Konzert im Babylon

Die wundersame Adam-Show

Die wundersame Adam-Show
Sein Look mit roter Rüschenbluse und eigenwilliger Kopfbedeckung  ist irgendwo zwischen Hippie und Captain Jack Sparrow anzusiedeln. Zur Foto-Galerie
Rosa-Luxemburg-Platz - Selten so viel Spaß gehabt bei einem Konzert - und das im Sitzen! Der talentierte New Yorker Anti-Folk-Meister Adam Green zeigte im Kino Babylon Mitte einmal mehr, dass an ihm ein Komiker verloren gegangen ist und Abende mit ihm einfach für eine nachhaltig beseelte Stimmung sorgen.

„Wisst ihr, dass das hier früher ein Pornokino war? Ich mag diesen Ort!“, erklärte ein gut gelaunter Adam Green zum Start seines Konzertes, nachdem er einen Tisch – noch vom Support-Act Allie auf der Bühne – erst mal umständlich-komisch zur Seite geräumt hatte. „Ja, das haben wir so geplant!“, lachte er.

Mit dabei hatte Green bei seinem Konzert am 30. Januar nicht Binki Shapiro, mit der er sein letztes Album aufgenommen hat, sondern seinen früheren Bandkollegen von den Moldy Peaches Toby Goodshank. „Toby ist quasi Berliner, er hat hier mal ein Jahr gewohnt“, stellte der Sänger ihn vor. Zum Einsatz kam Goodshank vor allem als Gitarrist – Adam brauchte seine Hände zum überschwänglichen Tanzen – und als Zweitstimme für Revival-Duos wie „Who’s Got The Crack?“.

Ja, Adams Tanz-Stil muss man eigentlich gesehen haben, um zu wissen, was ich jetzt meine. Ungefähr wie ein kleiner Waldorf-Schüler, der stolz darauf ist, endlich seinen Namen auf der grünen Wiese tanzen zu können. Oder wie ein Typ auf einer wahrhaft glücklich machenden Droge, die einen einfach todkomische Dinge machen lässt: hüpfen, auf dem Boden räkeln, Mikro minimal hochwerfen, um es theatralisch aufzufangen, „abtauchen“, blödeln ohne Ende. Mit seinen Einlagen, über die er sich selbst auch ständig beömmelte, sorgte er jedenfalls für Dauerlacher im entspannten Publikum. Dabei wirkte Adam so, als sei er gern in der Stadt, gern in der Location – sogar so sehr, dass er nach dem Konzert ganz entspannt zum Merchandising-Stand schlenderte, um sich drücken zu lassen und Autogramme zu schreiben. Hach …

Klar hat Adam in seinem mittlerweile breiten Repertoire Songs, die nur mit Gitarrenbegleitung nicht ganz so zur Geltung kommen, aber seine Stimme – und natürlich auch seine durchgeknallten Texte – machten im Grunde alles wett. Von seinen frühen Hits wie „Mozarella Swastikas“ oder „Dance With Me“ (beide vom Debütalbum „Garfield“, 2002) über „Bluebirds“, „Friends of Mine“ oder „Jessica“ (vom meiner Ansicht nach mit Abstand besten Album „Friends of Mine“, 2003) bis hin zu „Emily“ (Album „Gemstones“, 2005), „Tropical Island“ (Album „Sixes & Sevens“, 2008), „Cigarettes Burns Forever“ (Album „Minor Love“, 2010)  und natürlich dem noch ziemlich neuen Duett-Song „Here I Am“ (Album „Adam Green & Binki Shapiro“, 2013) hat der New Yorker so ziemlich alles gespielt. Vor allem alles, was das Publikum sich auf seine mehrmaligen Anfragen hin gewünscht hat. Ich plädiere für: Künstler wie ihn sollte es mehr geben!

„Für mich ein großartiger Revival-Abend. Ich hatte schon fast vergessen, wie großartig Adam Green auf der Bühne ist! Mein erstes Konzert von ihm hab ich im Februar 2005 in Erlangen gesehen.“

Foto Galerie

Babylon Mitte, Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178 Berlin

Telefon 030 2425969
Fax 24727800

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Kasse täglich ab 17:00 Uhr und ab 30 Minuten vor der ersten Vorstellung

Babylon Mitte

Das Babylon in Mitte: Hier gibt's die Filme abseits des Mainstreams.

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