Festspiele in Neukölln

Strohballen und die Zukunft von Rixdorf

Strohballen und die Zukunft von Rixdorf
Fantasievolle Kostüme fließen beim Strohballenrollen Popráci ebenfalls in die Wertung ein. Zur Foto-Galerie
Richardkiez – Im dörflichen Herz Neuköllns organisieren Norbert Kleemann und der Verein Traumpfad mit vielen ehrenamtlichen Helfern zum achten Mal das Strohballenrollen Popráci. Und das ist nicht alles: Im Rahmen der Rixdorfer Festspiele wird bereits eine Woche zuvor in einer schrägen Theater-Performance zum Miterleben über die Zukunft des Stadtteils spekuliert.

Es war ein Neuköllner Künstler, der die Idee hatte: In Rixdorf mit seinen vergleichsweise schmalen Straßen und ruhigen Plätzen könne man doch mal ein Dorffest veranstalten. Die ortsansässige „Künstlerkolonie“ griff den Einfall auf. Auch eine Verbindung zu den zahlreichen Einwanderern aus Böhmen, die sich früher in der Gegend ansiedelten, sollte her. Buchstäblich ins Rollen kam die Sache allerdings erst 2008, als Tschechien den EU-Vorsitz inne hatte und die Kulturschaffenden rund um Norbert Kleemann den zuständigen Attaché des Landes kennenlernten. Die Idee des Strohballenrollens war geboren und auch der tschechische Botschafter ließ sich von ihr begeistern. Hilfreich war die damalige EU-Beauftragte des Bezirks Neukölln: die heutige Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD).

So geht, kurz zusammengefasst, die Geschichte eines ungewöhnlichen Sportfests, das am 12. September zum achten Mal am und um den Richardplatz gefeiert wird. Norbert Kleemann erzählt sie uns vor Ort beim Kaffee vor einer Bäckerei. Der Mitorganisator ist im Kiez bestens vernetzt und hier seit zehn Jahren an verschiedenen Unternehmungen beteiligt. Für das Web-TV-Projekt Borscht gab es bereits 2002 den Grimme-Preis. Kleemann wohnt selbst nicht weit entfernt im Schillerkiez.

Die Schnellsten werden nicht unbedingt die Ersten sein

Beim Strohballenrollen steht selbstverständlich der Spaß im Vordergrund. Rund 30 Teams treten an, um die gut 200 Meter lange Strecke am Richardplatz mit original Stroh zu bewältigen – unter ihnen ist stets eine Gruppe aus der tschechischen Partnerstadt Neuköllns, Usti nad Orlici. Anmeldungen sind bis kurz vor dem Rennen möglich – laut Kleemann können durchaus auch mehr Mannschaften teilnehmen. Es geht jedoch nicht nur um die Schnelligkeit: Damit nicht einfach der Stärkste gewinnt, haben die Organisatoren die Disziplin „Anmut und Eleganz“ eingeführt. Auch originelle Kostüme und eine charmante Choreographie geben Pluspunkte bei der Jury. Zum Finale gehört schließlich auch ein Quiz, bei dem Fragen zum Stadtteil Rixdorf zu beantworten sind. Einen Preis bekommt am Ende sogar das ‚gemütlichste‘ Team.

Im Rahmenprogramm dieses sportlichen Highlights gibt es eine Jugend- und eine Hauptbühne mit Unterhaltungs- und Musikprogramm. Auf letzterer dürfte die Berliner Band SkaZka mit ihrem mitreißenden Balkanbeat am Abend des großen Rollens der Veranstaltung einen heißen Abschluss bereiten. Eher an ein älteres Publikum wendet sich zuvor die historische Modenschau im Hof von Kutschen Schöne. Für die Kinder wiederum gibt es einen eigens mit Stroh ausgelegten Abschnitt der Richardstraße zum Toben.

Das „andere Neukölln“ zeigen

Die Finanzierung des Strohballenrollens ist stets aufs Neue eine Herausforderung. Ohne viele ehrenamtliche Helfer wäre das Fest nicht möglich, das macht Norbert Kleemann deutlich. Die tschechische Botschaft als ‚Schirmherrin‘ beteiligt sich an den Druckkosten für die Festschrift und stiftet die Gewinnerpokale. Lokale Unternehmen und Geschäfte unterstützen das Event. Bei der Endreinigung des Richardplatzes müssen die Organisatoren und ihre Helfer jedoch wieder selber anpacken.

Was motiviert jemand, sich bei diesem und anderen Projekten im Kiez immer wieder aufs Neue zu engagieren – ohne Aussicht auf finanzielle Erträge? Norbert Kleemann packt gerne Neues an, zusammen mit anderen, und er lernt gerne neue Menschen kennen. Außerdem gibt es da ein bestimmtes Bild vom Bezirk, das er zurechtrücken will: „Die ganzen Klischees stimmen, aber es gibt das andere Neukölln. (…) Für mich war wichtig, den Medien das andere Neukölln zu präsentieren.“ Auch bei einem der bekanntesten Events im Bezirk, den „48 Stunden Neukölln“, hat er einst mitgemischt. Ohne das überkritisch zu meinen, spricht er davon, dass sich das Projekt von seinen Ursprüngen entfernt habe und heute doch sehr auf die Bildende Kunst und Partys fixiert sei.

Rixdorf Saga Plakat
Kleemann hat in diesem Jahr zusammen mit Artur Albrecht zum dritten Mal zeitnah zum Strohballenrennen die „Rixdorf Saga“ auf die Beine gestellt. Es handelt sich um eine Freilichtinszenierung und das Ende einer Trilogie. Nach Vergangenheit und Gegenwart Rixdorfs wird diesmal dessen Zukunft behandelt. Zunächst gibt es am 6. September einen kleinen Markt in der Kirchgasse mit Ständen zum Thema. Um 15 Uhr werden dann Führungen in die Zukunft angeboten, die sich auf einer etwas vernachlässigten Grünfläche im Böhmischen Dorf abspielt. Mehr wollen wir gar nicht verraten, denn so anschaulich wie Macher Kleemann könnten wir es ohnehin nicht erzählen. Lasst euch überraschen – das abgebildete Plakat bietet einen kleinen Vorgeschmack!

Die „Rixdorf Saga“ und Popráci, das Rixdorfer Strohballenrennen bilden die Klammer der Rixdorfer Festspiele. Über beide Events könnt ihr euch auf deren Webseite informieren.

Foto Galerie

Strohballen und die Zukunft von Rixdorf, Richardplatz, 12055 Berlin
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