar). Nach verschiedenen Fällen des Machtmissbrauchs wurde er 1892 von seinem Amt als Reichskommissar der Kolonie abberufen und kehrte nach Deutschland zurück. Durch einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Wedding wurde 1986 die Benennungsgrundlage der Straße geändert. Der Name Petersallee beruht nun auf Hans Peters, einem Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime.

Die Benennung der Straßen im Afrikanischen Viertel sorgte in der Vergangenheit für reichlich Gesprächsstoff. Nach der Bezirkswahl 2011 nahmen sich die regierenden Parteien CDU und SPD des Themas an, entschlossen sich aber dazu, die Straßennamen zu belassen. Stattdessen wurde geplant, aus dem Afrikanischen Viertel einen postkolonialen Lern- und Gedenkort zu machen. Am 9.Juni 2012 wurde eine Informations-Stele errichtet, welche zur Reflexion über die Geschichte des Afrikanischen Viertel und des deutschen Kolonialismus anregt.

Weitere umstrittene Namensgebungen

Der Hindenburgdamm in Steglitz ist dem ehemaligen deutschen Reichpräsidenten Paul von Hindenburg gewidmet. Hindenburg wird jedoch kritisch gesehen, da er 1919 die „Dolchstoßlegende“ in die Welt setzte und 1933 Adolf Hitler zum neuen Reichskanzler ernannte.

In Spandau gibt es seit 1906 eine Sedanstraße. Der französische Ort Sedan war 1871 Austragungsort einer Schlacht zwischen Frankreich und Deutschland, bei der insgesamt mehr als 6000 Menschen ums Leben kamen. Der Sieg Deutschlands in Sedan gilt als Vorentscheidung im Deutsch-Französischen Krieg.

Zweischneidig ist auch der Name Friedrich Ludwig Jahn. Der Turnvater und Begründer der deutschen Turnbewegung galt als patriotischer Verfechter seines Heimatlandes. Die Nationalsozialisten nutzten sein Erbe für Propaganda-Zwecke und nannten Jahn „Vorkämpfer der reinen Rasse“. In Berlin gibt es unter anderem den Friedrich-Ludwig-Jahn Sportpark in Prenzlauer Berg. Ein weiteres Idol der Nazis war Manfred von Richthofen, besser bekannt als der „Rote Baron“  und Namensgeber einer Straße im Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Richthofen war deutscher Kampfpilot im Ersten Weltkrieg und schoss über 80 feindliche Flugzeuge ab.

Die umstrittensten Straßennamen in Berlin, Treitschkestraße, 12163 Berlin

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